Mann mit Schuppenflechte am Ellenbogen (Bild: Colourbox)
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- Schuppenflechte – Wenn Gelenke auch betroffen sind

Typisch für die Psoriasis ist eine schuppige, entzündlich gereizte Haut. Doch neben der Haut und den Nägeln können auch die Gelenke befallen sein. Betroffene mit Schmerzen in den Fingern oder in den Knien landen dann häufig beim Orthopäden, statt beim Hautarzt oder Rheumatologen. Die rbb Praxis klärt auf.

Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung. Sie tritt in der Regel im zweiten oder nach dem fünften Lebensjahrzehnt erstmalig auf. Etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden an einer Psoriasis mit unterschiedlich starker Ausprägung. Bei einem Fünftel der Patienten sind auch die Gelenke betroffen. Zudem ist das Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht erhöht. Die entzündliche Erkrankung der Gelenke in Zusammenhang mit einer Psoriasis wird Psoriasis-Arthritis genannt.

Die Ursache der Erkrankung ist bislang nicht geklärt. Offenbar besteht eine erbliche Komponente. Auch Umweltfaktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung. Letztlich greift das Immunsystem Bestandteile des eigenen Körpers an:

• Irrtümlicherweise erkennt es körpereigenes Gewebe als zu bekämpfenden Fremdkörper: Bei der Schuppenflechte werden die Haut- und Gelenkzellen fälschlicherweise von den Abwehrzellen des Immunsystems angegriffen.
• Dadurch verkürzt sich ihr Entwicklungsprozess und sie können sich nicht fehlerfrei entwickeln.
• Die fehlentwickelten Zellen zeigen sich an der Hautoberfläche als typische Schuppen.
• Es kommt zu schweren Entzündungsreaktionen.

Auch Gelenke können betroffen sein:

• Zeigt sich die Psoriasis an der Haut, geht das mit stark geröteten Hautplaques mit silbrig-weißen Schüppchen einher.
• Meist sind die Kniescheiben und Ellenbogen betroffen, gehäuft weisen auch die Kreuzbeinregion und Kopfhaut Hautveränderungen auf.
• Die Fingernägel können Grübchen und Verfärbungen entwickeln, so dass das gelegentlich mit Nagelpilz verwechselt wird.
• An den Händen und Füßen bilden sich häufig schmerzhafte Risse oder Bläschen, die ein Einfallstor für Keime darstellen.
• Die Haut ist sehr trocken und juckt.

Ingesamt entzünden sich bei jedem zwanzigsten Betroffenen später auch die Gelenke und die Gelenkhäute. Aber es gibt die unterschiedlichsten Abweichungen: Manche Menschen haben eine ausgeprägte Schuppenflechte der Haut, aber keine Probleme mit den Gelenken. Andere haben eine Psoriasis-Arthritis, aber keine Schuppenflechte. Oder ihre Gelenke entzünden sich, bevor Hautveränderungen sichtbar werden. Manchmal treten auch beide Formen gleichzeitig auf.

Oft irren gerade die Patienten mit Gelenkbeteiligung lange von Praxis zu Praxis, bis bei ihnen die richtige Diagnose gestellt wird.

Moderne Diagnostik: Rheumascan

Diagnostische Klarheit bringt oft schon ein Röntgenbild. Bei einer Psoriasis Arthritis zeigen sich darin typische Veränderungen in den Gelenken, die durch einen Knochenumbau entstehen. Eine weitere moderne Hilfe auf der Ursachensuche bei Gelenkbeschwerden ist der so genannte "Rheuma-Scan".

Für den Rheuma-Scan injiziert der Arzt dem Patienten einen speziellen Farbstoff in die Vene:

• Die Flüssigkeit fließt durch die Blutgefäße, verteilt sich im Körper und auch in die Hände und Finger.
• Nun misst die Kamera die Durchblutung der Gelenke: In entzündeten Bereichen ist sie stark erhöht und damit mehr Blut vorhanden.
• Mehr Blut bedeutet, dass dort mehr Farbmoleküle angeschwemmt werden.
• Diese reflektieren das Licht: Gelbe, orange oder rote Bereiche auf dem Farbscanner zeigen viel Farbstoff und damit entzündete Stellen an. Grüne und blaue Regionen signalisieren hingegen eine geringere Durchblutung und keine Entzündung.

Die Veränderungen in den Gelenken sind bereits im Frühstadium nachweisbar – oft sogar schon, bevor starke Beschwerden bestehen. Die Untersuchungszeit beträgt nur sechs Minuten und schon etwa eine Minute nach der Gabe des Fluoreszenzfarbstoffs reichert dieser sich in den entzündeten Gelenken an.

Herkömmliche Therapien

Gegen Beschwerden auf der Haut helfen zunächst einfache Cremes. In hartnäckigen Fällen werden Salben und Shampoos, beispielsweise mit Urea (Harnstoff) oder Salicylsäure, erfolgreich angewendet. Bei der mittelschweren Psoriasis ist die sogenannte Licht-Bade-Therapie angezeigt. Die Patienten baden rund 20 Minuten in warmem Wasser mit Salz-Zusätzen wie Kochsalz oder Salz aus dem Toten Meer.

Therapien mit Biologika

Bei schwerer Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung kommt eine neue Generation Biologika zum Einsatz. Biologika sind gentechnisch hergestellte Eiweißsubstanzen, die sich gegen bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe des Körpers richten. Im Vergleich zu den älteren Präparaten sind sie deutlich besser wirksam. Die Nebenwirkungen der neuen Biologika halten die Ärzte bisher für gering.

Die Präparate sind sehr teuer, daher werden sie meist nur Patienten bei schwerer Schuppenflechte verschrieben, wenn andere Therapien wirkungslos waren. Bei der Psoriasis-Arthritis kommen beispielsweise Biologika wie Adalimumab, Infliximab und Etanercept zum Einsatz.

Filmbeitrag: Pia Kollonitsch
Infotext: Beate Wagner

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