3D-Darstellung von Fettzellen (Bild: imago/Westend61)
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- Lipödem – wer zahlt die Fettabsaugung?

Angeblich leiden bis zu drei Millionen Frauen am Lipödem, einer krankhaften Fettverteilungsstörung. Eine Fettabsaugung könnte zumindest einigen von ihnen helfen. Gesundheitsminister Jens Spahn will das jetzt zur Kassenleistung machen. Doch wer profitiert wirklich von so einem Eingriff? Wie unterscheiden Ärzte zwischen einem Lipödem und Fettpolstern, die durch falsche Ernährung entstehen?

Zunächst spannt nur das Gewebe und schmerzt, beim kleinsten Druck bildeten sich blaue Flecke. Dann wächst der Umfang der Unter- und Oberschenkel und nimmt mitunter monströse Ausmaße an. Oft gesellen sich zu den geschwollenen Beinen weitere starke Schmerzen und eine hohe Hautsensibilität. Manche der Betroffenen ertragen keinerlei Berührung. Viele Patienten meiden die Öffentlichkeit. Ärzte definieren diese Krankheit als eine diätresistente, unproportionale Fettgewebseinlagerung vor allem der unteren Extremitäten.

Diäten helfen nicht

Viele Betroffene erleben bis zur Diagnose einen langen Leidensweg. Ihnen wird vorgeworfen, selbst für die dicken Beine verantwortlich zu sein. Das vermehrte Fettgewebe beim Lipödem hat hingegen nichts mit der Kalorienaufnahme zu tun und wird mit einer Diät nicht besser. Maßnahmen, die gegen die Ödeme helfen, ändern nichts an dem angeschwollenen Fettgewebe. Das Lipödem ist wahrscheinlich eine erblich bedingte Erkrankung – und reagiert nicht auf Kalorienreduktion. Im Gegenteil: Mit den Jahren kommt es zusätzlich zu Ödemeinlagerungen.

Die Erkrankung verläuft in drei Stadien

Stadium I:    Unterhautschicht ist meist gleichmäßig verdickt
Stadium II:   Unterhautschicht wird knotig, Hautoberfläche wird uneben
Stadium III:  Gewebe verhärtet, Fettwülste an Knien und im Oberschenkelbereicht, oft        Behinderungen beim Gehen

Schwierige Diagnose

Das Lipödem lässt sich nicht nachweisen, genetisch oder im Blut. Ärzte können es nur durch das Ausschlussverfahren diagnostizieren. Die chronische Fettspeicherkrankheit tritt meist bei Frauen nach einer Hormonumstellung wie Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause auf. Dann schwellen vor allem die Beine stark und dauerhaft an, entweder nur Ober- oder Unterschenkel, manchmal sogar das ganze Bein. Und auch die Arme können betroffen sein.

Der Grund: Die Kapillargefäße im Fettgewebe sind besonders durchlässig, so dass mehr Gewebsflüssigkeit austritt. Das Zellwasser sammelt sich zwischen den Fettzellen an, die sich vergrößern und verformen. Da sie auf Blut- und Lymphgefäße drücken, behindern sie den Abtransport der Lymphflüssigkeit. In der Unterhaut sammelt sich immer mehr Fett an. Wassereinlagerungen – Ödeme – verstärken das Problem. Sie nehmen bei Wärme, langem Sitzen und Stehen zu.

Ein Lipödem von Übergewicht zu unterscheiden, ist nicht einfach, aber es gibt einige Unterschiede:

Lipödem
- Disproportionale Fettverteilung: Meist nur Arme und Beine deutlich voluminöser bei schlankem Oberkörper
- Ödemneigung
- Druckschmerz
- Starke Neigung zu Hämatomen ("blauen Flecken")

Übergewicht
- Meist eher überall Volumenzunahme
- Ödeme eher selten
- Kein Druckschmerz
- Keine Neigung zu Hämatomen

Konservative Therapie ist nur bedingt wirksam

Ein Lipödem lässt sich nach heutigem Wissen nicht heilen. Linderung kann eventuell der Lymphologe bieten, also ein Experte für das Lymphgefäßsystem. Er verschreibt Kompressionsstrümpfe sowie die mehrmalige, wöchentlich Lymphdrainage. Bei der Lymphdrainage entstaut der Physiotherapeut Beine oder Arme durch sanfte Handgriffe, die Schwellungen unter der Haut verringern sich. Diese Maßnahme wird vor allem beim Lymphödem angewandt, bei dem sich hauptsächlich Flüssigkeit im Gewebe staut. Sie ist aber auch beim Lipödem wirksam.

Das Lipödem lässt sich durch eine Diät und Gewichtsabnahme zwar nicht reduzieren, aber durch eine Ernährungsumstellung und körperliche Bewegung kann die Fetteinlagerung und damit das Fortschreiten der Erkrankung verzögert werden.

Fettabsaugung als Kassenleistung?

In ausgeprägten Fällen hilft nur die Fettabsaugung des Lipödems. Bislang wurden die Kosten einer solchen Maßnahme nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Das soll sich nun ändern. Anfang des Jahres gab es einen Vorstoß des Gesundheitsministers Jens Spahn, wonach so eine Lipödem-Behandlung Kassenleistung werden sollte.

Der Eingriff dauert zwischen zwei bis drei Stunden. Es werden pro Sitzung etwa sechs bis acht Liter Fett abgesaugt. Mehr verträgt der Kreislauf auf einmal nicht. Bei der Fettabsaugung werden insgesamt drei Sitzungen nötig, dazwischen liegen jeweils drei Monate Pause. Durch die Liposuktion kann die chronische Erkrankung des Lipödem nicht geheilt, aber deutlich gebessert werden.

Filmbeitrag: Sybille Seitz
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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