Pollen unter dem Mikroskop (Bild: Colourbox)
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- Pollen: Was Allergikern 2019 zu schaffen macht

Heuschnupfen ist nicht gleich Heuschnupfen - und bleibt es auch nicht im Jahr 2019. Die Zahl der Pollen nimmt nämlich jedes Jahr zu, außerdem fliegen sie tendenziell länger. Dazu gibt es aktuell Faktoren, die Pollen für Allergiker noch aggressiver machen - gerade in der Stadt. Genau hier lauert auch noch der Faktor Feinstaub. Berliner Mediziner suchen per mobiler Pollenkammer nach Lösungen. Die rbb Praxis informiert.

Alles ist zugequollen, die Nase juckt, die Augen tränen und brennen - Allergiker kennen das Gefühl. Gerade in diesen Monaten geht es für sie wieder los. Und für Allergiker, die in Städten leben, gibt es besonders schlechte Nachrichten: in Städten sind die Pollen nämlich aggressiver.

Die aggressive Stadtpolle

Das haben beispielsweise Forscher aus Augsburg herausgefunden. Der Grund: Ozon und Stickoxid - Schadstoffe, deren Anteil in der Stadtluft konzentrierter ist, als auf dem Land. Die Forscher benebelten Birkenpollen, also einen Klassiker unter den Allergenen, mit diesen Schadstoffen und verglichen diese dann mit unbehandelten Birkenpollen. Ergebnis: Die Eiweißentwicklung bei den schadstoffbelasteten Pollen war stark gestiegen - und genau auf diese Eiweiße reagieren Allergiker.

Für Allergiegeplagte bedeutet das: Pollen, die während des Fluges durch die Luft Stickoxiden und Ozon vermehrt ausgesetzt sind, sind aggressivere Allergene.

Schlaffer Winter, schlaffer Frühling - und mehr Pollen

Aber nicht nur diese Gase, die sich in Städten stärker konzentrieren als auf dem Land, werden für Allergiker zum Problem, sagt Prof. Torsten Zuberbier, Dermatologe an der Charité Berlin: "Jetzt kommt noch ein zweiter Aspekt hinzu: Wenn die Pollen hier in der Luft sind, in einer Stadt sind wie Berlin oder München, dann ist Feinstaub auch in der Luft und der Feinstaub setzt sich auf die Pollen ab und wird mit eingeatmet. Das führt auch zu einer Reizung der Atemwege."

Dazu kommt: Die Zahl der Pollen in deutschen Großstädten nimmt tendenziell zu. Experten sprechen davon, dass die Zunahme dreimal so hoch ist, wie auf dem Land. An der FU kann man das auch in diesem Frühling bestätigen: tatsächlich hat die Pollenfalle der Freien Universität schon bis März z.B. so viele Erlenpollen eingefangen, wie sonst im gesamten Jahr nicht mehr. Lag der bisherige Erlen-Rekord 2017 bei 1100 Pollen, ist der neue Rekord von 2019 mehr als doppelt so hoch: 2800.

Wichtige Faktoren für dieses Phänomen 2019: Der milde Winter und der fehlende Regen im Frühjahr, der sonst viele Pollen aus der Luft wäscht.

Und jetzt auch noch länger?

Dr. Anna Schubert von der FU-Berlin erforscht die Konzentrationen mittels der Berliner Pollenfalle - und hat noch mehr schlechte Nachrichten. Die Pollen könnten in Zukunft nicht nur zahlreicher sein, sondern auch noch länger fliegen: "Durch die Klimaerwärmung wird die Pollensaison für die Allergiker in den nächsten Jahren immer länger. Wir finden die letzten Pollen in der Saison bis Mitte November, das sind die der Ambrosia. Und ab Mitte Dezember geht das dann schon wieder mit der Erle los."

Helfen kann auf Dauer nur eine Hyposensibilisierung, aber die ist immer nur für einzelne Pollen möglich und dauert mehrere Jahre. Für Menschen, die an vielen und an Kreuzallergien leiden keine optimale Lösung.

Forschen mit der Pollenkammer

Prof. Torsten Zuberbier und sein Team forschen an der Charité an besseren Medikamenten für Allergiker. Dabei hilft ein besonderes Gerät: Die mobile Pollenkammer. Sie ist weltweit einmalig: Ihre 300.000 Euro teure Lüftungstechnik sorgt dafür, dass der Pollenstrom aus der Decke nur die Testperson trifft - nur sie und nicht einmal eine Person, die neben ihr sitzt.

Damit gibt es ganz neue Möglichkeiten, Medikamente zu testen: Beispielsweise sind Forscher so nicht mehr auf den natürlichen Pollenflug für den Verlauf von Studien angewiesen - auch in einem schlechten Jahr können Tests weitergehen, so Prof. Torsten Zuberbier.

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