3D-Grafik eines angewinkelten Knies (Bild: imago/Science Photo Library)
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- Umstellungs-OP gegen Arthrose

X- und O-Beine können eine Arthrose im Knie begünstigen, da das Gelenk durch die Fehlstellung einseitig belastet ist. In manchen Fällen kann eine so genannte Umstellungs-Osteotomie helfen. Dabei wird die Beinachse operativ korrigiert - eine Therapie, die nicht nur einen präzisen Operateur erfordert, sondern auch viel Geduld von den Patienten.

Knieschmerzen können die Betroffenen zermürben - vor allem, wenn unklar ist, woher sie kommen. Die Patientin im Film hat seit fünf Jahren Knieprobleme; auch zwei Meniskus-Operationen brachten keine spürbare Verbesserung. Bei einem Termin für eine Zweitmeinung stellten die Ärzte mittels Spezialuntersuchung fest, dass ihre Beinachse verschoben ist. Die Beinachse, auch Belastungsachse genannt, verläuft bei einem geraden Bein vom Zentrum des Hüftgelenks zum Zentrum des Sprunggelenks. Dadurch wird das Kniegelenk gleichmäßig belastet.

Gründe für eine verschobene Beinachse

Fehlstellungen der Beinachse können angeboren oder im Laufe der Lebensjahre erworben werden. Infolge des erhöhten Drucks auf einer Gelenkseite verschmälert sich der Gelenkspalt; Meniskus und Knorpelschicht sind stark belastet. Der vermehrte Knorpelabrieb begünstigt eine frühzeitige Arthrose. Schmerzen, Entzündung und Schwellung des Kniegelenks sind die Folge. Für eine verschobene Beinachse gibt es verschiedene Gründe:
• X-Bein Fehlstellung: Die Kniegelenke sind nach innen verschoben. Die mechanische Beinachse führt durch den äußeren Gelenksanteil.
• O-Bein Fehlstellung: Die Kniegelenke sind nach außen verschoben. Die mechanische Beinachse führt durch den inneren Gelenksanteil.
• Ein ungleichmäßig verheilter Bruch am Ober- oder Unterschenkelknochen führt nach einem Unfall zu einem einseitigen X- oder O-Bein.
• Instabile Bänder im Kniegelenk haben eine vorzeitige Abnutzung der "lockeren" Seite zur Folge.
• Berufsjockeys oder Fußballspieler haben eine antrainierte O-Bein-Stellung.
• Bestimmte Skeletterkrankungen führen zu einer Verformung der Knochen und damit zur Fehlstellung.

Umstellungsosteotomie - ein raffinierter Eingriff

Orthopäden gelingt es durch einen speziellen Eingriff eine verschobene Beinachse zu korrigieren, die sogenannte Umstellungsosteotomie. Bei der OP wird der Schienbeinkopf durchtrennt und anschließend in anderer Stellung zusammengesetzt. Ziel der Operation ist es, die Innen- oder Außenseite des Kniegelenks zu entlasten, indem die mechanische Achse von innen leicht nach außen verlagert wird oder umgekehrt. Orthopäden nutzen zwei Verfahren:
• Closing-wedge-Technik: Hier wird am Unterschenkel- oder Oberschenkelknochen gelenksnah ein Knochenteil entnommen und der entstandene Spalt "zugeklappt".
• Opening-wedge-Technik: Bei diesem Verfahren setzen die Operateure gelenksnah einen einzelnen Schnitt und öffnen diesen langsam in Keilform. Spezielle Platten halten den Spalt offen, bis dieser knöchern durchwächst. In der Regel wird die stabilisierende Platte ein bis zwei Jahre nach dem Eingriff entfernt.

Egal, welche Technik die Ärzte einsetzen - der Eingriff erfordert äußerste Präzision. Die korrigierte Beinstellung wird durch Schrauben und Platten fixiert und stabilisiert.

Verfahren zur Knorpelregeneration

Zusätzliche Verfahren unterstützen die Knorpelregeneration an der geschädigten Seite. Im Falle der Patientin im Film nutzen die Ärzte die sogenannte Mikrofrakturierung. Bei einer Gelenkspiegelung VOR der Umstellungsosteotomie setzen sie winzige Bohrlöcher in den Knochen unter dem zerstörten Knorpel. Blut tritt aus, das Stammzellen enthält. Sie wandern in den defekten Bereich ein und füllen im Laufe der folgenden Monate mit Narbengewebe auf. Allerdings ist das Ersatzgewebe weniger belastbar als normaler Gelenkknorpel.

Nachbehandlung nach der Beinachskorrektur

Danach müssen sich die Patienten gedulden, denn der Knochen braucht Zeit, um in der neuen Stellung auszuheilen. Jeder Arzt wird für seine Patienten ein individuelles Nachbehandlungsprogramm zusammenstellen. In der Regel darf das Bein in den ersten drei Wochen nach der OP bewegt, aber nicht voll belastet werden (nur leichter Bodenkontakt). Die Patienten laufen an Gehstützen; mehrmals pro Woche unterstützt eine physiotherapeutische Behandlung die Therapie. Zwischen Woche vier und sechs dürfen die Patienten die Belastung des operierten Beines kontinuierlich steigern, bis sie es voll belasten können. Die Physiotherapie wird fortgesetzt. Abhängig vom Heilungsprozess kann danach wieder moderater Ausdauersport betrieben werden.

Mit Hilfe von Röntgenbildern kontrollieren die Ärzte, ob sich die Beinstellung und die Situation im Kniegelenk wie geplant verbessern:
• Aufbau des Gelenkspalts auf der belasteten Seite,
• Erholung des Knorpels im inneren Kompartiment und
• signifikante Verzögerung oder gar Stopp der fortschreitenden Arthrose.

Filmbeitrag: Cornelia Fischer-Börold
Infotext: Constanze Löffler

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