Joghurt, Pillen und eine Milchflasche auf einem Tisch (Bild: imago/Science Photo Library)
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- Probiotika: Gute Bakterien für den Darm?

Als Pulver oder Pillen, im Joghurt: Probiotika sollen dem kranken Darm dabei helfen wieder gesund zu werden. Das kann funktionieren, muss es aber nicht. Studien zufolge können Probiotika Patienten sogar schaden – wenn sie unnötig oder falsch eingenommen werden. Für wen sie geeignet sind, erfahren Sie in der rbb Praxis.

Erhältlich sind sie in der Apotheke als Pulver oder Pillen, aber auch im Supermarkt, beigemengt in Joghurt, Trinkfläschchen oder sogar Kindernahrung: Synthetisch hergestellte Bakterien, sogenannte Lacto- und Bifido-Stämme, haben in den vergangenen Jahren eine steile Karriere gemacht. Als "Probiotika" werden sie als heilbringende Mittel bei Reizdarm, Darmentzündungen, bei Durchfällen, Laktoseintoleranz oder entglittener Darmflora nach Antibiotika-Therapie gehandelt. Ihre Wirkung sollen die probiotischen Präparate im Dickdarm entfalten.

Probiotika – halten sie, was sie versprechen?

Im Darm ist eine Vielzahl von Bakterien bei der Verdauung aktiv. Sie unterstützen auch die Immunabwehr, produzieren Hormone und sichern die Barrierefunktion des Darms. Probiotika sollen sie dabei unterstützen. Allerdings versucht die Wissenschaft bisher Phänomene wie eine allgemein verbesserte Gesundheit, gesteigerte Abwehrkräfte und mehr Wohlbefinden vergeblich zu beweisen.

In letzter Zeit gibt es auch gegenteilige Untersuchungen: Probiotika können Blähungen, Bauchschmerzen und sogar Konzentrationsstörungen hervorrufen – zumindest bei bestimmten Personengruppen:

• Eine niederländische Studie hat gezeigt, dass die Einnahme eines hochdosierten Probiotika-Präparats die Sterblichkeitsrate bei Patienten mit akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung verdoppelte.
• Eine aktuelle Studie wies nach, dass Probiotika nach einer Antibiotikatherapie auch die normale Regeneration der Darmbakterien verhindern können.
• Eine andere Untersuchung konnte zeigen, dass Probiotika auch zu Konzentrationsstörungen beitragen können.
• Eine Studie bescheinigte, dass Leute unter Einnahme von Probiotika vermehrt psychische Beschwerden hatten.
• In zwei randomisierten klinischen Studien aus den USA und Kanada erwiesen sich Probiotika in der Behandlung der akuten Gastroenteritis von Säuglingen und Kleinkindern als wirkungslos.

Experten

Nur in ärztlicher Hand

Deshalb, so die Forderung von Medizinern, gehören Probiotika in die Hände von Ärzten – und sollten nicht länger ohne Rezept verkauft werden. Denn sie sind nicht für alle Menschen geeignet. In Zukunft könnte ein Stuhltest darüber entscheiden, welches Probiotikum dem Einzelnen am besten hilft. Und: Patienten, die ärztlich verordnet Probiotika einnehmen, sollten regelmäßig kontrolliert werden. Erzielen die Präparate keine Wirkung oder verschlechtert sich der Zustand der Patienten unter der Einnahme, müssen sie wieder abgesetzt werden.

Darmflora trotzdem fördern

Dennoch kann man etwas für seine Darmflora tun – durch die Auswahl geeigneter Nahrungsmittel. So fördern Gemüse und Vollkornprodukte eine gesunde Darmflora: Denn bei der Verdauung von komplexen pflanzlichen Kohlenhydraten entstehen gesündere Stoffe als bei der Verdauung von Fleisch oder Milchprodukten. Pflanzliche, ballaststoffreiche Kost kann so die Darmflora verbessern. Das menschliche Darm-Mikrobiom ist in der Lage 500.000 verschiedene Metaboliten zu produzieren, darunter Hormone und Neurotransmitter. Deshalb beeinflusst eine darmfreundliche Ernährung zahlreiche Körperfunktionen wie die Immunabwehr positiv.

Autorin: Angelika Wörthmüller
Infotext: Constanze Löffler

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