Mit Bleistift schreiben, Foto: colourbox
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- Schreiben gegen Krebs

Zwei Frauen mit einer Mission: Susanne Diehm und Jutta Michaud möchten das Kreative Schreiben in Deutschland als Therapieform etablieren. In der Frauenklinik der Charité bieten sie seit drei Jahren ihr Schreibseminar an.

In der Frauenklinik der Charité haben Patientinnen die Möglichkeit gegen ihre Krebsdiagnose anzuschreiben. Sie nehmen kostenlos Seminare im Kreativen Schreiben wahr. Ziel der Therapie ist es, mit der Krebsdiagnose zurechtzukommen und wieder Lebenskraft zu schöpfen. "Wir haben über die Jahre hinweg die Erfahrung gemacht, dass diese Form des Schreibens, die wir nach und nach entwickelt haben, den Menschen unheimlich gut tut", sagt Susanne Diehm.

Die Krebsdiagnose macht viele Frauen zunächst sprachlos. Sie empfinden Ohnmacht, Wut und Hoffnungslosigkeit. Viele fühlen sich mit der Krebserkrankung allein und fallen in ein Loch. "Für mich war es eine Todesdiagnose. Das war das erste. Ich weiß nicht, ob ich den Sommer überlebe, ob das mein letzter Sommer sein wird. Und dann kommt man ja so langsam in die Krankheit rein", sagt Patientin Nives Kramberger. Sie ist seit Juni 2018 an Eierstockkrebs erkrankt.

Gegen die Krise schreiben

Prof. Dr. Jalid Sehouli leitet die Frauenklinik mit onkologischem Zentrum. Er hat Kreatives Schreiben neben Musik- und Kunsttherapie als weiteren Baustein in den Therapieplan der Klinik integriert. Er hat sich selbst schreibend durch Krisen und Krankheiten manövriert und ist fest davon überzeugt, dass es hilft: "Wir behandeln viele Frauen mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen, bei denen es um Heilung geht, aber auch darum, lange und gut zu leben. Deswegen bin ich auf die Idee gekommen, das Angebot von Frau Michaud und Frau Diehm anzunehmen."

Die Patientinnen haben dort die Möglichkeit, das Kreative Schreiben zu nutzen, um Emotionen auszusprechen, die eigene Stimme  wiederzufinden, sich der Krankheit zu stellen und wieder positive Gefühle zu entwickeln. Bei der sogenannten Freischwimmer-Übung sollen die Patientinnen zunächst einfach notieren, wovon sie sich freischwimmen wollen. Denn seit der Diagnose dreht sich alles um OP, Chemo und Reha. Im zweiten Schritt sollen sie sich mit neuen Augen sehen. Schreibend finden sie heraus, was sie für eine Frau sein möchten.

Susanne Diehm

Schreiben führt in die Kreativität, bringt innere Quellen zum Sprudeln und alles in den Flow. Das ist ganz wichtig, weil dann die Schwere der Diagnose und die Blockade, die dadurch entstanden ist, aufgelöst wird.

Bewußtsein für sich und die Veränderung

Ein Ergebnis aus der Gruppe an der Charité: "Ich bin eine Frau, die positiv denkt. Ich bin eine Frau, die gut mit Veränderungen umgehen kann. Ich bin eine Frau, die das Leben genießt und liebt. Ich bin eine Frau, die gern Rücken schwimmt, am liebsten nackt bei untergehender Sonne. Ich bin eine Frau, die gerne Frau ist: weiblich, stark und unabhängig. Auch wenn manche weiblichen Merkmale nicht mehr da sind. Ich bin eine Frau die bleibt."

Viele Frauen entdecken erst hier ihre Kreativität. Sie schöpfen aus der Gruppe, tauschen nicht nur ihre schmerzhaften Erfahrungen aus sondern auch ihre Hoffnungen. In den drei Jahren Kreatives Schreiben an der Charité ist ein Übungsbuch entstanden: "Mit Schreiben zu Lebenskraft". Damit können Betroffene, Verwandte und Klinikpersonal die Inhalte nachvollziehen. Susanne Diehm, Jutta Michaud und Prof. Dr. Jalid Sehouli setzen sie sich dafür ein, dass das Gesundheitsfördernde Kreative Schreiben Kassenleistung wird. Sie wollen das Schreiben auf Rezept.

Filmbeitrag: Jana Kalms

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