Grafische Darstellung der Nasennebenhöhlen mit Entzündung (Bild: Colourbox)
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- Sinusitis: Chronische Nasennebenhöhlenentzündung

Etwa jeder zehnte Deutsche kämpft mit einer zugeschwollenen Nase und entzündeten Nasennebenhöhlen, und das nicht nur während der kalten Jahreszeit. Wenn bei einer Sinusitis zusätzlich Nasenpolypen wachsen, ist der Leidensdruck hoch. Oft muss wieder und wieder operiert werden. Jetzt gibt es für Betroffene neue Hoffnung auf freies Durchatmen - durch modernde Medikamente, sogenannte Biologika.

Experten unterscheiden die akute von der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung (chronische Rhinosinusitis, CRS). Etwa elf Prozent der Europäer leiden darunter. Von einer CRS spricht man, wenn die Beschwerden häufiger als vier Mal pro Jahr auftreten oder die Episode länger als drei Monate anhält.

Experten erklären sich die Entstehung folgendermaßen: Zunächst sind die oberen Schleimhautschichten von Nase und Nasennebenhöhlen über Monate und Jahre geschwollen und entzündet. Dadurch bildet sich zusätzliches Gewebe. Das wiederum engt die Ausgänge der Nasennebenhöhlen ein. Die Hohlräume werden schlechter belüftet, Keime sammeln und Sekret staut sich. Mit der Zeit geben die feinen Flimmerhärchen auf, die den Schleim normalerweise abtransportieren; die Schleimhaut schafft es nicht mehr, sich selbst zu reinigen. Irgendwann sind die Ausführungsgänge ganz verschlossen, und die Keime vermehren sich fortan ungehindert in den Nasennebenhöhlen.

Ursachen und Risiken

Die chronische Nasennebenhöhlenentzündung ist meist die Folge einer nicht ausreichenden Belüftung der Nase, beispielsweise durch allergische Schwellungen und Entzündungen, aber auch anatomisch bedingte Veränderungen. Diese Gründe können vorliegen:
• eine nicht ausgeheilte akute Nasennebenhöhlenentzündung,
• anatomische Besonderheiten wie eine verkrümmte Nasenscheidewand oder andere knöcherne Engstellen der Zugangswege zu den Nebenhöhlen,
• Allergien und Asthma,
• Nasenpolypen,
• Mukoviszidose,
• angeborene oder erworbene Immunschwäche (z. B. AIDS) sowie
• gut- oder bösartige Tumore.

Betroffene sollten bei Verdacht auf eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung in jedem Fall den HNO-Arzt aufsuchen. Er schließt auch Erkrankungen aus, die ähnliche Beschwerden auslösen können wie Unfälle oder eine Zahnwurzelentzündung.

Nasennebenhöhlen miteinander verbunden

Insgesamt befinden sich vier Nasennebenhöhlen im oberen Kopfbereich. Jede dieser Höhlen ist mit Luft gefüllt und mit einer Schleimhaut ausgekleidet.

Diese Höhlen gibt es:
• zwei Kieferhöhlen,
• Stirnhöhle und die
• Nasenhaupthöhle über dem Siebbein, ein Knochen des Hirnschädels.

Die Nasennebenhöhlen sind luftartige Hohlräume, die den Gesichtsschädel wie einen Schweizer Käse durchziehen. Sie stehen untereinander in Verbindung. Der Schleim, der aus Reinigungszwecken in der Schleimhaut der Nebenhöhlen produziert wird, fließt über das Siebbein in die Nase ab. Bei einer Entzündung schwillt die Schleimhaut an. Der Abfluss ist verstopft, das Sekret staut sich.

Typische Anzeichen

Die Anzeichen einer chronischen Sinusitis ähneln denen der akuten Sinusitis, nur sind die Symptome meist abgeschwächter:
• vermehrte Schleimbildung,
• behinderte Nasenatmung,
• Gesichts- und Kopfschmerzen,
• Riechstörungen,
• Abgeschlagenheit sowie eine
• verminderte Leistungsfähigkeit

Kopfschmerzen und ein Druckgefühl im Bereich der Nebenhöhlen können, müssen aber nicht auftreten. Häufig wird die chronische Nasennebenhöhlenentzündung von nächtlichem Husten begleitet. Er wird von eitrigem Schleim ausgelöst, der nachts durch den Rachen in die Bronchien läuft (post-nasal drip).

Diagnose

Der Arzt diagnostiziert die Nasennebenhöhlenentzündung mit Hilfe eines Endoskops. Dafür führt er einen flexiblen Schlauch mit OP-Instrumenten und einer Optik in die Nasenöffnung. Auf dem vergrößerten Bild auf dem Bildschirm sieht er, wie die Nebenhöhlen des Patienten beschaffen sind, wo sich zusätzliche Schleimhaut oder Polypen gebildet haben und wie durchgängig die Verbindungen der Nasennebenhöhlen sind.

Therapie Schritt 1: konservative Behandlung

Betroffene sollten täglich zwei Liter Kräutertee oder Wasser trinken und die Raumluft anfeuchten. Hilfreich ist auch das Inhalieren, oder die Bestrahlung mit Rotlicht. Die Nasendusche sorgt dafür, dass Schleim, Sekret samt Krankheitserreger, Krusten, Entzündungsstoffe, Dreck, Pollen und andere Allergene nach außen befördert werden.

Kurzfristig helfen abschwellende Nasensprays, die möglichst keine Konservierungsmittel enthalten sollten. Auf Dauer können sie allerdings abhängig machen und die Schleimhäute austrocknen. Meerwasserspray befeuchtet die Schleimhaut und schützt vor erhöhter Anfälligkeit. Mildes Nasenöl lindert eine ausgetrocknete, wunde Nase. Auch schleimlösende Medikamente auf pflanzlicher Basis helfen. Zudem wird der Arzt versuchen, die CRS mit Antibiotika und Kortisonpräparaten zu behandeln.

Therapie Schritt 2: Heilung durch OP

Den meisten Patienten hilft eine operative Sanierung der Nasennebenhöhlen. Dabei befreit der HNO-Arzt die Nasennebenhöhlen von Infektherden, Polypen und überflüssiger Schleimhaut. Für die OP-Planung ist neben der Endoskopie eine Computertomographie notwendig. Früher hat man dann die Nasennebenhöhlen regelrecht "ausgeräumt" und dabei auch größere Anteile der Nasenschleimhaut entfernt. Heute operieren die HNO-Ärzte wesentlich schonender: Es wird möglichst nur so viel erkranktes Gewebe abgetragen wie unbedingt nötig ist.

Es gibt aber auch Patienten mit einem sehr, sehr schweren Krankheitsverlauf. Bei ihnen ist eine OP nicht sinnvoll - sie führt nicht zur Heilung der Erkrankung. Typischerweise hatten sie in der Vergangenheit schon häufiger OPs, die keine dauerhafte Besserung bewirkt haben. Andere Patienten haben zusätzliche Begleiterkrankungen wie Asthma. Auch das ist ein Hinweis darauf, dass es sich um eine sehr schwere Erkrankungsform handelt. Für diese Patienten gibt es seit kurzem die Möglichkeit einer medikamentösen Therapie.

Neue medikamentöse Therapien

Ein sogenanntes Biologikum, genauer ein monoklonaler Antikörper, kann bei diesen schwer kranken Patienten den Durchbruch bringen. Der Wirkstoff wird unter die Haut gespritzt. Eingesetzt wurde er bisher nur gegen Asthma. Beide Erkrankungen, Asthma und chronische Sinusitis, hängen mit Polypen zusammen. Aufgefallen war zunächst, dass bei den Asthma-Patienten, die ein Biological bekamen, auch die Polypen kleiner wurden. Was eine Zufallsentdeckung war, wird jetzt intensiv erforscht. In Studien werden derzeit verschiedene Biologika bei Betroffenen getestet.

Die verschiedenen Biologika blockieren den Entzündungsmechanismus in der Schleimhaut an ganz bestimmten Stellen. Dadurch unterbrechen sie die ständige Kaskade der Erkrankung und verhindern, dass Polypen nachwachsen. Noch sind die Studien mit den neuen Wirkstoffen nicht abgeschlossen. Schon jetzt aber können Ärzte in Spezial-Zentren wie beispielsweise an der Charité-Berlin Patienten, die jahrelang vergeblich operiert wurden, mit den spezifisch wirkenden Medikamenten helfen.

Filmbeitrag: Cornelia Fischer-Börold
Infotext: Constanze Löffler

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