Mann hält sich sein Herz, darunter eine Grafik mit Herz und EKG (Quelle: Colourbox)
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- Herz aus dem Takt – Neue Technik bringt Klarheit

Herzrasen kann harmlos sein oder auch gefährlich – doch wie es mit dem Herzrhythmus bestellt ist, kann bei sporadischen Arztbesuchen oft nur schwer festgestellt werden. Doch jetzt gibt es die Möglichkeit, dass Patienten ihr EKG in den Alltag mitnehmen und dann direkt in die Charité schicken. Welche Vorteile das bietet und wie das Verfahren genau funktioniert, zeigen wir hier.

Das Herz gilt als Taktgeber des Lebens. Es pumpt unermüdlich, Schlag für Schlag. Doch was ist, wenn die Muskelpumpe aus dem Takt gerät und es zum Beispiel zu Herzrasen kommt? Ein schneller Herzschlag ist physiologisch zunächst nur eine Reaktion des Körpers auf Angst, Aufregung oder Vorfreude. Normalerweise wird das Herz in Ruhe 60 bis 80 Mal pro Minute elektrisch erregt. Ist der Herzschlag aber dauerhaft oder längere Phasen und auch ohne offensichtlichen Grund auf über 100 Schläge pro Minute beschleunigt, sollten Betroffene zum Arzt gehen. Und auch dann, wenn so ein schneller Herzschlag wiederholt auftritt.

Typische Beschwerden bei Herzrasen sind:
• ein bedrohliches Stolpern in der Brust,
• innere Unruhe,
• Druck- oder Engegefühl im Brustkorb,
• Kurzatmigkeit,
• heftige Schweißausbrüche,
• Schwindel und Übelkeit.

Herzrasen kann entstehen durch:
• Lagewechsel vom Liegen zum Stehen,
• Sport,
• starke psychische Belastung,
• Zigaretten, Alkohol, Drogen,
• hohen Blutdruck,
• Überfunktion der Schilddrüse,
• Durchblutungsstörungen,
• Wechseljahre,
• Herz-Kreislauferkrankungen, wie koronare Herzerkrankung oder Herzrhythmusstörungen.

Mal sind Herzrhythmusstörungen angeboren, manchmal entwickeln sie sich aber auch erst im Laufe des Lebens. Ursachen für den Taktwechsel der elektrischen Herzerregung sind zum Beispiel:
1. eine verminderte Durchblutung des Herzens,
2. zusätzliche Leitungsbahnen,
3. Störungen im Sinusknoten.

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung

Beim Vorhofflimmern zieht sich der Vorhof durch unregelmäßige elektrische Reizungen nicht mehr regelmäßig zusammen. Er "zuckt" vielmehr, etwa 350 – 600 Mal in der Minute. Die geordnete Weiterleitung der elektrischen Impulse aus dem Sinusknoten ist unterbrochen, die Herzleistung nimmt ab.

Vorhofflimmern selbst ist nicht lebensgefährlich, nur jeder zweite bemerkt es überhaupt. Wird das Blut jedoch aus dem Vorhof nur unvollständig ausgeworfen, drohen Blutgerinnsel. Sie können mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen. Menschen mit Vorhofflimmern erleiden fünf Mal häufiger einen solchen ischämischen Hirninfarkt als Menschen ohne Herzrhythmusstörung.

Mit Telemedizin gegen Herzrhythmusstörungen

Problematisch für die Diagnostik ist, dass Vorhofflimmern und andere Herzrhythmusstörungen oft unregelmäßig auftreten - im Zweifel gerade dann nicht, wenn man beim Arzt ist und untersucht wird. Viele Patienten erhalten nach einem Ruhe-EKG ein Langzeit-EKG, das die Herz-Aktionen über 24 Stunden aufzeichnet. Aber oft zeigen sich die Störungen auch nicht in diesem diagnostischen Fenster. In solchen Fällen lassen sich Herzrhythmusstörungen zum Beispiel mit dem mobilen Tele-EKG aufspüren. Der Arzt gibt dem Patienten dabei eine Art "EKG-Karte" mit nach Hause.

Patient wird mit Event-Recorder selbst aktiv

Mit dem sogenannten externen Ereignisrekorder (auch Event-Recorder genannt) kann der Patient akut bei Problemen selbst EKGs aufzeichnen. Hat er ein Ereignis bemerkt und aufgezeichnet, nimmt er mit dem Arzt in der Telemedizinambulanz Kontakt auf.
Die Aufzeichnung kann per Telefon übertragen und ausgewertet werden, oder aber im Eventrecorder gesammelt und beim nächsten Besuch beim Kardiologen besprochen werden.

Solche Ereignisrekorder können auch implantiert werden - das kommt bei Patienten zum Einsatz, die während des Ereignisses selbst nicht mehr aktiv reagieren können, weil sie durch die Herzrhythmusstörungen zum Beispiel ohnmächtig werden. Solche Rekorder werden bei örtlicher Betäubung unter die Haut geschoben und zeichnen die Herzerregung kontinuierlich bis zu drei Jahren auf.

Zudem bietet der medizintechnologische Markt zahlreiche weitere Innovationen, um Herzrhythmusstörungen akut anzuzeigen. Neben herkömmlichen optischen Herzfrequenz-Sensoren in Fitness-Armbändern lässt sich der Herzrhythmus zum Beispiel mittlerweile über ein besonderes Armband der Apple Watch aufzeichnen. Die Datenübertragung erfolgt über Hochfrequenz-Töne, die vom Mikrofon der digitalen Uhr erfasst werden. Andere Forscher tüfteln an Apps, die Hinweise auf Herzrhythmusstörungen liefern.

Wie wird Vorhofflimmern behandelt?

Wird Vorhofflimmern rechtzeitig erkannt, kann das Risiko durch eine medikamentöse Therapie deutlich gesenkt werden:

1) Kardiologen verschreiben zum Beispiel ein sogenanntes Antiarrythmikum. Der Herzrhythmus "springt" dadurch wieder in den normalen Takt. Auch die Pulsrate kann medikamentös beeinflusst werden.
2) Alternativ zur medikamentösen Therapie bieten Kardiologen vor allem jungen Menschen die Katheterablation an. Dabei schiebt der Arzt unter Röntgenkontrolle einen Katheter in das Herz vor. Mit Hochfrequenzstrom oder Kälte verödet er verdächtige Erregungszentren, damit sich von hier keine falschen Impulse mehr ausbreiten. Studien zufolge haben etwa 70 bis 80 Prozent der Patienten nach einer Ablation seltener erneute Rhythmusstörungen.

Film: Ursula Stamm
Infotext: Beate Wagner

Experten im Beitrag und im Studio

  • Dr. Patrick Nagel

  • Dr. Martin Huemer

  • Prof. Dr. Verena Stangl

  • Dr. Till Althoff

  • Dr. Marius Schwerg

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