Frau hält Cremedose in die Kamera (Bild: Colourbox)
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- Haut – vor Austrocknung schützen

Übertrieben häufiges Duschen oder Baden kann die Haut austrocknen. Kommt dann noch eine familiäre Vorbelastung dazu, bilden sich Rötungen, Juckreiz oder sogar Ekzeme. Wie wir trockene Haut erkennen und warum sich auch Baby-Pflegeprodukte für Erwachsene eignen, das erklärt live im Studio die Berliner Hautärztin Prof. Natalie Garcia Bartels

Xerodermie oder trockene Haut ist zur Volkskrankheit geworden – immer mehr Menschen leiden heutzutage darunter: Mittlerweile sind vier von zehn Patienten in einer Hautarztpraxis Betroffene mit trockener Haut und Folgeproblemen. Besonders häufig betroffen sind Kinder, die jünger als zehn Jahre sind, und Menschen über 60.  

Bei jungen Patienten ist die Barriere-Funktion der Haut noch nicht vollständig ausgereift, bei älteren baut sich die Schutzfunktion schon wieder langsam ab. Zunehmend leiden aber auch Menschen aller anderen Altersgruppen unter trockener Haut. Vor allem zwischen dem zweiten bis fünften Lebensjahrzehnt sind vermehrt Frauen betroffen.

Geschmeidige Haut

Sogenannte natürliche Feuchthaltefaktoren schützen unsere Haut normalerweise vor dem Austrocknen. Mit ihrem Vermögen, Wasser zu binden, halten sie die Hornschicht geschmeidig. Wichtigste Bestandteile sind Aminosäuren, Harnstoff und Milchsäure. Zusätzlich sorgen Schweiß- und Talgdrüsen für eine schützende Lipid- oder Fettschicht auf der Haut.

Warum die Haut austrocknet

Bei manchen Menschen ist die Versorgung mit natürlichen Feuchthaltefaktoren und Lipiden gestört. Bei ihnen trocknet die Haut leichter aus. Die Ursachen für die weißen Schüppchen sind ganz unterschiedlich:
• Oft wird trockene Haut vererbt. Dann enthält die Haut von Geburt an zu wenige natürliche Feuchthaltefaktoren und/oder Fette.
• Eine zu geringe Luftfeuchtigkeit in Räumen, lange Sonnenbäder, raues Klima und zu häufiges Waschen entziehen der Haut Feuchtigkeit und zerstören den schützenden Lipidmantel.
• Trockene Haut verstärkt sich mit den Wechseljahren. Mit nachlassender Östrogenproduktion verliert die Haut an Elastizität; sie wird dünn und trocken.

So fühlt sich trockene Haut an

Feuchtigkeitsarme Haut spannt auf den Wangen und führt zu trockenen Zonen in Teilen des Gesichtes. Bei Erwachsenen neigt die Haut auch zu Trockenheitsfältchen. Sie schuppt und ist anfällig für Juckreiz.

Merkmale
• Spannungsgefühl
• Trockenheitsgefühl
• Feine Trockenheitsfältchen

Folgen
• Erhöhte Irritationsbereitschaft (Juckreiz)
• Vorzeitige Hautalterung

Reinigung: ohne Strapazen

Trockene Haut sollte so häufig wie nötig und so selten wie möglich gereinigt werden, um den Hautzustand nicht noch weiter zu verschlechtern. Selbst das Reinigen der Haut mit Wasser allein oder Wasser plus Seife oder Duschbad entzieht ihr Fette und natürliche Feuchthaltefaktoren. Auch bei gesunder Haut kann der längere Kontakt mit Wasser zu einer deutlich erhöhten Hautdurchlässigkeit führen; die Barrierefunktion wird gestört. Heißes Wasser verstärkt den Effekt. Erst nach mehreren Stunden können die hauteigenen Regenerationsmechanismen den ursprünglichen Hautzustand wiederherstellen. Wiederholtes Waschen oder Duschen überfordert auf Dauer die hauteigenen Reparaturmechanismen; die Haut trocknet aus, akute Hautreaktionen können die Folge sein.

Deshalb sollten Duschbäder gerade im Winter kurz und nicht heiß sein. Eingeseift werden nur die kritischen Stellen und nicht der ganze Körper. Ausgiebige Schaumbäder sind eine Strapaze für die Haut und sollten grundsätzlich vermieden werden. Gegen ein gelegentliches Wohlfühlbad von 10 bis 15 Minuten ist nichts einzuwenden. Die Wassertemperatur sollte maximal 39 Grad betragen und ein rückfettendes Ölbad benutzt werden.

Bei der Auswahl von Reinigungsprodukten für trockene Haut ist darauf zu achten, dass
• sie die Hautfeuchtigkeit binden,
• die Barrierefunktion stärken,
• die Haut beruhigen und Juckreiz lindern,
• es milde waschaktive Substanzen mit
• hautneutralem pH-Wert und
• frei von Seifen sind.

Pflege: intensives Eincremen

Viele handelsübliche Hautpflegeprodukte enthalten Mineralöle wie Paraffin, da sie geschmeidig, günstig, geruchslos und haltbar sind. Auf Dauer machen sie die Haut jedoch spröde und trocken. Menschen mit empfindlicher Haut sollten darauf achten, dass ihrem Pflegeprodukt keine Konservierungsmittel, Duftstoffe oder Alkohol zugesetzt sind. Diese können die Haut reizen.

Natürliche, gut verträgliche Alternativen sind Mandel-, Jojoba- und Weizenkeimöl und Sheabutter. Im Winter sollten die Hautpflegeprodukte mehr Fett enthalten und weniger Feuchtigkeit. Welches Verhältnis ideal ist, hängt vom Hauttyp ab. Hier kann eine Beratung beim Hautarzt oder bei der Kosmetikerin sinnvoll sein.

Sehr trockene Haut sollte mindestens einmal täglich mit Produkten gepflegt werden, die natürliche Feuchthaltefaktoren wie Urea (Harnstoff) und Lactat (Milchsäure) und hautverwandte Lipide enthalten. Die Wirkstoffe heben den Feuchtigkeitsgehalt der Haut an und stärken die schützende Hautbarriere. Eine geringe Anzahl von Inhaltsstoffen sowie deren klinisch belegte Wirksamkeit geben zusätzliche Sicherheit.

Das sollten Pflegeprodukte für trockene Haut können:
• Haut geschmeidig halten bzw. machen
• Schuppenbildung mindern
• Juckreiz nachhaltig lindern
• Schnell einziehen
• Keinen Fettfilm hinterlassen
• Allergien vermeiden
• Exzellent hautverträglich sein

Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Constanze Löffler

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