Hände eines Arztes und Blick auf den Bildschirm bei einer Darmspiegelung (Bild: imago/Rupert Oberhaeuser)
imago/Rupert Oberhaeuser
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- Keine Angst vor der Darmspiegelung

Darmkrebs gehört zu den drei häufigsten Krebserkrankungen mit Todesfolge. Die besten Chancen zu überleben hat der, bei dem Krebs oder seine Vorstufen früh erkannt werden. Trotzdem scheuen viele Menschen die Darmspiegelung. Dabei ist die Untersuchung heute lange nicht mehr so unangenehm, wie noch vor ein paar Jahren - und wie viele denken. Die rbb Praxis begleitet eine Patientin und zeigt das ganze Bild.

Das vielleicht einzig Unangenehme kommt vor der Untersuchung: Abführen. Heutzutage bedeutet das: Ein halber Liter Abführmittel muss in 24 Stunden schlückchenweise runter. Das ist wenig, vor ein paar Monaten war es noch die doppelte Menge.

Wir begleiten den Berliner Thomas Schubert bei der Untersuchung. Es ist insgesamt die dritte für den 55-jährigen. Die erste war vor rund zehn Jahren im Rahmen einer Diagnose. Dieses Mal geht es um die Vorsorge - die nimmt er sehr ernst und hat sich für die Vorbereitung extra frei genommen.

Neue Regelungen bei der Darmkrebsvorsorge

Ab Juli 2019 haben Männer schon ab 50 Jahren und Frauen (weiterhin) ab 55 Jahren Anspruch auf die Durchführung von zwei Darmspiegelungen im Abstand von mindestens zehn Jahren im Rahmen der Vorsorge. Das ist Teil einer Reform der Krebsvorsorge, die in der zweiten Jahreshälfte 2019 zur Umsetzung kommen wird.

Zu dieser Reform gehört außerdem ein neues, systematisches Einladungsverfahren: Ab dem 50. Lebensjahr sollen Krankenkassen ihre Versicherten anschreiben - alle fünf Jahre - um sie zur Vorsorge einzuladen und einheitlich zu informieren.

Hintergrund: Die meisten von Darmkrebs Betroffenen sind 55 Jahre oder älter. Gefährdet sind vor allem Männer, die allerdings statistisch gesehen deutlich weniger oft zur Vorsorge gehen als Frauen. Bei der Therapie von Darmkrebs, einer sehr aggressiven Krebsform, ist die frühe Erkennung entscheidend. Je nach Art des Krebses kann sie zwischen Heilungschancen von 90 oder 5 Prozent "entscheiden".

Dr. Jens Aschenbeck

Wir machen die Untersuchung nicht, weil wir Darmkrebs feststellen wollen, sondern weil wir die gutartigen Vorstufen feststellen wollen, die sogenannten Polypen - Adenome. Wir wissen, dass aus diesen möglicherweise Darmkrebs entstehen kann.

Die Untersuchung

Wie etwa 60-80 % der Patienten, lässt sich auch Thomas Schubert in den Dämmerschlaf versetzen. Dann kommt die eigentliche Darmspiegelung, sie dauert normalerweise 15-45 Minuten - je nachdem, was gefunden wird und ob eine Vorstufe des Darmkrebses, sogenannte Adenome, entfernt werden müssen.

Für die Darmspiegelung verwendet der Arzt ein sogenanntes Koloskop. Dieser flexible Schlauch ist etwa fingerdick und zwischen 150 und 180 Zentimeter lang. An der Spitze sitzen eine kleine Kamera sowie eine Schlinge oder Zange, um Polypen und verdächtiges Gewebe direkt entfernen zu können. Licht und Bild werden auf einen Monitor für den Arzt übertragen.

Genauer Blick kann Leben retten

Er oder sie führt den Koloskopieschlauch in den Anus ein und schiebt ihn langsam bis zur Grenze zwischen Dick-und Dünndarm. Dann wird der Schlauch langsam zurückgezogen - der pefekte Winkel für die winzige Kamera. So kann der Arzt auf dem Bildschirm die Schleimhaut des Dickdarms genau betrachten.
Um den Darm für eine bessere Sicht zu weiten, wird seit ein paar Jahren CO2 verwendet, es wird in den Darm geblasen. Das CO2 wird später problemlos absorbiert, sagt Dr. Jens Aschenbeck: "Das CO2 wird in einer 100-fach höheren Geschwindigkeit aus dem Darm wieder absorbiert - ins Blut - und wird einfach über die Lunge abgearbeitet, so dass der Patient bereits nach etwa zehn Minuten überhaupt nichts mehr davon im Darm hat."

Mit der Schlinge oder Zange am Schlauchende entfernt er verdächtige Areale und trägt Polypen ab. Das Gewebe wird vom Pathologen untersucht. Bei Thomas Schubert war bei der Vorsorge nichts zu finden.

Viele scheuen die wichtige Vorsorge

Die Untersuchung ist schnell, schmerzlos und kann lebensrettend sein – dennoch nehmen nur etwa 30 Prozent aller Anspruchsberechtigen die Darmspiegelung wahr. Bei Männern ist die Quote schlechter, als bei Frauen, obwohl ihr Risiko größer ist, an Darmkrebs zu erkranken. Erhöht ist das Risiko auch dann, wenn Darmkrebs oder seine Vorstufen schon bei einem Familienmitglied vorkamen.

Die Scheu vor der wichtigen Untersuchung erklärt sich Dr. Aschenbeck mit einem Tabu: "Ich glaube, es ist nach wie vor die Vorstellung: etwas mit Stuhlgang, etwas mit Darm, etwas mit Po - das  hat etwas tabubesetztes, worüber man nicht spricht, wo man nicht hingeht, was man nicht macht. Viele haben auch noch Angst vor Schmerzen, vielleicht Angst vor einer Diagnose. Wobei die wenigsten Patienten einen Darmkrebs haben, die zur Vorsorge kommen, sondern nur einen gutartigen Polypen. Wir machen die Untersuchung nicht, weil wir Darmkrebs feststellen wollen, sondern weil wir die gutartigen Vorstufen feststellen wollen, die sogenannten Polypen - Adenome. Wir wissen, dass aus diesen möglicherweise Darmkrebs entstehen kann."

Filmbeitrag: Sybille Seitz

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