Mann hält sich den schmerzenden Rücken (Quelle: Colourbox)
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- Schmerzen im unteren Rücken – Ärger mit dem Iliosakralgelenk

Die wenigsten Menschen wissen auf Anhieb, wo das Iliosakralgelenk sitzt. Es verbindet unsere Wirbelsäule mit den Beckenschaufeln. Verschleiß oder Blockaden führen zu starken Schmerzen. Ein minimal-invasiver Eingriff verschafft zumindest für einige Zeit Linderung. Aber was kann man außerdem tun, wenn es im unteren Rücken wieder zwickt?

Etwa jeder dritte Deutsche leidet an Rückenschmerzen. Besonders häufig ist der untere Bereich des Rückens betroffen. Und in vielen Fällen gehen die Schmerzen dann vom Iliosakralgelenk – auch Kreuzdarmbeingelenk genannt – aus. Experten vermuten, dass dies 20 bis 30 Prozent der Fälle betrifft.

Das ISG ist das Gelenk zwischen dem Kreuzbein (Os sacrum) und dem Darmbein (Os ilium) und verbindet das knöcherne Becken mit der Wirbelsäule. Dieses beidseits der Wirbelsäule gelegene Gelenk ist nur wenig beweglich und von einer straffen Gelenkkapsel umgeben. Bänder halten diese Verbindung zusammen. Aber in dieser minimalen Beweglichkeit liegt viel Verantwortung: Beim Gehen werden die Stöße auf das Becken "umgeleitet" – das entlastet die Wirbelsäule, belastet jedoch das Gelenk.

Minimale Verschiebungen – starke Auswirkungen

Obwohl so wenig Bewegung in dieser Verbindung liegt, wirken riesige Kräfte auf das Gelenk. Daher ist es besonders anfällig für Arthrose – also Gelenkverschleiß.

Schmerzen im ISG treten auch häufig auf
• nach langem Stehen, Sitzen oder Liegen
• durch Fehlbelastungen, etwa, wenn ein Bein länger ist als das andere
• bei Menschen mit starkem Hohlkreuz
• bei Menschen, die sich sehr wenig bewegen
• als Folge von Verletzungen, wobei häufig schon kleinere Sportunfälle das Gelenk schädigen können
• während der Schwangerschaft, da durch die hormonellen Veränderungen die Bänder des ISG weicher werden und nachgeben

In diesen Fällen ist es oft so, dass die Gelenkflächen regelrecht verkanten und das Gelenk blockiert. Mediziner sprechen dann von einem ISG-Syndrom.

Typische Beschwerden, die durch Blockaden oder Verschleiß im ISG verursacht werden, sind ein tiefsitzender Rückenschmerz, der aber auch ins Gesäß oder den hinteren Oberschenkel ausstrahlen kann. Auch nach vorne in die Leistengegend kann der Schmerz fortgeleitet werden. Das macht oftmals die Abgrenzung von Bandscheibenvorfällen bzw. Leistenbrüchen schwierig.

Die Diagnose stellt der Arzt fast ausschließlich durch die körperliche Untersuchung. Blutuntersuchungen helfen nicht weiter und bildgebende Verfahren wie Röntgen oder CT dienen eher dazu, andere Ursachen für die Beschwerden wie etwa Wirbelbrüche oder Bandscheibenvorfälle auszuschließen.

Bewegung hilft oft

Wie auch bei anderen Rückenschmerzen ohne offensichtliche Ursache raten Mediziner bei unspezifischen ISG-Beschwerden zu mehr Bewegung. Schmerzmittel können die Qualen soweit lindern, dass Aktivität wieder möglich ist. Es gilt, die Bauchmuskulatur zu stärken, um den Rücken zu entlasten. Gezielte Krankengymnastik hilft beim Umlernen ungünstiger Bewegungsmuster, die z.B. durch Fehl- oder Schonhaltungen entstanden sind. Auch Akupunktur, Massagen und eine Wärmetherapie können das Leid bessern.

Starke Schmerzen am ISG werden jedoch meist nicht durch eine reine Blockade, sondern durch eine (zusätzliche) Arthrose hervorgerufen. Dann reicht Krankengymnastik meist nicht mehr aus. Halten die Beschwerden lange an, können auch Injektionen mit Schmerzmitteln und eventuell auch Kortison in den Gelenkspalt helfen.

Minimal-invasive Eingriffe können bei zusätzlicher Arthrose Linderung bringen

Eine neuere Methode der gezielten Schmerztherapie ist die so genannte Thermodenervation. Dabei werden Nerven im Bereich des Gelenks durch Hitze ausgeschaltet. Diese Methode ist für die Anwendung an der Wirbelsäule bereits etabliert, wie bei dem so genannten Facettengelenksyndrom. Inzwischen kann man auch die arthrotischen Schmerzen am Iliosakralgelenk damit behandeln, da nun auch niedrigere Temperaturen verwendet werden können. Spezielle Elektroden werden dazu erhitzt und unter Röntgenkontrolle in den entsprechenden Bereich eingestochen. Dann werden die Nerven verödet. Die Kosten für die Behandlung werden von den Krankenkassen übernommen.

Eine weitere Alternative ist die endoskopische Denervation. Dazu wird – ebenfalls unter Röntgenkontrolle - ein Endoskop in den Gelenkspalt des ISG geschoben. Das Endoskop ist mit einem Durchmesser von nur etwa 8 mm sehr klein. Über die Kamera des Endoskops kann der Arzt unter Spülung des Gelenks die Nervenfasern lokalisieren, die für die Schmerzmeldung an das Hirn verantwortlich sind und sie veröden. Dazu befindet sich im Endoskop ein kleiner Stab der den Hochfrequenzstrom abgibt. Durch den Strom werden die Nervenfasern unterbrochen und der Schmerz kann nicht mehr zum Gehirn geleitet werden.

Der Eingriff dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Die Patienten können am nächsten Tag bereits nach Hause gehen. Die Arthrose selbst wird dadurch allerdings nicht behoben. Das Problem dieser Therapieformen ist aber ein anderes: Die Nerven haben die Tendenz, wieder in das Gelenk einzuwachsen, sodass der Teufelskreis von vorn beginnt. Wie lange genau die Patienten schmerzfrei bleiben - ob einige Monate oder ein paar Jahre - das ist unterschiedlich. Zudem ist es noch ein relativ neues Verfahren, sodass man noch keine Aussage über Langzeitergebnisse treffen kann. Die Krankenkassen übernehmen den Eingriff.

Filmbeitrag: Ulrike Licht
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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