Frau mit Nasenspray (Bild: imago/fStop Images)
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- Nasensprays: Achtung, Suchtgefahr!

Der Winter ist vorbei - dennoch haben viele mit einer verstopften Nase zu kämpfen und Nasensprays sind oft die erste Wahl bei einer verschnupften und verstopften Nase. Dass sie auch abhängig machen können, haben einige schon irgendwie gehört. Aber die wenigsten wissen: woher kommt die Abhängigkeit? Und wie verhindert man "Rebound-Effekte"?

Ganz gleich, ob sie die Nase nachts belüften sollen oder auf dem Weg zur Arbeit immer in der Handtasche mit dabei sind: Abschwellende Nasensprays machen die Atemwege frei und können ein Segen sein. Sie wirken schnell und sind unkompliziert anwendbar. Kein Wunder, dass viele Schnupfen- und Allergiegeplagte auf abschwellende Nasensprays schwören.

Doch die kleinen Helfer dürfen nur kurzzeitig, also maximal sieben Tage hintereinander genommen werden. Ansonsten besteht das Risiko einer physischen Abhängigkeit. Das gilt für Wirkstoffe wie Oxymetazolin, Phenylephrin Tetryzolin, Tramazolin und Xylometazolin. Das sind also Nasentropfen oder –sprays, die Substanzen aus der Gruppe der direkt wirkenden Sympathomimetika enthalten. Sie leiten sich vom Noradrenalin ab und führen zu einer Gefäßverengung der Blutgefäße in der Nasenschleimhaut. Die Verengung führt letztlich zu einem Abschwellen der Schleimhaut. Gewünschte Folge: Die Atmung durch die Nase fällt wieder leichter und die Sekretbildung in der Nase geht zurück.

Nasenschleimhaut wird abhängig

Werden diese Mittel jedoch länger als fünf bis sieben Tage hintereinander angewendet, wird die Nasenschleimhaut "abhängig" - es entsteht ein medikamentenbedingter "Schnupfen", quasi ein durch Entzug ausgelöster.
Gleichzeitig lässt die eigentliche Wirkung nach und die abschwellenden Nasentropfen oder -sprays müssen weiter genommen werden. Durch lokale Faktoren erweitern sich dann die Gefäße, was eine verstärkte Blutfülle in der Schleimhaut bewirkt und die Nase erneut anschwellen lässt. Experten sprechen dann vom sogenannten Rebound-Effekt.

Durch die Weitstellung der Gefäße versucht der Körper, die normale Schleimhautdurchblutung wiederherzustellen. Bei längerer Anwendung bilden sich sogar zusätzliche Blutgefäße aus. Die Schleimhäute gewöhnen sich also an die regelmäßige Spray-Dosis. Es entsteht ein Teufelskreis von Wirkverlust durch Gegenregulation und Dosissteigerung.

Langfristige Gefahr: Verkümmerte Schleimhäute

Langfristig kommt es zu einer "Nasentropfen-Nase". Dabei bleiben die Blutgefäße in der Schleimhaut dauerhaft eng gestellt, die Schleimhaut beginnt zu schrumpfen und sondert kaum noch Sekret ab, sie trocknet aus. Die Folge: Die Nase wird anfällig für Viren und Bakterien, sie kann sich erneut entzünden. Aufgrund der Minderdurchblutung der Nasenschleimhäute kann das Gewebe in der Nase sogar absterben, eine sogenannte Nekrose entstehen. In einem fortgeschrittenen Stadium kann es durch diese Atrophie der Nasenschleimhaut zu einer so genannten Stinknase (Ozäna) kommen. Auch eine systemische Wirkung durch Übergang in die Blutbahn sind mögliche Folgen.

Teufelskreis erkennen und handeln

Jeder Patient, der abschwellende Nasensprays nutzt, sollte über diesen Teufelskreis Bescheid wissen. Wenn der Atemwegsinfekt länger anhält, muss ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufgesucht werden, das heißt spätestens nach sechs bis acht Wochen. Denn dann besteht die Gefahr, dass es sich um eine chronische Entzündung handeln könnte. Der Hals-Nasen-Ohrenarzt klärt ab, ob der Patient möglicherweise Nasenpolypen oder eine abnorme Verdickung der Schleimhaut hat und eine operative Beseitigung einer Nasenscheidewand oder eine knöcherne Erweiterung der Nasennebenhöhlen sinnvoll sein können.

Schrittweise entwöhnen

Wer bereits zu lange abschwellende Nasenmittel nimmt, sollte schrittweise auf schwächere Präparate umsteigen, also vom Erwachsenenpräparat zu Kinder- und Jugendlichenpräparat bis hin zu Kleinkind- und Säuglingspräparaten. Auch können die abschwellenden Mittel nur in ein Nasenloch gesprüht oder verdünnt werden. Flankierende Maßnahmen können die Inhalationen, bepantholhaltige Nasensalben, eine Nasendusche sowie kortisonhaltige oder kochsalzhaltige Nasensprays sein.

Filmbeitrag: Nadine Bader / Tom Garus

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