Herzmassage an einer Reanimationspuppe mit Handy zwischen Brustkorb und Helferhänden (Bild: Privat)
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- Herzdruckmassage per Handy

Wer weiß wirklich, wie Wiederbelebungsmaßnahmen genau funktionieren? Und wer kann sein Wissen im Notfall anwenden? Selbst ohne Mund-zu-Mund-Beatmung trauen sich viele Menschen nicht, eine Herzdruckmassage auszuführen. Berliner Experten haben jetzt eine App entwickelt, die zum sprechenden Coach für den Notfall wird und Helfern Anweisungen gibt - das geht, weil das Handy zwischen Händen und Brustkorb liegt.

Die Angst etwas falsch zu machen kann lähmen - und im schlimmsten Fall kann das einen Menschen, der Hilfe braucht, das Leben kosten. Zum Beispiel dann, wenn das Herz nicht mehr schlägt.

Die Sauerstoffversorgung der lebenswichtigen Organe ist binnen Minuten erst gefährdet, dann unterbrochen. Ein Zustand, den besonders das menschliche Gehirn nicht lange erträgt. Folge: Nervenzellen sterben ab und damit gehen wichtige Fähigkeiten verloren; im schlimmsten Fall alle und das bedeutet Lebensgefahr. Umso wichtiger sofort mit der Herzdruckmassage zu beginnen, um die Sauerstoffversorgung aufrecht zu erhalten.

Neue App als Coach für den Notfall

Berliner Experten haben zusammen die "reanimation.app" entwickelt, die das Smartphone zum anleitenden Helfer für den menschlichen Ersthelfer macht: Die App erklärt genau, was zu tun ist, gibt akustisch den Massage-Rhythmus vor und misst die Stärke des Drucks, die der Ersthelfer ausübt. Ist dieser Druck zu stark oder schwach gibt die App akustisch genaue Korrekturanweisungen.

Vor allem zu schwacher Druck kommt bei vielen Ersthelfern immer wieder vor, weil sie Angst haben den Patienten zu verletzten, ihm oder ihr beispielsweise Rippen zu brechen. Solche Rippenbrüche sind aber für den Patienten erst einmal gar kein Thema - denn es geht um das Überleben.

Smartphone am Patient

Den Druck der Herzdruckmassage kann die App über die Neigungssensoren des Smartphones erfassen - denn das soll bei der Anwendung zwischen den Händen des Ersthelfers und dem Brustkorb des Patienten liegen. Der Ersthelfer drückt also quasi das Handy auf den Brustkorb des Patienten.

Durch den Bau des menschlichen Körpers kann dem Smartphone dabei nichts passieren - aber es kann eben zum echten Partner und Coach für den Helfenden werden - und wenn der in seiner Handlung sicherer wird, profitiert auf jeden Fall der Notleidende. Schließlich muss so eine Herzdruckmassage oft über Minuten hinweg geleistet werden, bevor der Rettungswagen kommt.

Übrigens: Die App erinnert vor der Herzdruckmassage natürlich auch daran, den Notruf abzusetzen.

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