Mann mit Hörgerät (Quelle: imago/photothek)
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- Wieder (besser) hören

Wer nicht mehr so gut hört, sollte den Gang zum Akustiker oder HNO-Arzt nicht lange hinauszögern. Denn das Gehirn vergisst allmählich, wie richtiges Hören funktioniert. Wiederherstellen lassen sich diese Fähigkeiten nur schwer. Ein beginnender Hörverlust kann dagegen mit einem Hörgerät sehr gut ausgeglichen werden. Und das wirkt sich auch positiv gegen Demenz aus.

Der Hörapparat ist ein ausgeklügeltes anatomisches System: Geräusche, Sprache, Musik - all das nähert sich dem Ohr in Form von Schallwellen. Das Prinzip:

1. Zunächst leitet die Ohrmuschel die Geräusche wie ein Trichter in den äußeren Gehörgang und weiter zum Trommelfell: Es trennt das äußere Ohr vom Mittelohr.
2. Im Mittelohr wird der Schall über die drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel bis zu 40 Mal verstärkt.
3. Von dort wird der Schall in die wassergefüllte Hörschnecke im Innenohr, die sogenannte Cochlea, übertragen.
4. Hier werden die mechanischen Wellen in elektrische Impulse umgewandelt.
5. Über den Hörnerv gelangen die elektrischen Impulse ins Gehirn - das interpretiert sie dann.

Experten im Beitrag/Studio

  • PD Dr. Parwis Mir-Salim, Vivantes Klinikum im Friedrichshain

  • Prof. Dr. Heidi Olze, Charité

  • Jonathan Käbitz, Hörgeräteakustiker-Meister

  • Dr. phil. Silvia Schicktanz, CIC Cochlear Implant Centrum

Funktioniert die Umwandlung vom äußeren Gehör bis ins Gehirn, ist das Hören unbeeinträchtigt. Folgende Gründe aber können das Hören nachhaltig einschränken:

• altersbedingte Veränderungen
• Erkrankungen und Entzündungen im äußeren Gehörgang, Mittel- oder Innenohr
• Probleme am Hörnerv
• Lärm
• Unfälle
• eine Hörschwäche von Geburt an

Die Auswahl an Hörhilfen ist immens

Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber klar ist: Millionen Menschen sind hierzulande schwerhörig. Moderne Geräte und Operationsmethoden können viel erreichen, um das Hören wieder zu verbessern. So bietet der Akustiker viele unterschiedliche Hörgeräte an. Sie unterscheiden sich in ihrer Ausstattung immens und sind teilweise mit Zuzahlungen des Betroffenen verbunden.

Die Auswahl eines passenden Gerätes braucht Zeit

Gerade bei der Anpassung von Hörgeräten spielt das Sprachverständnis eine herausragende Rolle. Doch im Rahmen der Hörgeräteanpassung prüfen Hörgeräteakustiker nicht nur das Sprachverständnis. Sie sind verpflichtet, alle Hörtests des Arztes zu wiederholen, denn es gibt viele Faktoren, die die Ergebnisse des Hörtests beeinflussen, wie etwa Blutdruckschwankungen.

Beträgt das Hörvermögen nur noch 80 Prozent oder weniger, zahlen die Krankenkassen für Hörgeräte. Jeder Patient darf mit einer Verordnung mehrere Hörgeräte ausprobieren und notfalls auch den Akustiker wechseln. Sinnvoll ist es, sich einen Anbieter auszusuchen, der nicht zu weit vom eigenen Wohnort entfernt ist. Denn bei der Anpassung wird es immer wieder zu Nachjustierungen kommen - da sind kurze Wege von Vorteil.

Jeder Patient muss "sein Gerät" ermitteln

Je nach Anspruch können die Betroffenen dann Modelle auswählen. Zuzahlungsfreie Modelle können häufig die Sprache verstärken aber nicht gut von Nebengeräuschen trennen. Letzteres können meist nur die etwas teureren Geräte. Wie wichtig diese Funktion ist, hängt allerdings wieder vom Patienten ab. Ebenso wie die Frage, ob man ein Hinter-dem-Ohr-Gerät oder ein Im-Ohr-Gerät wählt. Beide Modellvarianten haben ihre Vor- und Nachteile: So sind Im-Ohr-Geräte zwar weniger stark zu sehen, aber auch schwieriger einzustellen und deutlich teurer als Hinter-dem-Ohr-Geräte.

Je nach Hörminderung, den Ansprüchen und dem subjektiven Klangempfinden kommen Patienten mit dem einen oder anderen Modell besser zurecht. Und nicht jeder empfindet den Klang eines hochpreisigen Gerätes besser als den eines Mittelklassemodells. Deshalb ist das geduldige Ausprobieren und Testen so wichtig.

High Tech fürs Hören: Cochlea-Implantat

Wenn Hörgeräte nicht mehr ausreichen, weil das Gehör mit den Jahren immer schlechter wird, können sogenannte Cochlea-Implantate helfen. Ursprünglich entwickelt, um taube Kinder wieder hören zu lassen, werden sie zunehmend auch bei älteren Menschen eingesetzt. Wichtigste Voraussetzung für die Funktion des Cochlea-Implantates: Der Hörnerv muss noch intakt sein und die Informationen aus der Hörschnecke, der Cochlea, zum Gehirn weiterleiten. Das Cochlea-Implantat übernimmt dann die Funktion der Hörschnecke: Es wandelt akustische Signale in elektrische Impulse um.

Beim Cochlea-Implantat nimmt ein Mikrofon die Schallwellen auf. Ein Soundprozessor wandelt die Schwallwellen in digitale Signale und überträgt sie an die Sendespule. Diese Teile des Cochlea-Implantats liegen hinter dem Ohr und sind teilweise zu sehen. Das eigentliche Implantat liegt dagegen unter der Haut und übermittelt die digitalen Signale als elektrische Impulse an den Hörnerv. Dazu werden Elektroden direkt bis in die Gehörschnecke vorgeschoben, wo sie die Hörnervenfasern stimulieren.

Kasse zahlt auch Cochlea-Implantat

Prinzipiell gibt es für ein Cochlea-Implantat auch bei älteren Menschen keine Altersgrenze. Geeignet ist es vor allem für die Patienten, die trotz eines Hörgerätes unter 50 Prozent Hörverständnis erreichen. Dann übernehmen meist auch die Krankenkassen die Kosten für den Eingriff - immerhin rund 40.000 Euro.

Der Einsatz eines Cochlea-Implantats ist ein invasiver Eingriff. Es darf erst nach dem vollständigen Einheilen, also etwa 4 bis 6 Wochen nach der Operation, in Betrieb genommen werden. Bis dahin sind die Patienten meist in ihrer Hörfähigkeit sehr eingeschränkt. Zudem plagt einige Betroffene nach der Operation ein Drehschwindel, der sich jedoch allmählich wieder geben sollte. Oft muss dann das Hören komplett neu gelernt werden. Als Cochlea-Implantat-Träger braucht man deshalb zuerst einmal viel Geduld.

Warten kann böse Folgen haben

Wichtig ist, dass Betroffene sich nicht "zu spät" um ein Hörgerät oder ein Innenohr-Implantat kümmern. Denn unser Gehirn "verlernt" das Hören - und es kann dann mitunter sehr anstrengend sein, mit einer Hörhilfe wieder am Leben teilzunehmen.

Zudem zeigen Studien, dass Schwerhörige, die sich nicht rechtzeitig um ihr Hören kümmern, ein höheres Risiko haben, dement oder depressiv zu werden. Der Mensch als soziales Wesen braucht für sein gesundes Leben Kommunikation.Je früher man also seinen Ohren Aufmerksamkeit schenkt, desto besser: Wer sein Gehör schützt und pflegt, hat bessere Chancen auch im höheren Lebensalter noch gut zu Hören und geistig fit zu bleiben.

Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Beate Wagner

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