Ein Flugzeug startet bei Abenddaemmerung vom Flughafen Tegel in Berlin (Quelle: imago/photothek)
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- Medizintourismus - Chancen und Gefahren

Die Internationale Tourismus-Börse ist wieder zu Gast in Berlin. Dabei sind auch viele Anbieter von gesundheitlich motivierten Reisen. Doch was muss man beachten, wenn man als Medizintourist unterwegs ist? Wo lauern Gefahren, welche Medikamente kann man im Ausland einkaufen und wann können sie einem schaden? Die rbb Praxis berichtet über Chancen und Risiken von medizinischen Reisen.  

Die Internationale Tourismus Börse, die am heutigen Mittwoch (6.3.) in Berlin beginnt, gilt als eine der bedeutendsten deutschen Reisemessen. Ein wichtiger Bereich sind gesundheitlich motivierte Reisen: Die Medizintourismus-Industrie spielt derzeit knapp 100 Milliarden Euro ein – weltweit. Die Wachstumsprognosen bis 2025 liegen bei bis zu 25 Prozent. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass 55 Prozent der Erwachsenen mittlerweile bereit ist, für eine medizinische Behandlung gezielt ins Ausland zu gehen. Am häufigsten buchen Interessierte Reha-Maßnahmen und Kur-Aufenthalte. Danach folgen Eingriffe an den Zähnen, am Auge und kosmetische Behandlungen.

Die meisten Menschen gehen aus Kostengründen ins Ausland. So lassen sich beispielsweise bis zu 70 Prozent der Kosten für Kronen und Implantate einsparen. Jeder dritte Patient kombiniert eine Behandlung im Ausland aber auch gern mit einem Urlaub. Oder er fährt ins Ausland, um Wartezeiten zu verkürzen oder gezielt Verfahren in Anspruch zu nehmen, die in Deutschland nicht angeboten werden.

Die steigende Bereitschaft, sich zum Beispiel im Ausland schönheitschirurgischen Eingriffen zu unterziehen, befeuert jedoch eine wichtige Debatte um die Qualität der Therapien im Ausland. Denn das Gesundheitssystem im Ausland folgt anderen Regeln als hierzulande. Reisende sollten daher unbedingt verschiedene Dinge beachten, bevor sie auf eine medizintouristische Reise gehen:
• Wie ist der eigene gesundheitliche Zustand?
• Sind die richtigen Vorsorgemaßnahmen getroffen?
• Hat man wirklich die richtige Reise für sich gefunden?
• Ist das Reiseangebot seriös oder entpuppt sich die kombinierte Zahnbehandlung und Urlaub als billiges Lockangebot, das dann weitere Kosten nach sich zieht?

Sonst kann eine medizinische Behandlung im Ausland schnell zum Alptraum werden oder ernste medizinische Konsequenzen haben. Beispiel: Geht ein Patient, der eine nicht diagnostizierte Osteoporose hat, nach Indien auf eine Yogareise, kann das mit gefährlichen Wirbelkörperbrüchen und einer nicht selten unzureichenden Versorgung einhergehen. Auch bei Medikamenten, die man zum Beispiel in den USA oder Türkei frei verkäuflich erhält, die in Deutschland aber nur auf Rezept zu bekommen sind, ist Vorsicht geboten. Denn wo diese Arzneimittel eigentlich herkommen, welche Inhaltstoffe sie wirklich haben und welche Risiken sie mitbringen, weiß niemand. Auch wenn der Medizintourismus also boomt: Patienten sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie trotz gleichem Angebot nicht davon ausgehen können, dass sie immer auch die aus Deutschland gewohnte Qualität erwarten können.

Filmbeitrag: Anja Herr
Infotext: Beate Wagner

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