Mann bedeckt schmerzverzerrt Augen und Gesicht mit den Händen (Quelle: Colourbox)
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- Spannungskopfschmerz - ein unterschätztes Problem

Der Spannungskopfschmerz gilt häufig als harmlose Befindlichkeitsstörung. Nicht selten wird die Belastung durch die Schmerzen unterschätzt - und das durchaus auch von den Betroffenen selbst. Die rbb Praxis zeigt, wie dieser Kopfschmerztyp richtig behandelt wird und gibt Tipps, wie man durchaus auch ohne Medikamente einen "freien Kopf" bekommen kann.

Kopfschmerz ist ein Symptom, dem viele Krankheiten zugrunde liegen. Zu den häufigsten Formen zählen Migräne und der Spannungskopfschmerz. Letzteren bezeichnen Ärzte als den "normalen" Kopfschmerz, den jeder schon einmal gehabt hat. Er tritt meistens zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr zum ersten Mal auf.

Die typischen Spannungskopfschmerzen:
• sind dumpf, drückend oder ziehend,
• sind im ganzen Kopf wahrnehmbar,
• erscheinen wie ein Ring um den Kopf, als Druck auf der Schädeldecke oder anhaltender Hinterkopfschmerz,
• sind meist leicht bis mittelschwer,
• beginnen häufig im Nacken oder der Stirn,
• strahlen manchmal auch in die Augen aus.
 

Vorangegangen sind oftmals Verspannungen der Hals- oder Nackenmuskulatur. Sie sind oft durch Stress oder auch eine verkrampfte Haltung bedingt, wie sie bei häufigem Sitzen entsteht - entweder im Beruf, aber auch auf dem Sofa. Verkrampfte Muskeln verbrauchen bestimmte Botenstoffe wie Serotonin. Er steht dem Körper dann nicht mehr zur Verfügung, um Schmerzimpulse zu filtern und abzufangen. Rund 29 Millionen Deutsche sind vom Spannungskopfschmerz betroffen, Frauen dabei etwas häufiger als Männer. Die genaue Ursache der Spannungskopfschmerzen ist nicht sicher bekannt, aber vermutlich spielt eine genetische Veranlagung eine Rolle.

Die Diagnose erfolgt im Gespräch und mit Hilfe eines Kopfschmerztagebuchs. Durch eine Tastuntersuchung sichert der Arzt die Diagnose: So sind zum Beispiel oft bestimmte Punkte der Rückenmuskulatur schmerzempfindlich. Außerdem finden sich kleine knotenartige Veränderungen, die durch die permanenten Verspannungen hervorgerufen werden.

Es gibt verschiedene Methoden, die beim Spannungskopfschmerz kombiniert werden:
• Bei leichten Formen kann Kaffee helfen. Koffein steigert die Durchblutung im Gehirn, Druck und Spannung nehmen ab.
• Linderung bringt zudem Pfefferminzöl. Auf Schmerzpunkte an Schläfen und Stirn massiert, hemmt es Schmerzbotenstoffe und regt Kälte- und Drucksensoren an. In Studien zeigte sich, dass es in entsprechender Dosierung genauso effektiv wie Schmerztabletten ist. Nachgewiesen hat man das für Öle mit einer 10-prozentigen Pfefferminzlösung, die genauso gut schmerzlindernd wirkten wie 1000 Milligramm Paracetamol.
• Medikamente wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen können den Schmerz minimieren. Dabei empfehlen Experten, lieber einmalig eine höhere Dosis einzunehmen als mehrfach niedrige Dosierungen. Beispielsweise wird bei akuten Kopfschmerzen für Paracetamol die einmalige Einnahme von 2 Tabletten mit je 500 mg empfohlen.
• Kombinationspräparate sind eher umstritten. Ein Versuch kann der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) zufolge allerdings die fixe Kombination ASS (250 bis 265 mg) + Paracetamol (200 bis 265 mg) + Koffein (50 bis 65 mg) sein.
• Wer häufiger leidet, kann vorbeugende Medikamente ausprobieren: Amytriptilin oder andere schwach dosierte Antidepressiva. Die Dosis wird schrittweise erhöht und nach einigen Monaten wieder gesenkt. Dabei wirken diese Präparate in dieser niedrigen Dosis nicht antidepressiv, sondern tatsächlich schmerzlindernd. Diese Medikation sollte jedoch unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.
• Gezielte Physiotherapie oder manuelle Therapie führen dazu, die Schulter- und Halswirbelsäule zu entlasten, die verkürzte Muskulatur zu dehnen, Verspannungen zu lösen und die Muskulatur zu stärken.
• Wärme oder Kälte: Manchen Betroffenen hilft ein warmes Wannenbad, um verspannte Muskelpartien im Nacken und Schulterbereich zu entspannen. Anderen tut Kälte gut: Ein nasser Waschlappen oder ein Cool-Pack auf der Stirn können Spannungskopfschmerzen lindern.
• Bewegung statt hinlegen: Vor allem Ausdauersport an frischer Luft erhöht die Durchblutung und versorgt den Kopf und Körper mit mehr Sauerstoff.
• Feste Essenszeiten und eine ausgewogene Ernährung mit Vollkornprodukten und Ballaststoffen können vorbeugend helfen. Sie lassen den Blutzuckerspiegel nicht so schnell abfallen.
• Betroffene sollten mindestens zwei Liter über den Tag verteilt trinken, zum Beispiel Wasser, ungesüßten Tee oder Saftschorlen.

Spannungskopfschmerz oder eher Migräne?

Wichtig ist, dass der Arzt die Spannungskopfschmerzen von der Migräne abgrenzt. Denn beide Kopfschmerzformen werden unterschiedlich behandelt. Verantwortlich für die heftigen Symptome der Migräne ist vor allem eine Überaktivität von Botenstoffen an den Nervenenden. Im Bereich der Hirnhäute dehnen sich die Blutgefäße aus und entzünden sich.

Die typischen Symptome der Migräne sind:
• einseitige, pochende Kopfschmerzen,
• Blitzen in den Augen,
• Übelkeit und Erbrechen,
• gelegentlich Zahnschmerzen,
• bei etwa jedem Zehnten zusätzlich eine Aura: Das sind dynamische, oftmals visuelle oder andere sensorische Wahrnehmungsstörungen wie Flimmern, Lichtblitze, Teilausfälle beim Sehen, Wortbildungsstörungen, Schwindel und Gangstörungen.
• in weiteren zehn Prozent zusätzliche neurologische Störungen wie Kribbeln, Gefühlsstörungen, Taubheit oder die einseitige Lähmung einer Extremität.

Als Auslöser für Migräne gelten Stress, bei Frauen auch hormonelle Schwankungen. Weitere "Trigger" können bestimmte Lebensmittel, Rotwein oder Zusatzstoffe in der Nahrung sein. Zudem werden Wetterfühligkeit und Schlafmangel für die Schmerzen verantwortlich gemacht.

Jeder findet seinen Weg

Auch bei der Migräne muss jeder Betroffene seinen eigenen Weg finden, um die Beschwerden zu lindern. Wichtig ist wie beim Spannungskopfschmerz, die medikamentöse Behandlung mit anderen Maßnahmen zu kombinieren:
• Bei akuten Beschwerden sind Schmerzmittel wie Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen gut wirksam.
• Entspannungsmethoden wie Ausdauersport, progressive Muskelrelaxation, Autogenes Training, Akupunktur, Biofeedback wirken zusätzlich.
• Vorbeugende Medikamente wie blutdrucksenkende Betablocker, Antiepileptika oder Kalzium-Antagonisten beugen Anfällen vor. Amitryptilin in niedriger Dosierung - ein trizyklisches Antidepressivum - wird bei Migräne ebenfalls prophylaktisch eingesetzt.
• Begleitend unterstützen ein regelmäßiger Tagesrhythmus sowie gesundes Essen, Bewegung und ausreichend Schlaf.
• Migränespezifische Triptane hemmen im Akutfall die Ausschüttung von schmerz- und entzündungsfördernden Botenstoffen. Sie sind als Tablette, Nasenspray und Spritze verfügbar.
• Auch ein Versuch mit Opioiden kann lohnen. Als Migränemedikamente eingesetzt sollen sie weder körperlich oder psychisch abhängig machen.
• Für zwei von drei Patienten, die an mehr als 15 Tagen pro Monat Migräne haben, ist das Medikament Botox® zugelassen. Der Wirkstoff Botulinumtoxin Typ A verhindert, dass der Botenstoff Acetylcholin freigesetzt wird. Botox® wird regelmäßig alle ein bis drei Monate an rund 30 genau definierten Stellen von Stirn, Kopfseite, Hinterkopf, Nacken und Schultermuskulatur gespritzt.
• Die Sporttherapie kann auch bei Migräne den Stoffwechsel anregen. Akute Migräneschmerzen können durch Bewegung jedoch auch schlimmer werden! Jeder muss ausprobieren, was ihm gut tut.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz

Etwa jeder hundertste Deutsche schluckt täglich Tabletten gegen Kopfschmerzen aller Art, unter anderem auch Akutpräparate wie Triptane. Zehn bis 20 Prozent der Kopfschmerzpatienten leiden hierzulande daher unter dem so genannten medikamenteninduzierten Kopfschmerz (MIKS). Erstaunlicherweise trifft er nur Menschen mit Migräne und Spannungskopfschmerzen, nicht aber die mit Arthrose oder Rückenschmerzen. Hier scheint eine genetische Veranlagung eine Rolle zu spielen. Genau erklären lässt sich das Phänomen jedoch nicht.

Filmbeitrag: Ursula Stamm
Infotext: Beate Wagner

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