Abenteuer Diagnose Schriftzug (Bild: NDR)
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- Abenteuer Diagnose: Blinder Passagier

Bei der "Fahndung" nach der rettenden Diagnose geht es in der Medizin zu wie bei einem Kriminalfall: Es ist die Jagd nach Indizien, nach Spuren und Beweisen für die Ursache rätselhafter Beschwerden. In der Folge "Blinder Passagier" stellt die Sendereihe Abenteuer Diagnose wieder drei spannende Patientengeschichten vor. Es geht um ein kleines, aktives Organ in unserem Gehirn, die sogenannte Fliegenmadenkrankheit und eine seltene Erkrankung des Herzmuskels.

Hypophyseninsuffizienz
Als Hypophyseninsuffizienz wird ein teilweiser oder vollständiger Ausfall der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) bezeichnet. Die Hypophyse ist ein kleines, aber sehr aktives Organ an der Unterseite des Gehirns, das eine zentrale Rolle im Hormonstoffwechsel spielt. Eine Störung der Hypophysenfunktion beeinträchtigt das Wohlbefinden des Betroffenen deshalb massiv und kann unbehandelt zu zahlreichen Folgeerkrankungen und verringerter Lebenserwartung führen. Mögliche Ursachen einer Hypophyseninsuffizienz sind Hypophysentumoren, Tumoren der Sellaregion, Operationen oder Bestrahlungen dieses Gebiets, schwere Schädel-Hirn-Verletzungen, eine Subarachnoidalblutung, Entzündungen oder eine sogenannte Apoplexia pituitary. Selten beeinträchtigen erbliche Faktoren die Hypophysenfunktion.

Symptome: Abhängig von den ausgefallenen Hormonfunktionen der Hypophyse kann es zu Wachstumsstörungen, verzögerter oder ausbleibender Pubertät, Menstruationsstörungen, Testosteronmangel, Schilddrüsenunterfunktion, Nebenniereninsuffizienz oder einem sogenannten Diabetes insipidus kommen. Um der Erkrankung auf die Spur zu kommen, messen Spezialisten die Hormonspiegel im Blut und führen endokrinologische Funktionstests durch. So können sie die einzelnen Hormonkreisläufe beurteilen.

Therapie: Um die beeinträchtigte Hormonproduktion auszugleichen, lassen sich die nicht gebildeten Hormone gezielt von außen zuführen. Das gilt für die Hormone Desmopressin, Gestagen, Kortison, Östrogen, Somatotropin, Testosteron und Thyroxin.

 

Myiasis

Die auch als Fliegenmadenkrankheit bezeichnete Myiasis wird durch Fliegenmaden ausgelöst, die sich im Körper des Patienten von dessen Gewebe ernähren. Sie tritt vor allem in ländlichen Gebieten der Tropen oder Subtropen auf, in Mittel- und Südamerika, selten auch in Europa.

Übertragung durch Wasser, Insekten und Kleidung
Auf die Haut gelangen die Larven zum Beispiel über verschmutztes Wasser, blutsaugende Insekten oder verschmutzte Kleidung, auf denen Fliegen ihre Eier abgelegt haben. Aus den Eiern schlüpfen rasch die parasitären Fliegenmaden. Sie besiedeln kleine Hautverletzungen oder offene Wunden, gern auch abgestorbenes Gewebe. Sie können sich aber auch in Körperöffnungen wie Nase, Augen oder Ohren verstecken.

Symptome: Furunkel, Geschwüre und Juckreiz
Wie tief sich die Maden ins Gewebe eingraben, hängt von der Fliegenart ab. Einige bleiben dicht unter der Oberfläche, andere graben regelrechte Tunnel. Sie führen zur Entwicklung schlecht abheilender Geschwüre und Furunkel, Schmerzen und starkem Juckreiz. Eine Myiasis wird durch Entfernen der Maden und eine gründliche Wundreinigung im Anschluss behandelt.

 

Non-Compaction-Kardiomyopathie

Die Non-Compaction-Kardiomyopathie (NCCM) ist eine seltene erblich bedingte Erkrankung des Herzmuskels. Sie führt in der Embryonalentwicklung zu einer Störung der muskulären Verdichtung. Die Muskulatur der Herzkammern wirkt im Ultraschall schwammartig aufgetrieben. Durch Umbauprozesse können Narben am Herzmuskel entstehen. Diese erweitern die Herzkammern und schränken ihre Funktion ein. Das Narbengewebe kann auch die Weiterleitung der Herzströme beeinträchtigen.

Symptome: Die Betroffenen leiden unter den Symptomen einer Herzschwäche mit Leistungsminderung, zunehmender Kurzatmigkeit, Wasseransammlungen im Gewebe, Schwindel und Bewusstlosigkeit. Die Veränderungen des Herzmuskels beeinträchtigen auch den Blutfluss und begünstigen dadurch die Entstehung von Blutgerinnseln in den Herzkammern. Werden die Blutgerinnsel in den Kreislauf ausgeschwemmt, können sie einen Schlaganfall und viele andere Folgeerkrankungen verursachen. Bei schweren Herzrhythmusstörungen kann es auch zu einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand kommen.

Diagnostik: Zur wichtigsten Diagnostik der Non-Compaction-Kardiomyopathie gehört der Herzultraschall (Echokardiografie). Weitere Informationen kann eine Kardio-Magnetresonanztomografie liefern. Im EKG suchen Ärzte nach gefährlichen Herzrhythmusstörungen, die bei einer Non-Compaction-Kardiomyopathie vermehrt auftreten. Da die Krankheit vererbbar ist, gehören zur Diagnostik auch eine gründliche Familienanamnese und genetische Untersuchungen.

Therapie: Die Non-Compaction-Kardiomyopathie lässt sich nicht heilen. Die medikamentöse Therapie konzentriert sich auf die Kontrolle der Symptome. Die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten soll die Bildung von Blutgerinnseln in den Herzkammern unterdrücken, um einem Schlaganfall und anderen Gefäßverschlüssen vorzubeugen.