Warnschild Zecken (Quelle: imago images / blickwinkel)
imago images / blickwinkel
Bild: imago images / blickwinkel

- Gefahr durch Zecken - FSME

Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis - kurz FSME - übertragen Zecken die FSME-Viren. Von den Menschen, die von einer mit diesen Viren infizierten Zecke gestochen werden, erkrankt etwa jeder Dritte. Typische Symptome im Anfangsstadium sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Im zweiten Stadium kann es zu einer Hirnhaut- oder sogar zu einer Gehirn- und Rückenmarkentzündung kommen. Doch wie können sich Urlauber in Risikogebieten davor schützen?

Jedes Jahr im Frühling greift sie wieder um sich: die weit verbreitete Furcht vor einem Zeckenstich. Zecken können verschiedene Erreger in sich tragen, die zu schweren Krankheiten führen. Hierzulande sind das vor allem

• die Borreliose und
• die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Zeckenstich oft unbemerkt

Anders als viele Menschen glauben, springen oder hüpfen Zecken nicht und lassen sich auch nicht von Bäumen fallen. Vielmehr warten sie geduldig auf ihre Opfer und hängen sich an sie. Die maximale Höhe, auf die Zecken krabbeln können, ist ein Meter bis ein Meter fünfzig. Haben sie es auf die menschliche Haut geschafft, durchstechen sie diese und saugen sich an einem möglichst feuchten, warmen Platz am Körper des Opfers stundenlang fest. Vollgesogen mit Blut können sich erwachsene Zecken auf das Zehnfache ihrer Körpergröße aufblähen.

Weit verbreitet

Im Land Brandenburg gibt es Zecken fast überall flächendeckend. Der Lebensraum der Parasiten hat sich in den vergangenen Jahren ausgeweitet. Früher ging man davon aus, dass die Spinnentiere sich vor allem im feuchten Wald, Unterholz und im hohen Gras tummeln. Mittlerweile ist klar: Die Sauger warten auch in den Gärten, Parks und Kleingartenkolonien in den Städten auf die nächste Blutmahlzeit. Experten machen vor allem Vögel, Haus-, Wild- und Nagetiere für die zunehmende Verbreitung der Zecken verantwortlich.

Wissenschaftler kennen weltweit rund tausend verschiedene Zeckenarten. In Deutschland sind etwa zwanzig Zeckenarten verbreitet. Zecken durchlaufen drei Entwicklungsstufen: Sie werden als winzige Larven geboren, häuten sich dann zur Nymphe und weiter zur erwachsenen Zecke. Die millimetergroßen Larven und Nymphen sind auf der Haut kaum zu entdecken. Aber auch in diesem Stadium können Zecken bereits Krankheitserreger übertragen. Weil sie so klein sind, bemerken Betroffene es oft nicht, dass die Zecke zugestochen hat.

Borrelien-Infektion

Die Borreliose ist mit geschätzten 60.000 bis 100.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste durch Zecken übertragene Infektionserkrankung in Deutschland. Auslöser sind drei Spezies Borrelia (B.) garinii, B. afzelii und B. burgdorferi. Borrelienbefallene Zecken trifft man in ganz Deutschland an. Die Ansteckung mit den Bakterien erfolgt nicht sofort, da sich die Borrelien im Darm der Zecke befinden. Die Zecke saugt zunächst, bevor sie den Erreger überträgt. Das Infektionsrisiko nimmt mit der Saugzeit zu. Dagegen ist das Übertragungsrisiko nur sehr gering, wenn man die Zecke frühzeitig entfernt. Nach Untersuchungen aus Deutschland und der Schweiz wurde nach einem Zeckenstich nur bei 2,6 bis 5,6 Prozent der Betroffenen eine Borrelieninfektion nachgewiesen. Nur ein kleiner Teil der Infizierten erkrankt dann tatsächlich. Insgesamt ist bei 0,3 bis 1,4 Prozent der Zeckenstiche mit Beschwerden zu rechnen.

Diffuse Symptome

Nach der Ansteckung gelangen Borrelien aus dem Magen mit dem Speichel der Zecke in den Blutkreislauf des Menschen und verursachen unterschiedliche Symptome. Zwischen Stich und ersten Anzeichen der Infektionen können Wochen oder Monate vergehen. Typischerweise klagen die Infizierten über unspezifische, grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Fieber, die auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Deshalb kann es dauern, bis Ärzte auf eine Borrelieninfektion kommen.

Wanderröte und andere Beschwerden

Die mit Abstand häufigste Erkrankungsform ist die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Sie tritt einige Tage bis Wochen nach einem Zeckenstich auf. Diese deutliche ringförmige Hautrötung ist oft im Zentrum blasser als am Rand. Der rote Ring wandert dann allmählich nach außen. Häufig leiden Betroffene aber auch an diffusen Beschwerden wie Magenkrämpfen, Muskelkater, Schwellungen und Schmerzen in den Gelenken oder unspezifischen Beschwerden in anderen Körperteilen.

Bei einer akuten Neuroborreliose treten brennende Nervenschmerzen auf, die nachts zunehmen. Auch leichte Lähmungen der Hirnnerven sind möglich. Je nachdem, welche Hirnnerven betroffen sind, treten Symptome wie Taubheitsgefühle, Seh- oder Hörstörungen auf. Seltener kommt es zu Lähmungen des Rumpfes und von Armen und Beinen. Sehr selten kann es zu einer Entzündung des Herzens kommen, die sich in Rhythmusstörungen äußern kann.

Einige Monate oder Jahre nach dem Zeckenstich kann auch eine Lyme-Arthritis auftreten. Diese Gelenkentzündung betrifft überwiegend die Kniegelenke. Bei einigen Personen kann sich eine Acrodermatica chronica athropicans entwickeln, eine chronische Entzündung meist an den Innenseiten der Arme und Beine und der Körperenden wie Nase, Finger und Zehen. Die Haut ist an diesen Stellen bläulich und zigarettenpapierartig.

Diagnosestellung

Die Diagnose der Borrelieninfektion wird normalerweise durch einen Bluttest gesichert, welcher Antikörper gegen die Borrelien nachweist. Direkt lassen sich die Erreger im Urin, der Gelenkflüssigkeit und der Haut nachweisen. Alle Tests sind in der Frühphase nur bedingt aussagekräftig, denn es dauert mindestens zwei Wochen, bis das Immunsystem überhaupt Antikörper bildet. Bei etwa der Hälfte der Patienten mit Wanderröte sind gar keine Antikörper nachweisbar. Andersherum haben häufig auch gesunde Menschen Antikörper gegen Borrelien im Blut - je nach Region, Freizeitaktivität oder Beruf. Hierzulande tragen 5,8 Prozent der Frauen und 13,0 Prozent der Männer Antikörper. Experten raten von teuren Selbstzahlertests ab.

Therapie und Prävention

Borrelien lassen sich wirksam über zwei Wochen mit Antibiotika behandeln, insbesondere im Frühstadium. Danach gilt die Borreliose normalerweise als ausgeheilt. Die Therapie erfolgt mit Doxycyclin, Amoxycillin oder Cephalosporinen der dritten Generation. Auch in späteren Stadien ist die Therapie meist erfolgreich. Bei der Neuroborreliose müssen die Ärzte die Antibiotika zwingend intravenös verabreichen. Bisher gibt es keine wirksame Schutzimpfung gegen eine Borreliose.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die FSME verläuft in zwei Phasen: Zunächst haben die Betroffenen unspezifische, allgemeine Krankheitszeichen wie Kopfschmerzen und Fieber meist nach sieben bis 14 Tagen. Nach einem kurzen Intervall folgen die spezifischen neurologischen Manifestationen der FSME mit einer Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute. Viele Infektionen verlaufen jedoch ohne Beschwerden oder die zweite Krankheitsphase bleibt ganz aus.

Im Jahr 2017 wurden insgesamt 485 FSME-Erkrankungen an das Robert Koch-Institut übermittelt - das entspricht einer Zunahme von 40 Prozent gegenüber 2016, wo es nur 348 FSME-Erkrankungen gab. Das Erkrankungsrisiko steigt ab dem Alter von 40 Jahren deutlich an, Männer sind gefährdeter als Frauen. In Deutschland besteht weiterhin ein Risiko für eine FSME-Infektion vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen und im südöstlichen Thüringen. Einzelne Risikogebiete befinden sich zudem in Mittelhessen, im Saarland und in Rheinland-Pfalz.

FSME-Impfung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung allen Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben oder sich dort im Urlaub aufhalten. Sie haben bei den gesetzlichen Krankenkassen einen Anspruch auf eine FSME-Impfung. Dabei werden abgetötete FSME-Viren in den Körper injiziert. Das Immunsystem produziert daraufhin Antikörper, die in der Lage sind den Virus zu erkennen und zu zerstören.

Die FSME Impfung bekommt man beim Haus- oder Kinderarzt. Am besten lässt man sich bereits im Spätherbst impfen, da zu dieser Zeit die Zeckengefahr am geringsten ist und man im darauf folgenden Frühjahr bereits einen guten Schutz besitzt. Grundsätzlich lässt sich aber eine Grundimmunisierung gegen FSME zu jedem beliebigen Zeitpunkt beginnen.

Für einen mehrjährigen Impfschutz vor FSME sind drei Impfungen notwendig. Die ersten beiden erfolgen im Abstand von 1 bis 3 Monaten. Die Dritte, je nach Impfstoff, nach fünf oder neun bis zwölf Monaten. Eine erste Auffrischung erfolgt nach 3 Jahren.

Es gibt inzwischen auch einen Schnell-Impfschutz gegen FSME für Kinder und für Erwachsene. Dieser spezielle Impfstoff wird im Abstand von 14 Tagen gespritzt. Eine aktuelle Studie zeigt, dass nach weniger als vier Wochen - vom Beginn der Grundimmunisierung an - mehr als 98 Prozent der Geimpften Antikörper gegen das Virus gebildet hatten. Fünf bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung sollte dann die dritte Impfung erfolgen.

Vorbeugen - aber wie?

Lange Hosen, Socken und geschlossene Schuhe erschweren es den Zecken zuzustechen. Nach einem Tag im Wald oder Garten sucht man am besten den ganzen Körper einschließlich Kopfhaut und Genitale nach Zecken ab. Duschen ist eine weitere gute Vorsichtsmaßnahme. Denn die Zecken krabbeln mitunter noch stundenlang auf dem Opfer umher, bevor sie wirklich zustechen, so dass man sie noch abspülen kann. Getragene Kleidung wird bei mindestens 60 Grad gewaschen. Bei Temperaturen darunter überleben die Zecken in der Waschmaschine.

Wanderer, Camper und Mountainbiker, die sich ständig durch die freie Natur bewegen, tragen am besten zusätzlich zur geschlossenen Kleidung sogenannte Repellents auf die Haut auf. Darin enthaltenen Substanzen halten Zecken und andere blutsaugende Insekten ab. Die Wirkung hält einige Stunden an. Einige Insektensprays sollen eine spezielle "Anti-Zecken-Wirkung" beinhalten. Aber nicht alle Mittel halten, was die Hersteller versprechen, so Stiftung Warentest. Präparate mit ätherischen Ölen wie Lavendel oder Citronella gelten als eher unwirksam.

Wie entfernt man die Zecke richtig?

Der Zeckenstich ist schmerzlos, denn der Speichel hat eine betäubende Wirkung. Deshalb wird die Zecke oft erst bemerkt, wenn sie sich festgesaugt hat. Dann sollte sie möglichst rasch entfernt werden. Denn es dauert mindestens zehn Stunden, bis die Erreger aus der Zecke in den menschlichen Körper gelangen.

Die Zecke sollte mit einer Pinzette, Zange oder einer Zeckenkarte möglichst nah an der Haut gefasst und durch geraden Zug (nicht drehen) entfernt werden. Zeckenkarten sind unterwegs besonders hilfreich. Sie sind in der Apotheke erhältlich. Wichtig ist, dass die Zecke ihren Darm nicht in die Blutbahn entleeren kann. Deswegen sollten die Hilfsmittel tief angesetzt und die Zecke nicht gequetscht werden. Es macht nichts, wenn die Stechwerkzeuge in der Haut verbleiben. Sie fallen nach ein paar Tagen von selbst heraus.

Filmbeitrag: Anja Herr
Infotext: Constanze Löffler

weitere Themen der Sendung

Illustration eine Phage (Quelle: imago/Science Photo Library)
imago/Science Photo Library

Mit Viren gegen Wunden - Phagentherapie

Oft sind multiresistente Keime im Spiel, wenn eine offene Wunde über Monate nicht abheilt: Bakterien, gegen die kein Antibiotikum mehr hilft. Eine vernachlässigte Therapieform kann den Patienten in dieser ausweglosen Situation helfen: sogenannte Bakteriophagen, Viren also, die gezielt Bakterien zerstören. Ein Patient aus Brandenburg ist bis nach Georgien gereist, um sich dort mit Phagen behandeln zu lassen. Die rbb Praxis hat sich erkundigt, wie erfolgreich die Therapie war und wie deutsche Ärzte die Phagentherapie nutzen.

Eine Frau fasst sich an den Kopf (Quelle: Colourbox)
Colourbox

Wunderspritze gegen Migräne

Es ist ein ganz neuer Ansatz in der Migräne-Therapie: Antikörper, welche die Schmerzübertragung direkt am Gehirn hemmen. Für wen die neuen Antikörper geeignet sind und welche anderen innovativen Therapien gegen Migräne helfen können, erfahren Sie in der rbb Praxis.

Die Hand einer Mutter berührt das Neugeborene auf dem Rücken (Quelle: imago/PhotoAlto)
imago/PhotoAlto

Kaiserschnitt verhindern

Die Kaiserschnittrate steigt. Und das, obwohl eine natürliche Geburt besser für Kind und Mutter ist als ein operativer Eingriff - es sei denn, er ist aus medizinischer Sicht ein Muss. Sogar bei Beckenendlage gibt es mittlerweile Möglichkeiten, einen Kaiserschnitt zu umgehen. Dr. Larry Hinkson hat dafür eine sanfte Form der äußeren Wendung entwickelt.

Junger Mann klettern in der Halle (Quelle: imago/Becker&Bredel)
imago/Becker&Bredel

Ist Klettern gesund?

Für den Trendsport Klettern kann man nicht nur an Naturfelsen sondern auch in der Halle oder draußen an Kunstfelsen trainieren. Wie kann man durch Klettern seine Gesundheit erhalten? Und was kann diese Sportart noch? Das haben wir im rbb Praxis Studio live für Sie getestet.