Beginn der Sommerzeit, Foto: Colourbox
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Beginn der Sommerzeit | Bild: Colourbox

- Macht die Sommerzeit krank?

Die Uhren wurden vorgedreht, seit wenigen Tagen gilt in Deutschland wieder die Sommerzeit. 2021 könnte damit Schluss sein - gerade hat das EU-Parlament jedenfalls das Ende der Zeitumstellung bis dahin beschlossen. Die Länder sollen sich nun - möglichst auf eine - Zeit einigen. Laut Umfragen wünschen sich viele Menschen ewige Sommerzeit - aber kann uns das am Ende krank machen? Schlafmangel und Herzerkrankungen fördern?

Zeitumstellung ist Stress: Laut einer neuen Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK würden 74 Prozent der Menschen in Deutschland die Zeitumstellung am liebsten abschaffen. Eine Befragung der EU vor dem aktuellen Beschluss fand sogar noch höhere Zustimmung:bis zu 84 Prozent wollen die Zeitumstellung loswerden.

Geblieben ist sie vorerst trotzdem, auch wenn das Ende seit wenigen Tagen absehbar scheint. Am vergangenen Wochenende wurden die Uhren erst einmal vor gestellt. Und das ist mehr als nur lästig, wie auch ein anderes Ergebnis der DAK-Umfrage zeigt: Demnach haben 27 Prozent der Menschen in Deutschland auch gesundheitliche Probleme, die sie speziell auf die Zeitumstellung zurückführen. Eine Annahme, die sich wissenschaftlich belegen lässt.

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Die erste Woche ist besonders gefährlich

Schwedische Forscher am Stockholmer Karolinska Institut stellten schon 2008 fest: In den ersten drei Tagen nach der Umstellung auf die Sommerzeit steigt das Risiko für einen Herzinfarkt um fünf Prozent an. Die Wissenschaftler führten das Phänomen insbesondere auf erhöhten Stress durch das frühere Aufstehen zurück, denn gerade morgens sei das Herz-Kreislaufsystem besonders anfällig für Stress.


Zwei neuere Studien kamen 2016 sogar zu noch drastischeren Ergebnissen: Deutsche Forscher im Auftrag der Krankenkasse DAK und finnische Wissenschaftler an der Universität Turku werteten jeweils hunderte Krankenhausdaten der vergangenen Jahre aus. Ergebnis: In den ersten drei Arbeitstagen nach der Zeitumstellung, stieg die Häufigkeit von Schlaganfällen und Herzinfarkten auffällig an - bei den Herzinfarkten sogar um bis zu 20 Prozent. Die Häufigkeit von Schlaganfällen erhöhte sich laut der finnischen Forscher um immerhin acht Prozent.

Endlose Sommerzeit? Ungesunde Idee

Auch wenn viele Menschen von der Zeitzone der langen Grillabende träumen - Schlafforscher wie Prof. Ingo Fietze sehen darin echte Gesundheitsgefahren. Er fordert eine Rückkehr zur "Normalzeit" - und das ist die Winterzeit: "Das ist die Zeit, in der wir Mensch geworden sind und in der auch die Tiere leben. Alle Lebewesen leben nach dieser Normalzeit, nur wir Menschen drehen künstlich an der Uhr."

Ohnehin gebe es durch sozialen Jetlag eine immer größere Tendenz dazu, den Tag zu verlängern, also länger wach zu bleiben, so der Chronomediziner. Von sozialem Jetlag sprechen Wissenschaftler, wenn die biologische Zeit und die sozial aktive Zeit immer weiter auseinanderdriften.

Trend: Schlaflosigkeit

Über Jahrtausende haben wir nach dem hell-dunkel-Rhythmus gelebt -
sind also durchschnittlich um neun Uhr abends schlafen gegangen und
wurden nach 8 Stunden Schlaf gegen 5 Uhr von der Sonne geweckt.

Durch künstliches Licht, vor allem abends, hat sich die durchschnittliche
Bett-Geh-Zeit aber schon jetzt deutlich nach hinten verschoben - Ungefähr auf Mitternacht. Wer dann morgens um sechs raus, dem fehlen praktisch zwei Stunden erholsamer Schlaf. Prof. Fietze befürchtet, dass die "Sommerzeit auf Dauer" das befördern würde und uns gesundheitlichen Gefahren aussetzt, wie sie sonst z.B. durch Schichtarbeit bestehen - nur auf Dauer. Zu diesen erhöhten Risiken gehören beispielsweise Herz-Kreislauferkrankungen.

Tipps für verwirrte Bio-Uhren

Der Müdigkeit vorbeugen lässt sich zum Beispiel mit der richtigen Ernährung: Nahrungsmittel, die reich an Eiweiß sind - wie Fisch, Fleisch oder Milchprodukte – helfen, abends länger durchzuhalten. Eher ermüdend wirken dagegen kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Kartoffeln, Nudeln oder Reis.

Gut ist auch Bewegung an der frischen Luft, denn das natürliche Sonnenlicht gibt unserer inneren Uhr den Takt vor und hilft, den eigenen Biorhythmus wieder zu stabilisieren.

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