3D Grafik Gehirn (Bild: Colourbox)
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- Plötzliche Gefahr: Schlaganfall

Gerade noch vollkommen gesund, im nächsten Moment Überlebenskampf auf der Intensivstation: Ein Schlaganfall kommt fast immer unerwartet und kann im schlimmsten Fall tödlich sein. Nicht nur Ältere sind betroffen. Fünf bis zehn Prozent der Schlaganfallpatienten sind jünger als 50 Jahre. Doch wie erkennt man die Anzeichen eines Schlaganfalls und was ist dann zu tun?

Am 10. Mai ist bundesweiter "Tag gegen den Schlaganfall" und er macht auf eine echte Gefahr aufmerksam: Beim Schlaganfall werden Teile des Gehirns nicht länger durchblutet. Innerhalb weniger Minuten sterben die von der Versorgung abgeschnittenen Gehirnzellen ab. Experten nennen den Schlaganfall die Epidemie des 21. Jahrhunderts: Mit jährlich 200.000 bis 250.000 Betroffenen allein hierzulande zählt der Hirnschlag zu den häufigsten Erkrankungen in den Industrienationen. Weltweit stellt er die zweithäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter dar. Fünf Millionen Menschen sind dauerhaft beeinträchtigt.

Bekannt ist der Schlaganfall als Erkrankung des Alters. Doch es gibt auch junge Betroffene: Jeder siebte Schlaganfallpatient ist jünger als 55 Jahre. Experten gehen hierzulande also von etwa 30.000 Betroffenen unter 55 Jahren pro Jahr aus. Etwa jeder vierte Schlaganfallpatient in Deutschland ist im erwerbsfähigen Alter. Auch Kinder können einen Hirnschlag bekommen: Pro Jahr treten hier bei 200 bis 300 Kindern Schlaganfälle auf.

Ursachen für Schlaganfall

Die klassischen juvenilen Schlaganfälle, also die Schlaganfälle von Menschen unter 40 Jahren, haben meist keine erkennbaren Risiken. Ab Mitte 40 bis Mitte 50 gibt es dann immer mehr Patienten, die Risikofaktoren mitbringen. Dazu gehören Bluthochdruck, zu hohe Blutfett- und Blutzuckerwerte, übermäßiger Alkohol- und Tabakkonsum, Bewegungsmangel, Übergewicht, unausgewogene Ernährung und Stress: Und damit alles Faktoren, die sich durch geändertes Verhalten und/oder medikamentöse Behandlung beeinflussen lassen. 70 Prozent der Schlaganfälle, die sich hierzulande ereignen, wären nach Schätzungen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe zu verhindern, wenn eine entsprechende Vorsorge getroffen würde.

Infos im Netz und hilfreiche Adressen

Schlaganfälle junger Menschen haben andere Ursachen

Meist kommt es bei jungen Menschen durch Gerinnungsstörungen oder spontane Einrisse in den Gefäßinnenwänden - zum Beispiel an der Halsarterie - zum Schlaganfall:

• Die sogenannten spontanen Gefäßdissektionen entstehen durch kleine Verletzungen
• Die Gefäßinnenwand reißt ein
• Es bildet sich ein Hämatom, eine Engstelle oder sogar ein Gefäßverschluss

Experten vermuten, dass 15 - 25 Prozent der juvenilen Schlaganfälle durch solche Dissektionen entstehen, bei Betroffenen über 40 Jahre sind sie seltener. Auch angeborene Fettstoffwechselstörungen können das Risiko für Schlaganfall im jungen Alter erhöhen.

Vorboten eines Schlaganfalls

Etwa ein Viertel der Schlaganfall-Patienten berichtet, dass sie in den Tagen, Wochen
und Monaten vor dem Schlaganfall Lähmungserscheinungen oder Sensibilitätsstörungen erlebt haben. Diese bilden sich jedoch in der Regel innerhalb von Minuten oder wenigen Stunden wieder zurück. Experten bezeichnen solche flüchtigen Durchblutungsstörungen als transitorische ischämische Attacke (TIA). Die Symptome dauern maximal 24 Stunden an - und werden von vielen Betroffenen unterschätzt. Fatal, denn eigentlich sollten sie sich unverzüglich von einem Spezialisten untersuchen lassen: Die Symptome können Vorboten eines drohenden Schlaganfalls sein.

Zurück in den Alltag

Nach einem Vorfall gehen vor allem jüngere Betroffene dann meist schneller wieder zurück in ihr altes Leben, an den Arbeitsplatz, in den familiären Alltag - und merken erst dort, dass sie den Anforderungen ihres bisherigen Lebens nicht mehr gewachsen sind. Zu den häufigsten, nicht sichtbaren Funktionsstörungen nach Schlaganfall zählen:

• Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefizite,
• oft einhergehend mit Gedächtnislücken und Planungsstörungen.
• Nicht selten sind Patienten schon mit der Organisation ihres Einkaufs überfordert. Ebenfalls häufig kommt es zu Sprach- oder Sehstörungen, Aphasie genannt.
• Hinzu kommen oft emotionale Veränderungen, die vor allem die Beziehung zu Partnern und Angehörigen belasten.  

Therapie abhängig von Ursache

Nur eine rasche Therapie kann den Untergang der Gehirnzellen und die mit dem Schlaganfall häufig einhergehenden Todesfälle verhindern. Bei dem sogenannten ischämischen Schlaganfall, bei dem ein Blutgerinnsel ein Hirngefäß verstopft, bekommen die Patienten Medikamente, die das Blutgerinnsel auflösen, das den Hirnschlag verursacht hat. Für diese Therapie beträgt das Zeitfenster vier Stunden. Falls diese sogenannte Lyse nicht ausreicht oder funktioniert, legen die Ärzte den Patienten eine medikamentenbeschichtete Gefäßstütze (Stent) ein, die das verengte Blutgefäß offen hält. Bei einem hämorrhagischen Infarkt, ausgelöst zum Beispiel durch einen Riss in der Gefäßinnenwand, reparieren die Hirnchirurgen die beschädigte Arterie oder senken den Druck des ausgetretenen Blutes auf das Gehirn operativ. Zusätzlich gibt es Medikamente, die helfen, die Hirndurchblutung zu normalisieren.

FAST-Test für die schnelle Prüfung

Je nachdem, wo sich das verstopfte Gefäß befindet und welche Hirnregionen es versorgt, zeigen sich unterschiedliche Symptome, die jeden stutzig machen sollten. Lähmungen gehören ebenso dazu wie Seh- und Empfindungsstörungen.

Der FAST-Test (Face, Arm, Speech, Time – Gesicht, Arme, Sprache, Zeit) ist ein kurzer Check, den amerikanische Ärzte entwickelt haben, damit Laien einen Schlaganfall erkennen. Dabei wird der Patient zu verschiedenen Handlungen aufgefordert:
Face: Bitten Sie den Patienten zu lächeln. Infolge gelähmter Gesichtsmuskeln verzieht sich sein Gesicht schief.
Arm: Bitten Sie den Patienten, seine Arme mit den Handflächen nach oben zu heben. Bei einem Schlaganfall wird er einen Arm nicht heben können oder der Arm senkt sich wieder.
Speech: Bitten Sie den Patienten einen einfachen Satz zu sprechen. Seine Sprache sollte klar und deutlich sein und nicht verwaschen klingen.
Time: Ist mindestens ein Ergebnis auffällig, rufen Sie so schnell wie möglich einen Arzt.

Filmbeitrag: Sybille Seitz
Infotext: Beate Wagner

 

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