Hand greift sich an den nackten Fuß (Bild: imago/Moya)
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- Gicht - die Krankheit der Könige?

Heftige Schmerzen überfallen Betroffene bei einem Gichtanfall - ausgelöst von kleinsten Kristallen in den Gelenken. Ein hoher Fleischkonsum kann eine Ursache des Problems sein, auch andere Nahrungsmittel können schmerzhafte Folgen haben. Und: die Gicht wird häufig zu spät erkannt - dabei gibt es wirksame Hilfe.

Es ist die häufigste Form der Gelenkentzündung in Deutschland: Bis zu zwei Prozent der
Bevölkerung leiden an Gicht. Ältere Menschen sind häufiger betroffen als Jüngere. Die Krankheit hatte lange ein schlechtes Image, galt als selbstverschuldet, oft trotz stärkster Schmerzen auch als harmlos. Neuere Untersuchungen zeigen indes: Betroffene sollten ihre Gicht ernst nehmen. Besonders bei jungen Patienten erhöht die Stoffwechselerkrankung zum Beispiel das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.

Gicht entsteht,
• wenn sich im Blut zu viel Harnsäure ansammelt.
• Es bilden sich Harnsäurekristalle, die sich in den Gelenken ablagern.
• Das Immunsystem reagiert mit einer Entzündung.
• Es kommt in verschiedenen Gelenken zu Schmerzen und Schwellungen.
• Werden Betroffene unzureichend versorgt, drohen Folgeschäden an Gelenken und inneren Organen.

Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig

Lange wurde gepredigt, dass Betroffene auf alle Nahrungsmittel verzichten sollen, die reichhaltig an Purinen sind. Denn Purine führen zu einem Anstieg des Harnsäurespiegels. Purinreiche Lebensmittel sind Fleisch, Innereien oder Meeresfrüchte. Zudem riet man auch von purinhaltigen Gemüsen und Hülsenfrüchten wie Linsen, oder Bohnen, Erbsen, Spinat, Spargel ab. Heute weiß man: Menschen, die eine Gicht haben oder dazu neigen, müssen keine strenge Diät einhalten. Sie sollten aber purinreiche tierische Lebensmittel  möglichst nur in kleinen Mengen essen - besonders problematisch sind Innereien. Purinhaltiges Gemüse und auch Hülsenfrüchte hingegen beeinflusst aktuellen Studien zufolge den Harnsäurespiegel nicht signifikant, sie dürfen verzehrt werden.

Patienten mit Gicht sollten sich ausgewogen mit viel Gemüse und fettarmen Milchprodukten ernähren. Studien zufolge kann bereits ein Viertelliter Magermilch oder Naturjoghurt pro Tag die Ausscheidung von Harnsäure fördern. Auch Kaffee war lange für Gichtpatienten untersagt. Heute wissen Fachleute: Täglich vier bis fünf Portionen sind für Patienten mit Gicht durchaus empfehlenswert.

Fruktose wirkt ähnlich ungünstig wie Alkohol

Aktuelle Untersuchungen legen zudem nahe: Gichtpatienten sollten eher vorsichtig sein mit dem Einfachzucker Fruktose, wie er zum Beispiel in Limonaden und Säften enthalten ist. Bei Menschen mit bereits erhöhtem Harnsäurespiegel wirkt Fruktose genauso ungünstig wie Alkohol.

Der strikte Verzicht auf Alkohol war jahrelang wichtiger Teil der Empfehlungen. Alkohol hemmt die Harnsäureausscheidung durch die Nieren. Auch hier gibt es Veränderungen in den Therapieempfehlungen: Heute sprechen sich Experten für einen moderaten Konsum aus. Tabu für Gichtpatienten bleiben aber hochprozentige Spirituosen und purinreiches Bier.

Medikamentöse Therapie bei Gicht

Es stehen verschiedene Präparate zur Verfügung, um der Gicht mit Arzneimitteln zu begegnen:
• Schmerzmittel wie zum Beispiel Naproxen, Diclofenac oder Ibuprofen,
• Cortison wie zum Beispiel Prednisolon,
• Colchicin: Die europäische Liga gegen rheumatische Erkrankungen (EULAR) empfiehlt den natürlichen Wirkstoff.
• Eine harnsäuresenkende Therapie beispielsweise mit dem Standardmedikament Allopurinol sollte erst erwogen werden, wenn ein Gichtanfall öfter als ein- bis zweimal im Jahr auftritt.
• Febuxostat ist ein neuerer Wirkstoff, der einen ähnlichen Mechanismus wie Allopurinol hat und gut verträglich ist. Studien zufolge kann Febuxostat einen Gichtanfall besser verhindern als das Standardmedikament.
• Gelingt es nicht, den Harnsäurespiegel ausreichend mit Allopurinol und/oder Febuxostat zu senken, kann ein Versuch mit dem Kombinationspräparat Duzallo® lohnen. Duzallo® enthält die Wirkstoffe Allopurinol und Lesinurad. Letzteres ist das erste innovative sogenannte Urikosurikum für die Behandlung von Gicht seit über 40 Jahren, es steigert also die Harnsäureausscheidung. Die Europäische Kommission hat im Sommer 2018 die Zulassung für Duzallo® erteilt.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Beate Wagner

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