Laborteströhrchen für Blutproben auf einem Tisch (Bild: Colourbox)
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- Cholesterin senken - oder nicht?

In der Medizin wird zwischen gutem und schlechtem Cholesterin unterschieden. Bisher ging man davon aus, dass Patienten mit hohem "schlechten" Cholesterinwert durch die schützende Wirkung des "guten" Cholesterins gesichert sind. Doch aktuelle Studien widerlegen das. Und die Devise: Je niedriger der "schlechte" Wert, desto besser ist auch passé. Die rbb Praxis informiert über zeitgemäße Cholesterin-Therapien.

Cholesterin ist ein lebenswichtiger Stoff im Körper. Er ist Bestandteil von Zellwänden und Grundsubstanz für verschiedene Hormone. Unterschieden wird beim Cholesterin in zwei Arten: nach LDL und HDL - das sind Transportstoffe, an die das Cholesterin gekoppelt wird. Durch einen "LDL-Lieferservice" wird es sozusagen über das Blut zu den Zellen gebracht.

Überschüssiges Cholesterin transportiert das "gute" HDL dann wieder zurück zur Leber, wo es abgebaut wird. Gerät dieser Kreislauf aus der Balance und ist zu viel "schlechtes LDL- Cholesterin" im Blut, kann das schädlich sein.

Über die Richtwerte der Blutfette gibt es derzeit eine Diskussion in der Fachwelt. Dabei haben die Experten vor allem den LDL-Wert im Blick, denn befindet sich viel schädliches LDL-Cholesterin im Blut, entstehen vermehrt Ablagerungen an den Blutgefäßwänden und schädigen diese.

Wie hoch dürfen die Werte sein?

Den Leitlinien der WHO zufolge sollte der LDL-Wert:

• bei Gesunden ohne Risikofaktoren unter 160 mg/dl (unter 4,1 mmol/l) sein
• bei Gesunden mit bis zu zwei Risiken unter 130 mg/dl (unter 3,4 mmol/l) liegen
• bei Patienten mit Vorerkrankungen unter 100 mg/dl (unter 2,58 mmol/l) liegen

Um einschätzen zu können, ab wann erhöhte Blutfette behandelt werden müssen, sind die Risikofaktoren wichtig. Dazu zählen:

• ein ungesunder Lebensstil mit fettreicher Ernährung
• Übergewicht
• ein zu hoher Blutdruck
• Rauchen
• mangelnde Bewegung
• familiäre Vorbelastung
• ein Schlaganfall oder Herzinfarkt in der Familie

Zu den Vorerkrankungen, bei denen ein erhöhter LDL-Wert gesenkt werden sollte (beispielsweise durch Medikamente), zählen:

• Diabetes Typ II
• eine Gefäßerkrankung
• ein vorausgegangener Herzinfarkt
• Schlaganfall

Die amerikanischen Leitlinien empfehlen bereits seit 2013, auf allgemeine Normwerte beim Cholesterin zu verzichten und stattdessen nur abhängig vom jeweiligen Risiko für den Patienten den LDL-Cholesterinwert zu senken. Daran orientieren sich auch hierzulande die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und die Herzstiftung. Bei Patienten nach Herzinfarkt oder Diabetes empfiehlt die Herzstiftung daher zum Beispiel, die LDL-Werte unter 70 mg/dl zu senken.

Aktuelle Studien lassen Diskussion aufflammen

Für Patientenerschwert die heiße Diskussion in der Fachwelt ihre Situation. Denn es kann passieren, dass der behandelnde Kardiologe sich für eine starke Senkung des LDL ausspricht, der Hausarzt aber davon überzeugt ist, dass auch gemäßigte Werte vertretbar sind. Der Grund: verschiedene Studien zeigen, dass die Senkung des LDL-Wertes unter 100 mg/dl weder bei Patienten noch bei Gesunden die Lebensqualität erhöhen.

Zudem haben die Untersuchungen ergeben, dass erhöhte LDL-Werte nicht in jedem Fall die Gefäße schädigen. Vielmehr müsse immer die Gesamtsituation des Patienten eingeschätzt werden. Liegen demnach keine Vorerkrankungen oder Risikofaktoren vor, dürfe der LDL-Wert also durchaus höher sein, konkret zwischen120 bis 190 mg/dl.

Die Therapie mit Statinen kritisch betrachten

Die Behandlung erhöhter Cholesterinwerte ist vielfältig. Als effektiv gelten zunächst eine Umstellung des Lebensstils mit einer gesunden Ernährung, viel Sport und ohne Zigaretten. Zudem werden seit mehr als 20 Jahren cholesterinsenkende Medikamente erfolgreich eingesetzt, sogenannte Statine.

Die medikamentöse Therapie der Blutfettwerte ist trotz der breiten Anwendung kritisch zu betrachten. Ihre Wirksamkeit ist zwar gut belegt, aber jeder zehnte Patient leidet unter Nebenwirkungen: Muskelschmerzen, Gelenkentzündungen und manchmal auch Hautproblemen. Durch die neue Studienlage könnte die Statin-Therapie bei einigen Betroffenen neu überdacht werden. Eine Reduzierung der Medikamente sollte aber nur gemeinsam mit dem Arzt erfolgen.

Infos im Netz

Filmbeitrag: Pia Kollonitsch
Infotext: Beate Wagner

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