Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 (Quelle: rbb)
Bild: rbb

- Notfallnummer 116 117: Hier wird geholfen

Wer im Notfall dringend einen Rettungswagen braucht, wählt die 112. Aber was ist, wenn man Hilfe benötigt, es nicht gleich der Krankenwagen sein muss, aber die Arztpraxis bereits geschlossen hat? Viele gehen dann in die Rettungsstelle der nächsten Klinik und warten stundenlang. Dabei gibt es doch eine andere - viel bessere Nummer - für erste Hilfe. Die rbb PRAXIS stellt den Service der 116 117 genauer vor.

Die Notfallnummer 116 117 ist nicht neu. Bereits 2012 wurde sie eingeführt, um die Notfallversorgung zu koordinieren. Denn überfüllte Notaufnahmen werden zunehmend zu einem Problem in Deutschland. Studien zufolge steigen die Patientenzahlen in den Rettungsstellen der Krankenhäuser jährlich um vier bis neun Prozent. Diese Zunahme hängt nicht nur mit der älter werdenden Bevölkerung oder der Häufigkeit von Erkrankungen zusammen. Immer öfters werden Patienten in der Rettungsstelle behandelt, die eigentlich auch vom Hausarzt hätten versorgt werden können. 

Nur Notfälle gehören in die Notaufnahme

Befragungen zufolge stellt sich mehr als jeder dritte Patient eigeninitiativ in der Notaufnahme vor – hatte also vorher keinen anderen Arzt aufgesucht. Nur 10 bis 20 Prozent der Patienten in den Notaufnahmen sind tatsächlich lebensbedrohlich erkrankt. Alle anderen gehören streng genommen nicht in die Notaufnahme, sondern sollten sich beim hausärztlichen Bereitschaftsdienst vorstellen. Denn die steigenden Patientenzahlen in den Notaufnahmen haben Folgen. Patienten mit "Bagatellerkrankungen", beschäftigen Personal, das sich eigentlich um schwer oder sogar lebensbedrohlich erkrankte Patienten kümmern sollte.

Wer hilft wann?

In der Rettungsstelle sind Sie dann richtig, wenn Sie eine lebensbedrohliche Erkrankung haben oder eine Verletzung, die nicht in der Arztpraxis versorgt werden kann. Das ist zum Beispiel bei Schnitt- und Platzwunden, Knochenbrüchen oder großflächigen Verbrennungen der Fall. Wenn Sie befürchten, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu haben, müssen Sie umgehend die 112 wählen.

Für nicht lebensbedrohliche Fälle gibt es andere Ansprechpartner:

  • Sie fühlen sich krank, aber es ist noch nicht so schlimm, dass sie sofort einen Arzt brauchen? In diesem Fall gehen Sie am nächsten Werktag zu Ihrem Hausarzt. Er kennt Sie und Ihre Krankengeschichte und weiß, welche Behandlung am sinnvollsten ist.
  • Sie sind nicht lebensbedrohlich krank und die Arztpraxen haben bereits geschlossen? Ihre Schmerzen sind aber so schlimm oder Sie fühlen sich so unwohl, dass Sie nicht bis zur nächsten Sprechzeit warten können? Dann hilft Ihnen die Notfallnummer 116 117 weiter.

Notfallnummer 116 117

Außerhalb der normalen Sprechzeiten erreichen Sie unter der Notfallnummer Haus- und Fachärzte im Bereitschaftsdienst. Diese Ärzte leisten den Dienst zusätzlich zu ihrer täglichen Arbeit in der Praxis. Wenn Sie die 116 117 wählen, landen Sie dann entweder direkt bei einem der Ärzte oder in einer Telefonzentrale, in der medizinisch geschulte Mitarbeiter arbeiten. Diese nehmen Ihr Anliegen auf und leiten es an einen Arzt weiter. Zudem kennen die Mitarbeiter die Adresse der nächsten Bereitschaftsdienstpraxis, die Sie selbst aufsuchen können. Oder Sie schicken Ihnen bei Bedarf einen Arzt des Hausbesuchsdienstes bzw. des "fahrenden Bereitschaftsdienstes" vorbei.

Eingerichtet wurde die Nummer von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Zuvor gab es über 1.000 regionale Bereitschaftsdienstnummern, die teilweise täglich wechselten. Jetzt gilt die 116 117 deutschlandweit. Der Anruf ist für Sie kostenfrei – egal, ob Sie über das Festnetz oder mit dem Mobiltelefon anrufen. Hör- und sprachgeschädigte Menschen können über ein Fax-Formular Kontakt mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst aufnehmen.

Im Jahr 2017 wählten bundesweit über 6,5 Millionen Anrufer die 116 117, am häufigsten samstags zwischen 9 und 10 Uhr. Hier zählte der Dienst etwa 6.000 Anrufe pro Stunde. Übrigens dachten bei der 116 117 viele, man könnte die 116 oder die 117 wählen. Die Rufnummmer ist aber sechsstellig: 116 117. Das hängt damit zusammen, dass Telefonnummern, die mit 116 beginnen, von der europäischen Kommission europaweit einheitlich an kostenfreie Dienste mit sozialem Wert vergeben werden.

Fälle für den Hausarzt

  • Länger bestehende Beschwerden und Schmerzen, die sich nicht wesentlich verändern
  • Infekte mit leichtem Fieber bis 39 °C
  • Kleinere Verletzungen, bei denen ein Pflaster zur Wundversorgung reicht

Fälle für die 116 117

  • Erkältung mit hohem Fieber über 39 °C
  • Anhaltender Brechdurchfall
  • Starke Hals- oder Ohrenschmerzen
  • Akute Harnwegsinfekte
  • Kleinere Schnittverletzungen, bei denen ein Pflaster nicht mehr reicht
  • Akute (neu aufgetretene) Rücken- oder Bauchschmerzen

Fälle für die 112

  • Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung
  • Schwere Atemnot
  • Starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden
  • Akute und anhaltende stärkste Schmerzzustände
  • Starke, nicht stillbare Blutungen
  • Unfälle mit Verdacht auf starke Verletzungen
  • Großflächige Verbrennungen
  • Ertrinkungs- und Stromunfälle
  • Vergiftungen oder Suizidversuche aller Art
  • Akute Krampfanfälle

Notdienstpraxen auch für Kinder

Auch wenn Kleinkinder, Kinder oder Jugendliche gesundheitliche Probleme haben, sollte man sich an die 116 117 wenden. In Berlin z.B. gibt es vier Notdienstpraxen extra für Kinder, in denen die KV mit Kliniken zusammenarbeiten.

In Notdienstpraxen kümmern sich ein niedergelassener Kinderarzt und eine medizinische Fachangestellte um die kleinen Patienten. Die häufigsten Beschwerden in der Kinder-Notdienstpraxis sind Fieber, Verstopfung, Bauchschmerzen, Ohrenschmerzen, Durchfall und Erbrechen.

Etwa 55 bis 60 Prozent der Kinder, die in den Sprechzeiten der KV-Notdienstpraxis kommen, werden auch dort versorgt. Das bedeutet, dass die Kindernotaufnahme entlastet wird und mehr Zeit für die lebensbedrohlichen Fälle bleibt. Andererseits können chirurgische Fälle wie etwa Wunden oder Knochenbrüche schnell in der Kindernotaufnahme versorgt werden, weil die Kinderärzte der Kassenärztlichen Vereinigung dafür nicht immer ausgebildet sind.

Kooperation von Kliniken mit Notdienstpraxen in Berlin

Notdienstpraxen für Kinder und Erwachsene (Quelle: rbb)

Kooperation von Kliniken mit Bereitschaftpraxen in Brandenburg

In Brandenburg werden die Notdienstpraxen Bereitschaftspraxen genannt und sind immer an ein Klinikum angeschlossen. Derzeit gibt es landesweit neun Bereitschaftspraxen, weitere sind noch für dieses Jahr geplant. Die Adressen und Öffnungszeiten können unter 116 117 erfragt werden.

Bereitschaftspraxen in Brandenburg (Quelle: rbb)

Autoren: Niels Walker / Ursula Stamm
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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