Mann sitzt auf Toilette mit herabgelassener Hose (Quelle: imago/Panthermedia)
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- Chronische Verstopfung - Hilfe für einen gesunden Darm

Das gelegentliche Warten auf etwas, das nicht kommt, kennen viele: Zum Beispiel durch Stress oder auf Reisen. Der Grund für eine vorübergehende Verstopfung ist meist ein träger Darm. Aber wann wird eine "Obstipation" zum echten Problem? Die rbb Praxis zeigt, wann untersucht werden muss. Und wir geben Tipps für einen gesunden Darm, unter anderem mit gezielten Yoga-Übungen im Studio.

Seit vergangenem Sonntag ist Sommerzeit. Die Uhr wurde von zwei auf drei Uhr eine Stunde vorgestellt. Für viele Menschen fühlt sich das an wie ein Mini-Jetlag, sie haben Schlafstörungen, sind müde und abgeschlagen. Auch der Stoffwechsel reagiert mitunter sensibel auf die Zeitumstellung – und die Verdauung gerät aus dem Takt. Durchfall oder Verstopfung sind die Folge.

Umfragen zufolge leiden rund 15 Millionen Menschen regelmäßig oder immer wieder an Verstopfung. Akute Verstopfung entsteht durch Stress, Reisen oder wenn der Darm durch eine nachlassende Spannung in der Darmmuskulatur träge wird.

Von chronischer Verstopfung sprechen Experten, wenn:

• Stuhlgang seltener als dreimal die Woche kommt,
• der Kot sehr fest ist,
• starkes Pressen erforderlich ist
• ein Gefühl der "Blockierung" im Enddarm besteht oder dass der Kot unvollständig entleert wird
• der Stuhlgang Schmerzen oder gar die Situation auslöst, nachhelfen zu müssen.

Wie funktioniert die Verdauung?

Die mit den Mahlzeiten aufgenommenen und bereits im Mund und Magen zerlegten Nährstoffe werden von der Dünndarmwand mithilfe von sogenannten Falten und Zotten resorbiert. Tausende von Ein- und Ausstülpungen vergrößern hier die Oberfläche des Dünndarms immens.

Was der Dünndarm nicht verarbeitet hat, geht weiter in den Dickdarm. Hier wird dem Nahrungsbrei Wasser entzogen. Insgesamt benötigt der Magen-Darm-Trakt etwa 24 Stunden, um eine Mahlzeit zu verdauen. Normalerweise schiebt der Darm den Nahrungsbrei dann durch Muskelbewegungen vorwärts. Bei einer Transportstörung des Dickdarms dauert das länger, bis zu vier Tage und mehr. Je länger der Stuhl im Dickdarm verweilt, desto mehr Wasser wird ihm entzogen. Der Darminhalt wird hart und trocken.

Die Diagnose einer chronischen Verstopfung ist nicht immer ganz einfach. Denn nicht selten haben Betroffene Scham, über ihr Problem mit dem Arzt zu sprechen.

Bei der körperlichen Untersuchung:

• tastet der Arzt den Darm auf dessen Füllungszustand ab
• hört der Arzt den Bauch mit dem Stethoskop ab – um Informationen über die Darmaktivität zu erhalten
• untersucht der Arzt den Enddarm, um beispielsweise zu erfahren, ob eine Entleerungsstörung durch einen erhöhten Schließmuskel-Druck vorliegt
• führt der Arzt bei hartnäckiger Verstopfung anschließend eine Darmspiegelung durch. Denn immer kann auch ein Tumor im Schließmuskelbereich Verstopfung verursachen. Dies wird empfohlen bei entsprechenden Warnsymptomen (z.B. Blut im Stuhl) und ab dem 50. Lebensjahr.

Transportstörung häufigster Grund für Verstopfung

Bei hartnäckiger Verstopfung kann der sogenannten "Hinton-Test" erfolgen: Dabei schluckt der Patient über sechs Tage je eine Kapsel mit röntgendichten Markern. Am siebten Tag wird sein Darm geröntgt. Entdecken die Ärzte die Marker dann über den ganzen Dickdarm verteilt, ist das ein Hinweis darauf, dass der Darm zu langsam arbeitet, d.h. es liegt eine Transportstörung vor. Sammeln sich die Marker im Enddarm, liegt eine "Entleerungsstörung" vor. Meist leiden Betroffene unter einer harmlosen Transportstörung.

Ob tatsächlich eine ballaststoffarme Ernährung, zu wenig Flüssigkeit oder Bewegungsmangel eine Verstopfung auslösen, ist nicht sicher belegbar. Vermutlich muss zusätzlich eine Veranlagung bestehen. Umgekehrt können Flüssigkeit, Ballassttoffe und Bewegung jedoch meist einen Darm in Schwung bringen.

Auch bestimmte Erkrankungen wie Diabetes können den Darm träge machen. Nicht zuletzt können auch Medikamente (zum Beispiel Eisenpräparate, Blutdrucktabletten, morphinhaltige Arzneien) der Auslöser sein.

Wenn der Darm sich ineinander stülpt

Bei einer Entleerungsstörung besteht oft eine sogenannte "Rektozele": Dabei wölbt sich der Enddarm in die Scheidenwand vor. Gleichzeitig kommt es zu einem inneren Enddarmvorfall: der Darm stülpt sich ineinander. Der Stuhl wird so nicht mehr vollständig ausgeschieden. Ursachen sind eine generelle Beckenbodenschwäche oder jahrelanges Pressen. Geschätzt haben 70 Prozent aller Frauen irgendwann solche Rektozelen, nicht immer bestehen aber gleichzeitig Beschwerden.

Diagnostiziert werden kann die Rektozele mit einer speziellen Untersuchung im MRT, die sogenannte Defäkografie. Dabei analysieren die Ärzte die Funktion des Beckenbodens und des Enddarms während der Ausscheidung eines speziellen röntgendichten Gels.
In leichteren Fällen kann Beckenboden-Training helfen. Reicht das nicht aus um die Beschwerden zu lindern, kann der entsprechende Bereich des Darms operativ entfernt werden.

Ein Tumor als Ursache für eine Verstopfung ist möglich

• wenn plötzlich Beschwerden wie Übelkeit und starke Bauchschmerzen auftauchen. Es kann ein lebensbedrohlicher Darmverschluss dahinterstecken
• wenn man Blut im Stuhlgang entdeckt,
• wenn Betroffene akut beim Stuhlgang aus dem Darm bluten,
• starke Schmerzen beim Stuhlgang auftauchen.

Was hilft bei chronischer Verstopfung?

Wer unter chronischer Verstopfung leidet, hat aber oft alles an gut gemeinten Ratschlägen ausprobiert und trotzdem bleibt der Darm träge. Hilfreich für die Verdauung können als erste Maßnahmen Quellmittel wie Flohsamen oder Weizenkleie sein. Diese müssen jedoch mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden. Leicht abführend wirken auch Buttermilch oder Backpflaumen.

Richtig eingenommen sind Abführmittel sichere Arzneimittel. Sie dürfen aber keineswegs überdosiert werden. Wenn der Stuhl durch die Arznei flüssig wird, kann es im schlimmsten Fall zu einem gefährlichen Kaliummangel kommen, der mitunter Herzrhythmusstörungen verursachen kann. Keineswegs sollten Abführmittel eingesetzt werden, um abzunehmen. Ein missbräuchlicher, überdosierter Einsatz birgt Lebensgefahr.

Filmbeitrag: Carola Welt
Infotext: Beate Wagner

Buchtipps

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Ullstein Verlag 2015

Alarm im Darm - Mythos Reizdarm und was Ihrer Verdauung wirklich hilft

Dr. Volker Schmiedel
Trias Verlag 2015

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