Frau mit geöffnetem Mund fasst sich an den Hals (Bild: Colourbox)
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- Stimmversagen: Was steckt dahinter?

Wenn wir erkältet sind, wenn wir viel reden oder schreien, dann belastet das die Stimme: Wir werden heiser, die Stimme verändert sich. Sie klingt bei manchen Menschen rau und tief, bei anderen wird sie hoch und dünn. Und manchmal bringen wir gar keinen Laut mehr raus. Oft lässt sich für solche Stimmstörungen aber keine naheliegende Erklärung finden. Dann hilft eine komplexe Diagnose beim spezialisierten HNO-Arzt.

Rund 250 sogenannte Phoniater üben hierzulande die Kunst der Behandlung von Stimmstörungen aus. Die Beschwerden reichen von Heiserkeit und Rauigkeit über die Erfahrung, nicht mehr so laut sprechen zu können bis hin zur völligen Stimmlosigkeit. Oft sind die Beschwerden die Folge von Überlastung oder falscher Belastung der Stimme: langes Singen oder Schreien oder überhaupt langes Reden.

Sprechen – ein anstrengender Beruf

Viel reden müssen erstaunlich viele Menschen: Etwa ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung hierzulande gehört zu den Sprecharbeitern. Das betrifft vor allem Lehrer, Erzieher, Anwälte. Sie alle sprechen am Tag mehrere Stunden. Kein Wunder, dass die Stimmbänder da manchmal schlapp machen. Experten empfehlen die ärztliche Abklärung einer Heiserkeit oder sonstiger Stimmprobleme nach spätestens drei Wochen. Sie kann beim spezialisierten HNO-Arzt erfolgen, beim sogenannten Phoniater. Um der Ursache auf die Spur zu kommen, stehen dem Mediziner verschiedene Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung.

Diagnostik auf vielen Wegen

Wie bei anderen Fachrichtungen hat auch in der Phoniatrie das Patientengespräch oder die Anamnese eine zentrale Bedeutung. Danach folgen weitere Untersuchungen
• Hörbeurteilung der Sprechstimme durch das geübte/erfahrene Ohr des Phoniaters
• Endoskopie: Mit einem flexiblen Endoskop, das nur wenige Millimeter dünn sind und eine Minikamera am Ende hat, betrachtet der Arzt die Stimmlippen. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten und ist schmerzfrei.
• Videostroboskopie: Ein speziell gesteuertes Blitzlicht hilft dem Phoniater die sehr schnellen Schwingungen der Stimmlippen wie in Zeitlupe zu beobachten und Funktionsstörungen der Stimmlippenschwingungen zu erkennen.
• Stimmschallanalyse
• Der VHI (Voice Handicap Index) ist ein validierter Fragebogen, den der Patient ausfüllt. Die Antworten geben dem behandelnden Arzt einen guten Überblick darüber, wie der Betroffene seine Beschwerden einschätzt.
Auch danach kann der Phoniater weitere Untersuchungen durchführen. Deutet die bisherige Erhebung des Befundes beispielsweise auf ein Stimmlippen-Problem hin, wird eine hochauflösende flexible Endoskopie mit NBI (narrow band imaging) durchgeführt. Eine optische Filterung des Endoskopielichtes mit Kontrastierung von Blutgefäßen und Schleimhautoberflächenstrukturen ermöglicht die schnellere Erfassung und Darstellung von Gewebeveränderungen. Die genaue Abklärung ist deswegen wichtig, weil sich hinter Stimmstörungen auch ernste organische Probleme verbergen können – Fehlbildungen, Lähmungen, Polypen, Entzündungen oder (allerdings selten) sogar Tumoren.

Wie therapieren?

Werden organische Ursachen einer Stimmstörung festgestellt, können diese oft gut operativ behandelt werden. Fällt die Diagnose "funktionelle Stimmstörung", stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung:
• stimmtechnische Probleme beim Sprechen: Logopädie
• stimmtechnische Probleme beim Singen: Gesangspädagogik
• muskuläre Probleme: laryngeale Osteopathie
• psychische Probleme: psychisch bzw. psychotherapeutisch basierte Intervention
Tritt dann keine Besserung ein, muss noch einmal nach organischen Erkrankungen wie Reflux, Sinusitis, Asthma, COPD, Verschleimung, Allergie sowie bösartigen Erkrankungen geforscht werden.

Auch Inhalieren kann helfen

Bei akuten Infekten hilft das Inhalieren. Wer sensible Schleimhäute hat, nimmt am besten nur heißes Wasser. Teilweise machen aber auch Zusätze Sinn: Die leicht flüchtigen ätherischen Öle von Kamille, Eukalyptus oder Salbei werden mit dem Wasserdampf zu den Schleimhäuten transportiert und wirken dort entzündungshemmend und keimtötend, verflüssigen den Schleim. Sie aktivieren auch die Flimmerhärchen, den Schleim in Richtung Rachen abzutransportieren.

Wichtig:
• Das Wasser zum Inhalieren sollte auf 40 bis 50 °C abgekühlt sein; für Kinder kann es sogar noch ein paar Grad weniger haben.
• Atmen Sie den Wasserdampf für 10 bis 20 Minuten in gleichmäßigen, langsamen Atemzügen ein.
• Zusätze wie Kamille oder ätherische Öle wie Eukalyptus oder Kampfer sind wirksam, können aber zu allergischen Reaktionen führen, insbesondere bei Kindern. Deshalb: Vorsicht!

Mit speziellen Inhalationsapparaten gelingt das Inhalieren besonders gut. Sie vernebeln destilliertes Wasser oder medizinische Kochsalzlösung (NaCl 0,9 %) zu winzigen Tröpfchen, die tiefer in die Atemwege gelangen. Die Apparatur sollten Sie regelmäßig reinigen, damit sie nicht zur Keimschleuder wird.

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