Mann greift sich an schmerzenden Rücken (Bild: Colourbox)
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- Rückenschmerz – was steckt dahinter?

Abnutzung, Muskelverspannungen oder doch die Bandscheiben? Es gibt unzählige Auslöser für Rückenschmerzen. Oft ist es schwer, eine eindeutige Ursache zu finden. Denn nicht jeder, der unter andauernden Beschwerden leidet, hat tatsächlich einen Wirbelsäulenschaden.

Unser Rücken ist ein Meisterwerk: Er hält uns aufrecht, stabilisiert den Oberkörper und sorgt für eine koordinierte Bewegung unserer Gliedmaßen. Gleichzeitig muss die Wirbelsäule so flexibel sein, dass wir uns beugen, strecken und zur Seite drehen können. Ein Grund, dass das funktioniert, ist die Muskulatur. Die tiefe Rückenmuskulatur stützt die Gelenke bei Alltagsbewegungen und wirkt so Abnutzungserscheinungen entgegen. Vor allem aber ist sie zuständig für die aufrechte Körperhaltung und hält zum Beispiel auch die Bandscheiben an ihrem Platz. Wenn wir Rückenprobleme haben, liegt das häufig an einer untrainierten und instabilen tiefen Rückenmuskulatur.

Die oberflächliche Rückenmuskulatur ist vor allem für die groben Bewegungen in der Wirbelsäule zuständig. Sie ermüdet schnell bei längerer Haltearbeit. Man kann diese Muskelgruppe von außen gut sehen und spüren. Sie wird beim Krafttraining besonders gern trainiert, da sie unseren Körper athletisch aussehen lässt.

Was viele vergessen – für einen stabilen Rücken brauchen wir auch unsere Bauchmuskeln. Die Kraft der Bauchmuskeln wirkt wie das Gegengewicht bei einem Kran. Wenn wir unsere Bauchmuskeln anspannen, versteift sich der Rumpf. Dadurch muss vor allem die tiefe Rückenmuskulatur weniger arbeiten.

Ein Schmerz – viele Ursachen

Rückenschmerzen können viele Ursachen haben und nicht immer ist es einfach, den Grund für die Beschwerden zu finden.

Hexenschuss
• tritt meist akut auf, oft nach ruckartigen Bewegungen
• betrifft fast immer den Lendenwirbelbereich
• meist harmlos
• Muskeln verspannen sich reflexartig
• anchmal wird ein Nerv eingeklemmt, dann können die Schmerzen auch ausstrahlen
• Nervenwurzeln am Rückenmark sind intakt

Ischias (medizinisch: Ischialgie)
• meist tagelange Kreuzschmerzen
• Schmerzen strahlen immer aus: ins Gesäß oder den Oberschenkel
• häufig Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit
• Nervenwurzeln am Rückenmark und Nerven sind gereizt und entzündet

Bei einem gewöhnlichen Hexenschuss ist ein Arztbesuch nicht unbedingt erforderlich, da die Verspannungen sich innerhalb von drei bis fünf Tagen von alleine lösen werden. Die Schmerzen sollten spätestens nach zwei Wochen vollkommen abgeklungen sein. Auch wenn Sie aufgrund der eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten und der Schmerzen am liebsten im Bett bleiben möchten – tun Sie es nicht! Verkrampfte Muskeln lösen sich nämlich vor allem durch Bewegung. Ruhigstellung und Schonhaltung bewirken genau das Gegenteil.

Auch die Ischialgie wird meist konservativ behandelt: mit Medikamenten und Krankengymnastik. Denn auch hier gilt: Ein gutes Muskelkorsett entlastet den Rücken und das kann Rückenbeschwerden lindern. Eingesetzt werden oft Schmerzmittel, die auch eine entzündungshemmende Wirkung haben, um die Entzündung der Nervenwurzeln zu behandeln.

Sonderfall: Bandscheibenvorfall

Die Bandscheiben liegen zwischen den 33 Wirbelkörpern; zusammen mit den Wirbelgelenken federn sie das Körpergewicht ab. Sie bestehen aus einem Gallertkern, der Flüssigkeit enthält und wie ein Wasserkissen als Stoßdämpfer zwischen den Wirbelkörpern sitzt. Um diesen Kern befindet sich ein fester Faserring. Bei einem Bandscheibenvorfall wölbt sich ein Teil des weichen Gallertkerns in den Wirbelkanal vor und drückt auf die Nerven, die in diesem Bereich des Wirbelkanals verlaufen.
Folglich werden Nervenwurzeln, die im Bereich der Lendenwirbelsäule aus dem Rückenmark heraustreten, eingeengt und gereizt. Es kommt zu andauernden, stechenden Schmerzen, die sich bei einer Bewegung verstärken. Sind Nervenfasern betroffen, die motorischen Funktionen steuern, kommt es zu Lähmungen.

Nicht zu früh operieren

Bandscheibenvorfälle müssen meist nicht operiert werden, die Schmerzen gehen in 70 bis 90 Prozent der Fälle mit konservativen Maßnahmen wie Medikamenten und Krankengymnastik zurück. In vielen Fällen schrumpft das herausgetretene Gewebe wieder und drückt nach ein paar Wochen nicht länger auf die Nerven – der Körper hilft sich also selbst. Zudem haben Studien zufolge immerhin 40 Prozent aller Patienten nach einem Eingriff an der Bandscheibe auch weiterhin Rückenschmerzen. Und einen erneuten Bandscheibenvorfall kann der Eingriff ohnehin nicht verhindern. Wer sich unsicher ist, ob OP oder nicht, sollte einen weiteren Spezialisten zu Rate ziehen und sich eine Zweitmeinung einholen.

Ausschlaggebend für die Entscheidung, OP ja oder nein, ist weder die Stärke der Schmerzen noch die Menge des ausgetretenen Gallertgewebes. Ein großer Bandscheibenvorfall erscheint also nicht "operationswürdiger" als ein kleiner. Eile ist jedoch geboten, wenn der Bandscheibenvorfall so stark auf Nerven drückt, dass Lähmungserscheinungen in einem oder beiden Beinen auftreten oder die Funktion von Harnblase oder Darm beeinträchtigt sind.

Bandscheiben-OP – wie wird’s gemacht?

Der Orthopäde oder Neurochirurg operiert einen Bandscheibenvorfall normalerweise mikrochirurgisch, d.h. er entfernt das Bandscheibengewebe über kleine Schnitte und mit Hilfe des Mikroskops. Der Eingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt. Mögliche Risiken sind Schädigungen von Nerven oder Blutgefäßen. Im Nachhinein können Narben und Verwachsungen entstehen, die hinterher erneut für Schmerzen sorgen. In schwerwiegenden Fällen muss ein offener – und daher größerer – Zugangsweg zum Operationsgebiet gewählt werden. Er ermöglicht einen großflächigen Einblick auf die Bandscheibe und die betreffende Nervenwurzel.

In der Regel bleiben die Patienten nach dem Eingriff eine Woche in der Klinik. Oft schließt sich ein Aufenthalt in einer Reha-Klinik an. Statt einem stationären Klinikaufenthalt kann auch eine ambulante Reha-Tagesklinik sinnvoll sein. Der Vorteil: Man lebt weiterhin in seiner gewohnten Umgebung und die Einrichtung wird nur für die Kurse besucht. Allerdings muss man für einen Behandlungstag vier bis sechs Stunden einplanen, da auch Ruhepausen zwischen den Therapien eine wichtige Rolle spielen. Die Kurse finden über mehrere Wochen – je nach Belastbarkeit – täglich bis dreimal wöchentlich statt.

Wie rasch der durch den Druck geschädigte Nerv sich nach einer Operation wieder erholt, ist schwer vorherzusagen. Bewegung und spezielles Training helfen die Rückenmuskulatur zu stärken und erneuten Rückenschmerzen vorzubeugen.

Alternativmedizin für den Rücken

Es gibt verschiedene Methoden, Rückenschmerzen auch ohne Operationen oder Medikamente zu lindern.

Die Manuelle Medizin kann helfen bei akuten schmerzhaften Funktionsstörungen der Gelenke und der Wirbelsäule, wie bei Blockierungen oder Verspannungen. Dabei gibt es verschiedene Techniken: Mit der Mobilisation und der Manipulation werden die Gelenke schonend auf eine spezielle Art und Weise bewegt. Damit soll die Beweglichkeit verbessert werden und die Gelenke auf Dauer entlastet. Die sogenannten Weichteiltechniken ähneln einer Massage: Durch Druck oder Reibung werden Muskeln und Sehnen bearbeitet. Auch hier erfolgt eine Lockerung und Entlastung der Strukturen. Die speziellen Grifftechniken erfordern viel Erfahrung, um ihr Ziel zu erreichen: neue Beweglichkeit der Gelenke und weniger Schmerzen.

Die Kassen übernehmen die Kosten für eine Manuelle Therapie bei bestimmten Diagnosen nach ärztlicher Verordnung. Wer sich einen Therapeuten sucht, sollte auf Mitglieder von Fachgesellschaften, Zertifizierungen und ärztliche Empfehlungen achten. Denn im Internet tummeln sich unzählige Anbieter, die Hilfe gegen Rückenbeschwerden versprechen. Da ist es nicht immer leicht, seriöse Methoden von Scharlatanerie zu unterscheiden.

Die Ayurveda-Physiotherapie verbindet schulmedizinische Kenntnisse mit einem alternativen Heilverfahren. Ayurveda heißt "Wissenschaft vom Leben". Ob ein Mensch im Gleichgewicht mit seiner gesundheitlichen Konstitution ist oder nicht, beschreibt die Ayurveda-Lehre mit den Elementen Feuer, Luft, Erde und Wasser. Ein wichtiger Bestandteil sind auch die sogenannten Doshas: Vata, Pitta und Kapha. Diese werden mit bestimmten Organen und physiologischen Prozessen in Verbindung gebracht. Bei der Betrachtung eines Patienten und seinen Beschwerden geht es immer um die Herstellung des Gleichgewichtes der drei Doshas, denn Krankheit wird als ein Ungleichgewicht der Lebensenergien betrachtet.

Mit Hilfe von Ernährungsumstellung, Körperarbeit und pflanzlichen Arzneien soll das gesunde Gleichgewicht wiederhergestellt werden. Die ayurvedische Behandlung wird ergänzt durch Dehnübungen und Massagen aus der klassischen Physiotherapie. Dadurch soll die Beweglichkeit der Muskulatur verbessert werden, damit sie geschmeidiger wird. Das Lymphgefäßsystem kann besser arbeiten, um den Heilungsprozess in Gang zu setzen.

Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten für Ayurvedische Therapien, andere hingegen nicht. Eine Nachfrage bei der Kasse lohnt sich.

Die Akupunktur ist ein Teil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Dabei sticht der Akupunkteur mit Nadeln in bestimmte Punkte am Körper des Patienten. Nach der chinesischen Lehrmeinung fließt die Lebensenergie, das Chi, in bestimmten Bahnen durch den Körper, den sogenannten Meridianen. Bei Erkrankungen ist dieser Energiefluss gestört. Die Nadelstiche an speziellen Punkten entlang der Meridiane sollen den Energiefluss wieder ins Gleichgewicht überführen.

Schmerzen entstehen im erkrankten Körperteil, wahrgenommen werden sie jedoch erst nach Verarbeitung der Schmerzimpulse im Gehirn: Der Schmerz wird auf Nervenbahnen an das Rückenmark und weiter zum Gehirn geschickt - und dann erst gefühlt. An den Akupunkturpunkten befinden sich besonders viele Endpunkte von Nervenbahnen. Durch den Reiz der Akupunkturnadel wird, so die Idee, die Weiterleitung des Schmerzreizes an das Gehirn unterbrochen. Zudem setzen die feinen Stiche so genannte Endorphine frei, auch bekannt als körpereigene Schmerzmittel.

Die Kosten für eine Akupunktur werden seit 2007 von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, jedoch nur bei chronischen Rückenschmerzen und chronischen Schmerzen bei Kniegelenksarthrose. Allerdings übernehmen einige Kassen die Kosten erst, wenn die Beschwerden seit drei Monaten bestehen.

Den Rücken im Alltag schonen

Um den Rücken zu entlasten, gibt es einige Tipps.

Beim Aufstehen:
• Stehen Sie rückenschonend aus dem Bett auf: Rollen Sie mit dem ganzen Körper zur Seite. Dann drücken Sie sich mit dem Ellenbogen ab und schwingen die Beine aus dem Bett.
• Setzen Sie sich beim Strumpfanziehen hin. Wenn kein Stuhl parat ist, lehnen Sie sich mit dem Rücken an eine Wand. So stabilisiert und entlasten Sie die Wirbelsäule.

Bei der Arbeit:
• Wechseln Sie regelmäßig Ihre Sitzposition am Schreibtisch! Am besten, ohne die Beine zu überschlagen!
• Versuchen Sie ein Ballkissen, das bringt Bewegung ins Sitzen. Probieren Sie es zunächst für eine halbe Stunde, danach folgt eine Stunde Pause. Auch sollten Sie nicht dauerhaft auf so einem Kissen sitzen.

Im Haushalt
• Gehen Sie beim Ausräumen der Spülmaschine in die Knie und stützen sich mit der Hand auf dem Schenkel ab.
• Heben Sie schwere Einkaufstaschen nicht gebückt hoch, sondern knien Sie sich beim Aufheben hin und tragen sie dann nah am Körper
• Beugen Sie die Knie auch wieder beim Absetzen des Gewichts!
• Achten Sie auf die Höhe des Bügelbretts! Es sollte nicht zu niedrig sein!
• Beugen Sie sich beim Bügeln nicht nach vorn und lehnen Sie sich gegebenenfalls an der Wand oder einem Schrank an!
• Wechseln Sie auf dem Sofa oder im Sessel regelmäßig Ihre Position!

Im Garten
• Wärmen Sie ihre Muskulatur vor der Gartenarbeit auf!
• Verwenden Sie ergonomische Gartengeräte mit variablen Einstellmöglichkeiten für unterschiedliche Benutzer!
• Hocken Sie sich lieber hin, anstatt sich zu bücken!
• Arbeiten Sie abwechslungsreich, statt stundenlang in der gleichen Position!
• Tragen Sie schwere Dinge wie Blumenerde oder volle Gießkannen nah am Körper, etwa indem Sie den Sack "umarmen"!
• Kaufen Sie Erde und Dünger in kleineren Gebinden!
• Benutzen Sie für schwere Blumenkübel ein Rollbrett!

Infotext: Dr. Katrin Krieft

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