Nackte Beine übereinandergeschlagen (Quelle: Colourbox)
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- Krampfadern - Laser oder Stripping?

Frühling, es wird warm, man kann die dicke Jacke weglassen und auch mal eine kurze Hose oder einen Rock tragen. Viele scheuen aber davor zurück, weil sie Krampfadern an den Beinen haben. Kein Wunder, dass sich gerade im Frühjahr viele dazu entscheiden, etwas gegen die lästigen und oft auch schmerzhaften kranken Venen zu tun. Die Kassen zahlen in der Regel nur die klassische OP, das Stripping. Alternativ wird oft eine Therapie mit dem Laser angeboten. Die soll schonender und ähnlich effektiv sein, so das Versprechen. Doch stimmt das?

Aufgabe der Beinvenen ist, sauerstoffarmes Blut aus von den Füßen entgegen der Schwerkraft zum Herzen zu befördern. Wichtig dafür sind die Venenklappen. Sie verhindern zusammen mit der Beinmuskulatur, dass bereits hoch transportiertes Blut wieder zurück nach unten läuft.
Bei rund 20 Millionen Deutschen funktioniert dieses System nur noch bedingt. Die Gefäßwände geben leichter nach, die Venenklappen schließen nicht mehr, Blut versackt in den unteren Körperpartien und staut sich dort. Es verstärkt den Druck auf die Venenwände, Krampfadern entstehen. Frauen sind davon drei- bis viermal häufiger betroffen, schuld ist oft ihr Bindegewebe.

Risikofaktoren für Krampfadern:
• familiäre Disposition
• Übergewicht
• Einnahme der Pille
• Schwangerschaft
• Berufe, die stundenlanges Stehen und Sitzen erfordern
• moderne rüttelnde Sportgeräte (z.B. Powerplate) können Krampfadern begünstigen

Krampfadern sind lange unsichtbar. Anfangs machen sie mitunter durch nächtliche Wadenkrämpfe auf sich aufmerksam. Treten aber irgendwann akute Symptome auf, sollte man sich schnell um das Venenleiden kümmern. Denn mit der Zeit weiten sich die Gefäße, Wasser tritt aus dem Gewebe und Sauerstoff wird nicht mehr ausreichend transportiert.

Die Diagnostik von Krampfadern erfolgt mithilfe von Ultraschall (Doppler- und Duplexsonografie). Dabei prüft der Arzt den Blutfluss in den Venen, die Dichtigkeit der Venenklappen und die Durchgängigkeit des tiefen Venensystems. Zudem sucht er nach Ödemen und Hautveränderungen, die Zeichen der fortgeschrittenen chronisch venösen Insuffizienz sind. Eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel ist nicht mehr notwendig.

Krampfadern – unschön und gefährlich

Für viele Menschen sind die blau geschlängelten Linien an den Beinen eher ein kosmetisches Problem. Doch Krampfadern können zu ernsthaften Komplikationen wie Venenentzündungen und sogar lebensbedrohlichen Thrombosen führen. Denn der mit den Krampfadern einhergehende Blutrückstau kann dazu führen, dass sich Blutgerinnsel, sogenannte Thromben, bilden. Wenn diese sich lösen, können sie eine Lungenembolie auslösen. Rund 30.000 Deutsche sterben jährlich daran.
Auch Schwellungen und Verhärtungen des Gewebes und Verfärbungen der Haut sind nicht selten. Im schlimmsten Fall führen unbehandelte Krampfadern zu "offenen Beinen".

Verschiedene Therapieoptionen

Gefäßexperten bieten verschiedene Verfahren an, um Krampfadern zu entfernen: per Skalpell, Laser oder durch Verödung.

Venenstripping
Als Goldstandard gilt das seit hundert Jahren bekannte Venenstripping. Zunächst verschließt der Chirurg die Vene in der Leiste – so fließt darin kaum noch Blut. Dann setzt er an der Innenseite des Beines mehrere Einstiche, um die erweiterte Vene Stück für Stück mit einer Sonde aus dem Bein herauszuziehen. Zuvor legt er auch die kleinen Seitenäste des Venensterns lahm. Dieser Eingriff wird meist ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt und dauert 30 Minuten bis 1 Stunde.

Im Vergleich zu früheren radikalen Eingriffen ist das Stripping heute ein schonendes Verfahren. Litten Betroffene früher unter extremem Wundschmerz, einem ausgeprägten Blutverlust und wurden die Gefäßklappen von der Leiste bis zum Sprunggelenk komplett entfernt, gibt es heute nur wenige Blutergüsse und kaum Wundschmerz. Die Patienten können zudem zwei Stunden nach der Operation nach Hause gehen. Nach dem operativen Venenstripping müssen die Patienten etwa eine Woche lang Kompressionsstrümpfe tragen und sind auch so lange krankgeschrieben. Die Behandlung wird von den gesetzlichen Krankenkassen ohne Einschränkung bezahlt.

Minimal-invasive Verfahren: Laserbehandlung und Radiofrequenztherapie
Bei der Endoluminalen Lasertherapie (EVLT) wird die Stammvene nicht herausgezogen, sondern durch den Laserstrahl verschweißt. Hierbei wird in örtlicher Betäubung unter Ultraschallkontrolle durch ein feines Glasfaserlichtkabel die Laserlichtenergie "minimalinvasiv" in die Vene eingebracht. Es kommt zu einer Schrumpfung und letztlich zum Verschluss des Gefäßes.

Bei der Radiowellentherapie führen die Experten unter Ultraschallkontrolle in Kniehöhe oder am Unterschenkel einen winzigen Hochfrequenzkatheter in die kranke Vene ein. Durch die Wärmeenergie schrumpft die Venenwand und die Vene verschließt sich. Die Behandlung kann ambulant unter lokaler Anästhesie durchgeführt werden.

Da die Vene nicht wie beim Stripping durch das ganze Bein gezogen werden muss, sind die Patienten schneller wieder fit. Endoluminal behandelte Patienten können häufig schon nach zwei bis drei Tagen wieder zur Arbeit. Mittlerweile übernimmt auch eine ansteigende Zahl gesetzlicher Krankenkassen auf Antrag die neuen Verfahren. Beide Verfahren gelten als besonders schonend. Ob die Laserverfahren wirklich schonender sind als das Standardverfahren des Strippings, ist unter Experten umstritten.

Verödung und Verschäumung
Für die Sklerosierung oder Verödung spritzt der Venenspezialist etwa die Alkohollösung Aethoxysklerol als Flüssigkeit oder Schaum in das erweiterte Gefäß. Dazu wird ein dünner Katheter unter Ultraschallkontrolle in die Vene gelegt und dann ein spezieller Schaum mit dem Wirkstoff in die Vene injiziert. Dieser bewirkt, dass die Vene wesentlich leichter verklebt und sich vollkommen verschließt. Der Körper baut die verklebten Venen in den folgenden Wochen ab, ohne dass Narben zurückbleiben. Darüber hinaus ist die Schaumverödung beinahe schmerzfrei, schnell und ambulant durchführbar.

Die Kosten für eine Sklerosierung können von Praxis zu Praxis erheblich schwanken. Manche Praxen berechnen den Zeitaufwand nach Minuten, andere je nach Größe der zu behandelnden Fläche. Manche Ärzte behandeln pro Sitzung nur einen Teilbereich, andere versorgen in einer Sitzung das ganze Bein oder gar beide Beine. Erkundigen Sie sich im Vorgespräch genau nach dem jeweiligen Vorgehen, dann bleiben unschöne Überraschungen bei der Anrechnung erspart.

Da die Verschäumung keinen großen Eingriff erfordert, eignet sie sich beispielsweise bei älteren Menschen mit offenen Beinen. Die gesetzlichen Kassen zahlen die Verschäumung aber nur bei fortgeschrittenen Venenleiden.

Verödung schneidet am schlechtesten ab

Eine Studie aus dem Jahr 2014, die im angesehenen amerikanischen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, hat die drei Methoden verglichen – und fand gewaltige Unterschiede. Die Verödung verschloss Gefäße mit 43 Prozent nur halb so oft wie die anderen beiden Verfahren und zog öfter Nachbehandlungen nach sich. Bei sieben Prozent der Patienten traten Komplikationen auf wie Gefäßentzündungen, eine verstärkte Pigmentierung oder allergische Reaktionen. Beim Stripping war die Komplikationsrate mit sechs Prozent im Vergleich zur Lasertherapie erhöht. Die Studie habe gezeigt, so das Fazit von Julie Brittenden, Gefäßchirurgin an der schottischen Universität Aberdeen und Erstautorin der Studie, dass die Laserbehandlung die zu bevorzugende Methode ist. Auf der anderen Seite steht die Wahrscheinlichkeit, dass nach der Behandlung die Krampfadern wiederkommen. Die ist beim Stripping geringer. Eine Studie von 2011 hat gezeigt, dass bei 18 Prozent der mit Laser behandelten Personen die Krampfadern wiederkamen. Bei der Stripping-Methode war dies nur bei 1,3 Prozent der Patienten der Fall.

Insgesamt beurteilt der IGeL-Monitor, der die individuellen Gesundheitleistungen (IGeL) nach der aktuellen Studienlage bewertet, die Laserbehandlung von Krampfadern als nicht besser oder schlechter als das Venenstripping. Hierzu hat der IGeL-Monitor Studien ausgewertet, die die Laserbehandlung mit der Operation bezüglich verschiedener Faktoren verglichen haben: etwa danach, welche Behandlung zu weniger neuen Krampfadern führt, welche die Patienten schneller wieder fit macht, welche Behandlung zu weniger Schmerzen und weniger Wundinfektionen führt und vieles mehr. Hier sind nach Ansicht des IGeL-Monitors beide Verfahren gleich auf, die oft kostenpflichtige Lasertherapie dem klassischen Venenstripping also nicht überlegen.

Neu befeuert wird die Diskussion nun durch eine Übersichtsarbeit, an der der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie Prof. Achim Mumme beteiligt war. Die Übersichtsarbeit bewertet Studien, die über mindestens fünf Jahre Patienten nach einem Venenstripping oder einer Laserbehandlung beobachtet haben. Insbesondere ging es darum, wie häufig an den Gabelungen zwischen den großen Leistenvenen und den Krampfadern, die behandelt wurden, wieder ein Blutfluss nachweisbar war. Dieser so genannte Reflux sagt sozusagen vorher, ob ein Rezidiv, also eine erneute Krampfaderbildung, zu erwarten ist. Das Problem: Solche Rezidive treten meist erst sehr spät auf. Die meisten Studien, die die Lasertherapie mit dem Venenstripping vergleichen, hatten eine sehr viel kürzere Beobachtungsdauer.

In den von Prof. Mumme und Kollegen herangezogenen Studien zeigte sich ein Reflux insbesondere in der Leistenvene nach einer Lasertherapie deutlich häufiger als nach einem klassischen Venenstripping. Denn bei der Operation werden die Verästelungen der Venen mit entfernt. Die Lasertherapie hingegen kann direkt an der Gabelung nicht eingesetzt werden, sondern erst ein bis zwei Zentimeter hinter dem Abgang der Krampfader.

Tatsächlich bestätigen auch andere Venenexperten, dass die Gefahr einer erneuten Krampfaderbildung bei einem nachweisbaren Blutfluss erhöht ist. Dennoch ist es schwierig, aufgrund der aktuellen Studienlage eine klare Empfehlung für die eine oder die andere Therapie auszusprechen. Dementsprechend wird sich auch in den neuen deutschen Leitlinien zur Krampfaderbehandlung, die Anfang Mai 2019 veröffentlicht werden, keine Aussage dazu finden, ob eine Methode der anderen überlegen ist.

Den Krampfadern vorbeugen

Vorbeugend hilft regelmäßige Bewegung. Das stärkt die Muskulatur – und die natürliche Muskelpumpe. Sie sorgt dafür, dass venöses Blut aus den Beinen gegen die Schwerkraft besser zum Herzen zurücktransportiert wird. So tut etwa "Luftradeln" den Venen gut. Dabei legt man sich auf den Rücken und "fährt" mit den Beinen in der Luft Rad. Auch im Stand zwischen Fußballen und Ferse hin und her zu wippen, regt die so genannte Muskelpumpe an, die die Venen bei ihrer Arbeit unterstützt.
Viele Experten raten von hohen Absätzen ab. Besser sind flache Schuhe. Oder Schuhe mit gewölbten Schuhsohlen (MBT). Wer zu der Venenproblematik neigt, sollte nicht rauchen und auf Langzeitflügen und bei stehenden Tätigkeiten feste Kompressionsstrümpfe tragen. Auch regelmäßige Kneipp-Kuren und rotes Weinlaub-, Rosskastanien und Traubenkernextrakt werden empfohlen.

Filmbeitrag: Ursula Stamm
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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