Rötgenbild mit farbig markiertem Herzschrittmacher (Bild: imago/Photo Science Library)
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- Herzschrittmacher: Taktgeber für ein angegriffenes Herz

Rhythmusstörungen des Herzens können zu Ohnmacht, Schwindel oder Schwäche führen. Wenn das Herz außer Takt gerät, können Herzschrittmacher oder implantierbare Cardioverter-Defibrillatoren (ICD) helfen. Die elektrischen Impulse lassen das Herz wieder regelmäßiger schlagen. Auf diese Unterstützung sind immer mehr Menschen angewiesen.

Herzrhythmusstörungen gehören zu den häufigsten Herzkrankheiten - Tendenz steigend. In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Herzrhythmusstörungen nahezu verdoppelt. Pro Jahr werden inzwischen über 105.000 Schrittmacher zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Zählt man die Batterie- und Systemwechsel und Eingriffe wegen Komplikationen hinzu, gehören Operationen an Herzschrittmachern mit über 156.000 Eingriffen pro Jahr zu den 30 häufigsten Operationen in Deutschland.

Das Herz arbeitet mit elektrischen Impulsen, die über ein eigenes elektrisches Leitungssystem aus den so genannten Schrittmacherzentren auf den Herzmuskel übertragen werden. Der zieht sich dann zusammen und pumpt das Blut durch den Körper. Zum einen können Herzschrittmacher notwendig werden, wenn der Ursprung der Erregung gestört ist. Mediziner sprechen dann von einer Reizbildungsstörung. Zum anderen kann aber auch die Übertragung der Erregung innerhalb des Herzens gestört sein - das nennen Ärzte dann Reizleitungsstörung.

In beiden Fällen arbeitet das Herz zu langsam und es wird nicht mehr ausreichend Blut in den Körper gepumpt. Schwindel, Schwächegefühle, im schlimmsten Fall sogar ein Herz-Kreislaufstillstand können die Folgen sein.

Funktion eines Herzschrittmachers

Der Herzschrittmacher übernimmt die Reizbildung oder -leitung im Herzen, abhängig davon, was gebraucht wird. Ein Schrittmacher ist eine künstliche Stromquelle, die über ein Kabel mit dem Herzen verbunden ist und einen elektrischen Impuls aussendet. Dieser Impuls bringt dann das Herz zum Schlagen.

Je nachdem, welche Herzkammer das Herzschrittmacherkabel erreicht, spricht man von einem Ein- oder Zweikammersystem. Das Kabel kann also
o in der Herzkammer oder
o im Vorhof und in der Herzkammer
einen Herzschlag auslösen. Moderne Systeme haben zusätzlich noch eine Elektrode, die über die Herzkranzgefäße – genauer gesagt die Koronarvenen – an die Außenseite des Herzens geführt wird und die linke Herzkammer von außen stimuliert. Diese als "Dreikammersystem" bezeichneten Schrittmacher werden vor allem bei Patienten mit Herzschwäche eingesetzt. Durch diese Verfahren versuchen die Ärzte, den natürlichen Herzschlag immer besser nachzuahmen und nicht nur zu stimulieren.

Zusätzlich gibt es Schrittmacher, die nicht nur den Puls korrigieren, sondern auch in der Lage sind, lebensbedrohliches Kammerflimmern zu unterbrechen. Diese so genannten implantierbaren Cardioverter-Defibrillator (ICD)-Systeme senden einen extrem starken Stromstoß aus, der die lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung durchbricht.

Der Schrittmacher soll zudem in der Lage sein, die eigenen Aktionen des Herzens zu erkennen, so dass es nicht zu einer unkoordinierten Erregung des Herzens durch den eigenen Herzschlag und durch den Schrittmacher kommt. Und das ist das Besondere an den Schrittmacherkabeln. Sie müssen in der Lage sein, einerseits die eigenen Herzreize zu erspüren, die oft nur im Minivoltbereich liegen, gleichzeitig müssen sie aber Stromimpulse von zwei bis drei Volt bei den Schrittmachern oder sogar 750 Volt bei den Defibrillatoren übertragen können.

Einsetzen eines Herzschrittmachers

Die Herzschrittmacheroperation erfolgt meist in örtlicher Betäubung, der Patient ist also während des Eingriffs wach und erhält Medikamente, die ihn beruhigen und entspannen. Nur in seltenen Fällen wird der Herzschrittmacher in Vollnarkose eingesetzt. Der Eingriff dauert in etwa 30 bis 60 Minuten.

Der Arzt macht zunächst einen Hautschnitt unterhalb des Schlüsselbeins. Auf welcher dieser liegt, ob links oder rechts, besprechen Arzt und Patient gemeinsam. Hier liegt eine große Vene, die direkt zum Herzen führt. In diese Vene führt der Arzt nun die biegsamen Schrittmacherkabel ein, die er in das Herz vorschiebt. Die Kabel sind unter zwei Millimeter dünn und bestehen meist aus einer Nickellegierung, die mit Silikon oder Polyurethan beschichtet sind. Die Spitze des Schrittmacherkabels, die den Stromimpuls auf den Muskel überträgt, besteht aus Platinverbindungen. Manchmal werden auf die Schrittmacherkabelspitze auch Medikamente wie etwa Cortison aufgebracht, die das Einheilen fördern sollen.

Auf dem Röntgenschirm überprüft der Arzt, ob er das Kabel richtig in der Herzkammer und/ oder im Herzvorhof positioniert hat. Dann stimuliert er mit einem Testgerät das Herz, indem er Strom durch die Kabel fließen lässt. Wenn zu viel Energie nötig ist, um das Herz schlagen zu lassen, positioniert er das Kabel neu. Denn es soll möglichst wenig Energie verbraucht werden, um das Herz zu stimulieren, damit der Schrittmacher möglichst lange hält.

Erst wenn die Position der Schrittmacherkabel festgelegt ist, schließt der Arzt das eigentliche Aggregat an. Das Aggregat enthält die Batterie und Elektronik des Schrittmachers. Im Mittel halten die Batterien eines Schrittmachers zwischen acht und 16 Jahren. Wenn man bedenkt, dass die Batterien eines modernen Smartphones unter den gleichen Bedingungen nach einem halben Tag komplett geleert sind, kann man ermessen, wie leistungsfähig ein Schrittmacher ist. Dennoch ist er sehr klein: kleiner und dünner noch als eine Streichholzschachtel und extrem leicht. Der Arzt implantiert es in eine "Tasche" unter dem Schlüsselbein.

Probleme nach einer Schrittmacheroperation sind eher selten: Es kann zur Fehllage der Schrittmacherkabel, zu Gefäßverletzungen oder Entzündungen und Blutergüssen an der Hautnaht kommen. Meist werden diese Komplikationen aber schon im Krankenhausaufenthalt erkannt und können direkt behandelt werden.

Leben mit einem Herzschrittmacher

Nach einer kurzen Einheilungszeit dürfen Schrittmacherpatienten grundsätzlich alles machen, was auch Menschen ohne Schrittmacher tun. Allerdings sollten sie im Umgang mit elektrischen Geräten einiges beachten. Von diesen können eventuell elektromagnetische Felder ausgehen, die die Arbeit des Herzschrittmachers stören. Die Folgen können harmloses Herzstolpern sein, aber auch schwarz werden vor den Augen oder sogar eine Bewußtlosigkeit auslösen.

Inzwischen werden sowohl die Schrittmacher als auch die Elektrogeräte immer besser abgeschirmt, so dass von einer tatsächlichen Beeinflussung nur noch selten berichtet wird. Auch für Störungen der Schrittmacherfunktion durch moderne Mobiltelefone sehen Experten keine Hinweise. Wer sicher gehen will, sollte einen Abstand von 15 bis 30 Zentimetern zu elektrischen Geräten einhalten. Das gilt für die elektrische Zahnbürste und den Föhn genauso wie für Herd, Toaster, Wasch- oder Spülmaschine. Auch kann man darauf achten, dass man das Handy zum Telefonieren an das Ohr hält, das dem implantierten Herzschrittmacher-Aggregat gegenüberliegt und es nicht in der Hemd- oder Jackentasche trägt, die sich in der Nähe des Schrittmachers befindet.

Sport wird Schrittmacherpatienten sehr empfohlen. Aber nicht jede Sportart ist geeignet. Von Kampfsportarten wie Karate oder Boxen raten Experten ab. Durch die harten Stöße oder Schläge im Oberkörperbereich könnten die Kabel brechen. Auch Sportarten, bei denen der Arm oder das Schrittmacherkabel stark bewegt werden, können schaden, wie Freeclimbing oder Kitesurfen. Das nur wenige Millimeter dünne Kabel wird nämlich auch ohne Sport jeden Tag durch den Herzschlag zwischen 80 und 90 Tausend Mal bewegt. Besser geeignet sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Joggen, Nordic Walking, Wandern, Radfahren oder Skilanglauf.

Filmbeitrag: Carola Welt
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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