Mann in Schlips und Krawatte liegt krank auf Bett (Bild: Colourbox)
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- Männergesundheit: Vorbeugen statt Umfallen

Es gibt Ärzte für Kinder und solche, die sich speziell um Frauen kümmern. Männerärzte aber sind bislang unbekannt. Dabei gäbe es großen Bedarf: Es ist erwiesen, dass Männer häufiger krank sind als Frauen und vor ihnen sterben. Dennoch - Männer bringen ihr Auto regelmäßig zum TÜV, ihren eigenen Körper lassen sie aber tendenziell ungern checken. Wie Männer gesundheitsbewusst leben und sich durch sinnvolle Früherkennung schützen können, verrät die rbb Praxis.

So viel steht fest: Männer gehen seltener zum Arzt. Ein Grund dafür: Anders als bei Frauen gibt es keinen "Männerarzt". Sicher, es gibt den Urologen - aber den suchen Männer in der Regel erst auf, wenn sie gesundheitliche Probleme haben. Viele Männer gehen nur unregelmäßig zu Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen. Dabei gibt es zahlreiche Angebote - auch speziell für Männer.

Seit Beginn 2018 zahlen die Krankenkassen beispielsweise das sogenannte Bauchaortenaneurysma-Screening bei Männern ab 65 Jahren. In dieser Altersklasse sind rund vier bis fünf Prozent von der Gefäßaussackung der Hauptschlagader im Bauch betroffen. In Deutschland sterben jährlich etwa 1.200 Menschen an einem geplatzten Bauchaortenaneurysma.

Zahlreiche Risikofaktoren

Die krankhafte Ausweitung der Hauptschlagader tritt bei Männern im höheren Alter fünf Mal häufiger auf als bei Frauen. Der Hauptgrund sind Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose). Als Risikofaktoren gelten:

• Bluthochdruck,
• Rauchen,
• hohe Blutfette,
• ein fortgeschrittenes Alter,
• das männliche Geschlecht.

Auch Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben oder in deren Familie ein Aneurysma aufgetreten ist, sind besonders gefährdet.

Im Akutfall schlechte Prognose

Das Fatale: Das Aneurysma macht in der Regel keine Beschwerden. So wissen viele Betroffene nichts von der tickenden Zeitbombe in ihrem Körper. Das erweiterte Gefäß kann – abhängig vom Durchmesser der Erweiterung und davon, wie schnell es wächst - reißen. Lebensbedrohlich ist es ab einem Durchmesser von 5,5 Zentimetern. Manchmal zeigt auch eine Pilzform an, dass das Aneurysma bersten könnte. Die Folge ist eine lebensbedrohliche innere Blutung, die umgehend operiert werden muss. Allerdings erreichen nur fünfzig Prozent der Betroffenen das Krankenhaus lebend. Und selbst bei einer sofortigen Operation überleben lediglich sechs von zehn Patienten. Statt darauf zu warten, dass das Gefäß reißt, ließe sich die Aussackung bei frühzeitigem Erkennen rechtzeitig behandeln.

Infos im netz zu:

Männer ab 65 zum Screening

Die Vorsorgeuntersuchung ist harmlos und bereitet keinerlei Schmerzen: Ein Bauchaortenaneurysma lässt sich durch eine Ultraschalluntersuchung erkennen. Gesetzlich krankenversicherte Männer ab 65 Jahren können sich seit Beginn des Jahres 2018 einmalig daraufhin untersuchen lassen. Etwa bei 50 von 1.000 Männern finden die Ärzte ein Aneurysma. Bei jedem zehnten Mann ist es zum Zeitpunkt der Untersuchung bereits lebensbedrohlich erweitert. Diesen Männern raten Experten umgehend zu einer Operation. In anderen Fällen kann abgewartet werden: Bei einem Durchmesser von drei Zentimetern sollte sich der Patient alle zwei Jahre kontrollieren lassen, bei vier Zentimetern einmal jährlich.

OP - ja oder nein?

Für den Eingriff eröffnen die Gefäßspezialisten entweder das Gefäß über den Bauchraum oder setzen über die Leiste einen Stent mittels Katheterverfahren ein. Während die offene Operation in allen Fällen möglich ist, eignet sich eine Stent-Prothese bei lediglich 70 bis 85 Prozent der Patienten. Beide Behandlungen sind risikobehaftet. Laut der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie versterben 5,4 Prozent der Patienten bei den Operationen - das entspricht 54 Patienten von 1.000 Operierten. Nach dem Katheter-Verfahren versterben 0,9 Prozent der Patienten - also neun von 1.000 Operierten. Bei der Entscheidung für die OP sollte auch immer das individuelle Sterblichkeitsrisiko berücksichtigt werden: abhängig vom Alter und Gesundheitsstatus ist es nicht bei allen Betroffenen gleich.

Lieber abwarten?

Jüngere Patienten ohne weitere Begleiterkrankungen werden sich in dem meisten Fällen mit dem einen oder andern Verfahren behandeln lassen.
Schwieriger ist die Entscheidung bei:

• älteren Menschen über 80 Jahre,
• die stark übergewichtig sind,
• unter der chronischen Lungenerkrankung COPD leiden,
• eine eingeschränkte Nierenfunktion oder schon
• einen Herzinfarkt erlitten haben.

Nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken kann es günstiger sein, lediglich den Blutdruck und die Blutfette zu behandeln und abzuwarten, ob das Aneurysma sich weiter vergrößert, um dann unter Umständen kurzfristig einzugreifen.

Sport im Kampf gegen Prostatakrebs

Mittlerweile bestätigen mehrere Studien, dass bei sportlichen Männern

• Prostatakrebs langsamer voranschreitet
• die Gesamtsterberate sinkt
• die tumorspezifische Sterberate sinkt

Studiendaten aus Kanada
Besonders eindrücklich hat eine kanadische Langzeitstudie mit 830 prostatakrebskranken Männern die Vorteile des Sporttreibens beweisen: Wer nach der Diagnose Prostatakrebs viel Sport trieb, halbierte sein Risiko, am Tumor zu sterben. Dabei schienen sportliche Aktivitäten besonders effektiv zu sein - Bewegung durch den Job oder im Haushalt und Garten hatten eine geringere Wirkung.

Die kanadischen Ärzte hatten den Krebs bei ihren Patienten zwischen 1997 und 2000 diagnostiziert, das mittlere Alter der Studienteilnehmer lag damals bei 68 Jahren. Anschließend wurden sie bis zum Jahr 2014 regelmäßig nachuntersucht. Entsprechend ihrer körperlichen Aktivität nach der Diagnose teilten die Forscher die Teilnehmer in vier Gruppen ein:

Für Haushaltstätigkeiten veranschlagten die Wissenschaftler zwei bis drei metabolischen Einheiten (MET) pro Stunde, gemütliches Radfahren mit sechs und Joggen mit zwölf MET-Stunden. Die Teilnehmer der Gruppe mit der geringsten Bewegung erreichten weniger als 42 MET-Stunden pro Woche körperliche Aktivität, die mit der meisten Bewegung über 119 MET-Stunden pro Woche. In der Gruppe mit der geringsten Bewegung starben mehr als doppelt so viele Teilnehmer wie unter den besonders aktiven.

Experten Im Beitrag

Jungensprechstunde

Damit es Männern zukünftig leichter fällt zum Arzt zu gehen, wollen die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und der Bundesverband der Urologen, bereits Jugendliche dazu zu bewegen, sich beraten zu lassen. Mit dem Angebot der Jungensprechstunde soll das Gesundheitsbewusstsein der Jungen frühzeitig geweckt werden. Zukünftig - so der Wunsch der Mediziner - soll der vorsorgliche Gang zum Urologen genauso selbstverständlich sein, wie bei Mädchen und Frauen, die regelmäßig zum Gynäkologen gehen.

Urologen und Andrologen, die eine Jungensprechstunde anbieten, sind Spezialisten für das Thema Sexualität bei Heranwachsenden. Die Sprechstunde ist für Jungs zwischen 14 und 20 Jahren gedacht. Sie deckt alle Bereiche ab, die Jungen in diesem Alter betreffen. Die Jungen können entweder allein oder mit ihren Eltern zusammen in die Sprechstunde gehen.

Die Themenbereiche der Jungensprechstunde …
… sind die frühzeitige Feststellung medizinischer Fehlbildungen, die Einhaltung eines altersgerechten Impfplans, rechtzeitige Aufklärung über Verhütung und sexuell übertragbare Infektionen sowie die Aufklärung über Selbstuntersuchung zur Früherkennung von Hodenkrebs.

Themen, welche die Psyche betreffen sind:

• Phasen und Entwicklung der sexuellen Orientierung wie z.B. der Homosexualität
• Entwicklung der Erektion und des sexuellen Erlebens sowie damit zusammenhängende Probleme
• Konflikte in der Beziehung mit gleichaltrigen Mädchen

Themen aus dem somatischen Bereich:

• Hoden-, Penis- und Vorhautentwicklung
• Einriss am Frenulum (Penisbändchen)
• Blut in der Samenflüssigkeit
• Brennen und/oder Juckreiz beim Wasserlassen.

Filmbeiträge: Ursula Stamm
Infotext: Constanze Löffler

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