3D-Grafik einer Schilddrüse im Hals (Foto: imago/Science Photo Library)
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- Knoten in der Schilddrüse - welche Therapien schaffen Abhilfe?

Die Hormone der Schilddrüse sind für den ganzen Körper lebenswichtig. Jod ist dafür ein wichtiger Baustein - Knoten in der Schilddrüse entstehen darum besonders bei Jodmangel. Die rbb Praxis zeigt, wann Medikamente eine Fehlfunktion der Schilddrüse ausgleichen müssen und was bereits eine jodreiche Ernährung kann. Außerdem stellen wir eine ganz neue OP Methode vor, mit dergefährliche Knoten narbenfrei entfernt werden.

Diese schmetterlingsförmige Hormondrüse sitzt direkt unter dem Kehlkopf: die Schilddrüse. Sie produziert unter dem Einfluss der Hirnanhangdrüse die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) und steuert zahlreiche Stoffwechselvorgänge wie:

• Wachstum,
• Knochenbildung,
• die Entwicklung des Gehirns,
• Energiestoffwechsel

Die Schilddrüsenhormone beeinflussen so gut wie alle Körperfunktionen: vom Herz-Kreislaufsystem über die Bildung der Geschlechtshormone bis hin zu der Stimmungslage und der Beschaffenheit der Haut. Kurzum: Ohne eine gesunde Schilddrüse, die die richtige Menge Hormone produziert, gerät der ganze Stoffwechsel gehörig durcheinander.

Hashimoto-Krankheit häufigster Grund für Unterfunktion

Genetische Faktoren, Hormonstörungen und Umwelteinflüsse können dazu führen, dass die Schilddrüsenhormone in unzureichender Menge gebildet werden. Es gibt dann Bereiche in der Schilddrüse, die keine oder nur sehr wenige Hormone produzieren. Ärzte sprechen von "kalten Knoten". Experten schätzen, dass bis zu zehn Prozent der Deutschen eine Schilddrüsenunterfunktion haben. Häufigste Ursache ist eine chronische Entzündung: die sogenannte Hashimoto-Krankheit. Durch Störungen des Immunsystems ist die Hormonproduktion der Drüse vermindert oder gestoppt. Betroffen sind meist Frauen in hormonellen Umbrüchen.

Die Schilddrüsenunterfunktion geht mit vielen unspezifischen Symptomen einher:

• Antriebsarmut,
• depressive Verstimmung,
• Gewichtszunahme,
• Müdigkeit,
• Kältegefühl,
• schuppige Haut und Haare,
• langsamer Herzschlag.

Auf Dauer erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Hormonmangel bleibt wegen der diffusen Beschwerden oft monate- oder gar jahrelang unbemerkt.

TSH-Wert bringt erste Hinweise

Um erste Hinweise über mögliche Ursachen zu bekommen, bestimmen Ärzte den sogenannten TSH-Wert im Blut. Er zeigt als ein wichtiges Indiz an, ob die Schilddrüse normal arbeitet.

1. Bei einem gesunden Organ beträgt der TSH-Wert maximal 4 Milli-Units pro Liter (mU/L). Sinkt die Produktion von T3 und T4 der Schilddrüse, steigt der Wert an.
2. Ist der TSH-Wert nur leicht erhöht, also etwa zwischen 5 und 10 mU/L, bemerken nur etwa zwei von hundert Betroffenen Beschwerden.
3. Bei TSH-Werten zwischen 10 und 15 mU/L hat etwa jeder fünfte Patient Beschwerden.
4. Ist der TSH-Wert zum Beispiel größer 15 mU/L, macht sich die Unterfunktion bei zwei von drei Patienten bemerkbar.

Ärzte behandeln zurückhaltender

Früher wurde nahezu jeder Patient mit erhöhtem TSH behandelt. Heute beginnt die Therapie erst, wenn Patienten wirklich Beschwerden haben, die zweifelsfrei dem Hormonmangel zuzuordnen sind. Bevor die Ärzte also die künstlichen Schilddrüsenhormone verschreiben, betreiben sie eine umfangreiche Umfelddiagnostik inklusive Antikörpertests und Ultraschall. Üblicherweise besteht die Therapie aus Tabletten mit künstlichen Hormonen, die eine zu niedrige Produktion der Schilddrüse ausgleichen.

Wenn die Schilddrüse überaktiv ist

Das Gegenteil passiert bei der Hyperthyreose, also einer Überfunktion der Schilddrüse. Sie entsteht meist bei älteren Menschen durch sogenannte "autonome" Bezirke, die sich der Steuerung der Schilddrüsenfunktion durch die Hirnanhangdrüse entziehen. Die Drüse produziert dann zu viele Schilddrüsenhormone und nimmt an Volumen zu. Es entstehen sogenannte "heiße Knoten". Neben Jodmangel kann eine genetische Veranlagung der Grund für das Wachstum sein.

Typische Beschwerden der Hyperthyreose sind:

• Gewichtsabnahme,
• Haarausfall,
• Schwitzen,
• Nervosität.

Die Behandlung der Hyperthyreose erfolgt ebenfalls durch Schilddrüsenhormone, die das übermäßige Wachstum der Drüsenzellen stoppen und das Organ wieder auf seine normale Größe bringen. Operiert wird ein heißer Knoten, wenn er durch seine Größe und Lage Beschwerden verursacht.

Minimal invasive Operation durch den Mund

In drei Kliniken deutschlandweit operieren Ärzte ihre Patienten mittlerweile, ohne dass bei ihnen eine sichtbare Narbe zurückbleibt. Bei dem innovativen minimal invasiven OP-Verfahren namens POET-Methode (perorale endoskopische Thyreoidektomie) werden statt einem Schnitt am Hals drei kleine Schnitte im Inneren des Mundes zwischen Unterkiefer und Unterlippe gesetzt. Knoten, die sich in der Schilddrüse gebildet haben, trennt der Operateur dann aus dem Schilddrüsenlappen heraus und zieht sie in einem Beutel über das Trokar Beutel durch den Mund heraus.

Weitere Vorteile der POET-Methode liegen Anwendern zufolge darin,
• dass das Gewebe im Mund innerhalb von wenigen Tagen ausheilt,
• es geringere Komplikationsraten gibt,
• seltener Schmerzen am Halsmuskel entstehen,
• keine sichtbare Narbe zurückbleibt.

Entscheidend für den Operationserfolg ist zudem die 30-fache Vergrößerung des Operationsgebietes durch eine hochqualitative Kamera: Je besser die Operateure das Operationsfeld einsehen können, desto besser können sie den sensiblen Stimmbandnerv schonen. Er verläuft auf der Rückseite der zwei Schilddrüsenlappen. Wird der Stimmbandnerv durch einen Schnitt verletzt, kann es zu einer bleibenden Lähmung und nachfolgender Heiserkeit kommen. Die Lage des Nervs wird zudem über ein akustisches Signal ständig intraoperativ kontrolliert, so dass der Nerv zusätzlich geschützt wird.

Mit dem POET-Verfahren dürften Operateure zukünftig prinzipiell verschiedene Erkrankungen der Schilddrüse und Nebenschilddrüsen inklusive bösartiger Tumore behandeln. In Deutschland bestehen bislang nur Erfahrungen mit kleineren Knoten an der Schilddrüse. Angeboten wird die Methode hierzulande erst an wenigen Kliniken.

Filmbeiträge: Thomas Förster
Infotext: Beate Wagner

Ultraschall Untersuchung mit Studiogast und Prof. Spranger
rbb

Studioaktion - Untersuchung der Schilddrüse

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