Ältere Hände halten alte Hände (Bild: imago/JOKER)
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- Entlastung für pflegende Angehörige

Die Versorgung älterer Menschen ist oft nicht einfach: In Heimen und ambulanten Diensten ist Personalmangel oft ein Problem. Doch was gäbe es erst für Komplikationen, wenn der Pflegedienst Nummer 1, die Familie, ausfiele. Allein in Berlin und Brandenburg kümmern sich derzeit 270.000 Angehörige um nahestehende Menschen. Wie können sie mit der Mehrfachbelastung besser umgehen? Die rbb Praxis zeigt Hilfsangebote.

Tagespflege

Wenn pflegende Angehörige zum Beispiel noch arbeiten, ihren Angehörigen aber dennoch zuhause pflegen, kann das Konzept der Tagespflege hilfreich sein. Es richtet sich an ältere Menschen, die noch keine durchgehende Pflege brauchen, bei denen aber eine kontinuierliche Anwesenheit notwendig ist. Voraussetzung ist, dass sie transportfähig und nicht bettlägerig sind. Es gibt spezielle Tagespflege-Einrichtungen, darüber hinaus bieten aber auch manche Pflegeheime Tagespflege an. Die Leistungen der Tagespflege können sehr unterschiedlich sein, sie reichen von der Möglichkeit, an einem Mittagstisch teilzunehmen über die tageweise Betreuung, auch am Wochenende.

Mögliche Leistungen der Tagespflege sind

  • stunden- oder tageweise Betreuung in Gruppen von jeweils 10 bis 12 Tagesgästen.
  • oft mehrere Mahlzeiten, abhängig von den Öffnungszeiten: Frühstück, Mittagessen, Nachmittagskaffee, manchmal auch ein Abendessen.
  • Pflege und Betreuung: Leistungen der Grundpflege wie Hilfe beim Essen, beim Toilettengang und oft auch spezielle Betreuung von gerontopsychiatrischen Patienten (z. B. Demenz).
  • Freizeit- und Beschäftigungsprogramm: Gymnastik, Gedächtnistraining, gemeinsames Zeitunglesen, Kochen, Spiele & Beschäftigung, Singen, Spaziergänge, Ausflüge usw.
  • Fahrdienste (nicht immer, deshalb bitte nachfragen): In einem Rollstuhl-geeigneten Fahrzeug holt ein Mitarbeiter der Tagespflegeeinrichtung die pflegebedürftigen Gäste morgens ab und bringt sie abends wieder nach Hause.

Angehörige und Pflegebedürftige sollten sich genau überlegen, was gebraucht wird und die Tagespflegeeinrichtung danach aussuchen. Information und Beratung leisten die Pflegestützpunkte in Berlin und Brandenburg. Manche Einrichtungen bieten neben der Tages- auch eine Nachtpflege außerhalb der Häuslichkeit an. Das kann vor allem für pflegende Angehörige hilfreich sein, deren Angehöriger an Demenz erkrankt ist und nachts sehr unruhig ist. Die Tagespflege ist eine zusätzliche monatliche Leistung zum Pflegegeld. Ab Pflegegrad 2 kann damit ein bestimmter Teil der Kosten für eine stationäre Tages- oder Nachtpflege bezahlt werden. Bezuschusst werden allerdings nur die Kosten für Betreuung und medizinische Pflege sowie Fahrtkosten. Kosten für Essen und Unterkunft sowie Investitionskosten der Tagespflege-Einrichtungen müssen selbst getragen werden. Auch wenn die monatlichen Kosten die für den jeweiligen Pflegegrad festgelegten Beträge übersteigen, fallen eigene Zahlungen oder eine Verrechnung mit dem Pflegegeld an. Menschen mit Pflegegrad 2 bekommen einen monatlichen Zuschuss für Tagespflege von 689.- Euro (Pflegegrad 3: 1298.- Euro, Pflegegrad 4: 1612.- Euro, Pflegegrad 5: 1995.- Euro).

Verhinderungspflege – Unterstützung einkaufen

Niemand kann rund um die Uhr allein die Versorgung einer pflegebedürftigen Person leisten. Die so genannte Verhinderungspflege ist dafür gedacht, dass Angehörige, die zuhause pflegen, sich personelle Unterstützung "einkaufen" können, wenn sie verhindert sind. Die Verhinderungspflege greift dann, wenn Angehörige kurzzeitig krank werden, wenn sie eigene Arzttermine wahrnehmen wollen oder wenn sie regelmäßig zum Sport oder der Chorprobe gehen wollen. Auch Urlaubszeiten können mit der Verhinderungspflege abgedeckt werden. Die Verhinderungspflege wird von den Pflegekassen jährlich mit 1612 Euro für maximal sechs Wochen finanziert. Antragsteller ist der pflegende Angehörige, der allerdings erst sechs Monate gepflegt haben muss, bevor er Anspruch auf diese Leistung hat. Außerdem muss der zu pflegende Angehörige mindestens einen Pflegegrad 2 haben. Das Geld aus der Verhinderungspflege kann an Pflegedienste, aber auch an Nachbarn und Verwandte gezahlt werden, die dann stunden- oder tageweise die Pflege übernehmen. Entweder rechnen die Pflegekassen direkt mit den Personen ab (das ist bei Pflegediensten in der Regel der Fall) oder das Geld wird zunächst von den Angehörigen ausgelegt und dann von den Pflegekassen erstattet. Während der Verhinderungspflege wird bis zu sechs Wochen je Kalenderjahr die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes weitergezahlt. Außerdem werden die Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge von der Pflegekasse weitergezahlt.

Infos im Netz

Kurzzeitpflege

Die Kurzzeitpflege dient der Entlastung pflegender Angehöriger über einen längeren Zeitraum hinweg. Also zum Beispiel, wenn pflegende Angehörige länger krank sind oder eine Reha-Maßnahme brauchen. Die Kurzzeitpflege findet in Berlin immer in einer eigens dafür zugelassenen stationären Einrichtung statt. In Brandenburg gibt es vertraglich eingestreute Kurzzeitpflegeplätze auch in den Pflegeheimen. Informationen, welche Einrichtungen Kurzzeitpflege anbieten, bekommt man bei der Pflegekasse oder auf bestimmten Portalen im Internet (siehe Infokasten). Antragsteller ist im Fall der Kurzzeitpflege immer der Pflegebedürftige, auch wenn der pflegende Angehörige das Angebot nutzen will. Einen Anspruch auf Kurzzeitpflege hat der pflegende Angehörige, anders als bei der Verhinderungspflege, sofort. Der Nachweis, dass man als Angehöriger tatsächlich pflegt, erfolgt in der Regel über das Pflegegutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK), welcher die Einstufung in einen Pflegegrad vornimmt. In diesem Gutachten kann man sich als Pflegeperson aufnehmen lassen.

Die Pflegekassen bezuschussen die im Rahmen einer Kurzzeitpflege anfallenden Pflegekosten mit einem Pauschalbetrag von 1612.- Euro jährlich. Dieser Betrag wird ab dem Pflegegrad 2 gezahlt und gilt für alle Pflegegrade gleich. Allerdings berechnen die Kurzzeitpflegeheime für jeden Pflegegrad unterschiedlich, so dass ein höherer Pflegegrad die Pauschalsumme schneller verbraucht. Die Kosten für Unterkunft, Verpflegung sowie die Investitionskosten des Heims müssen aus eigener Tasche bezahlt werden. Hat der Pflegebedürftige diese finanziellen Mittel nicht, kann das Sozialamt einspringen oder Angehörige müssen diese Kosten übernehmen.

Es besteht allerdings die Möglichkeit, die finanziellen Mittel für die Kurzzeitpflege aufzustocken. Und zwar, indem Leistungen aus der so genannten Verhinderungspflege auf die Kurzzeitpflege angerechnet werden. Wird die Verhinderungspflege zum Beispiel gar nicht genutzt, kann der daraus resultierende Betrag zu 100 Prozent auf die Kurzzeitpflege angerechnet werden. Daraus ergäbe sich ein Förderbetrag von 3224.- Euro pro Jahr. Umgekehrt können auch ungenutzte Kurzzeitpflege-Zeiten auf die Verhinderungspflege angerechnet werden, allerdings nur bis zu 50 Prozent; das hieße, hier käme ein Maximalbetrag von 2418 Euro zusammen. Während der pflegebedürftige Angehörige in der Kurzzeitpflegeeinrichtung ist, wird weiterhin 50 Prozent des Pflegegeldes gezahlt und zwar bis zu acht Wochen lang.

Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Seit 2017 halten die Pflegekassen monatlich einen Betrag von 125.- Euro für so genannte Betreuungs- und Entlastungsleistungen vor. Diese Leistung steht Pflegebedürftigen bereits ab dem Pflegegrad 1 zu. Das Geld wird bei der Pflegekasse quasi "angespart" und muss dann von den Pflegebedürftigen, beziehungsweise von ihren Angehörigen abgerufen werden. Die 125.- Euro werden in der Regel für die psychosoziale Unterstützung genutzt, indem zum Beispiel jemand nach Hause kommt und mit den Pflegebedürftigen Spiele spielt oder spazieren geht. Dazu gehören aber auch haushaltsnahe Dienstleistungen oder die Begleitung zum Arzt.

Nicht jeder kann einfach zusätzliche Betreuungsleistungen erbringen. Voraussetzung ist, dass jeder Anbieter nach Landesrecht anerkannt ist. Informationen, welche Anbieter diese Auflage erfüllen, gibt es bei der zuständigen Pflegekasse. Leistungen, die am Ende eines Kalenderjahres nicht verbraucht wurden, können bis zum 30. Juni des Folgejahres noch genutzt werden.

Weitere Angebote, für die die zusätzlichen Entlastungsleistungen eingesetzt werden können, sind:

  • Leistungen der Tages- oder Nachtpflege
  • Leistungen der Kurzzeitpflege (etwa für Kost & Logis)
  • Verhinderungspflege
  • Haushaltsnahe Dienstleistungen bei ambulant versorgten Pflegebedürftigen (Reinigung, Verpflegung, Einkäufe, Fahrdienste, Botengänge)
  • Inanspruchnahme von Alltagsbegleitern (z. B. Begleitung bei Arztbesuchen, gemeinsamer Besuch auf dem Friedhof)
  • Inanspruchnahme von Pflegebegleitern (sie unterstützen pflegende Angehörige bei der Betreuung).
  • Betreuungsgruppen für Personen mit Demenz
  • Tagesbetreuung in Kleingruppen
  • Einzelbetreuung durch anerkannte Helfer
  • Mobilisation unter Begleitung
  • Besuchsdienste
  • Sinnvolle Beschäftigung (Lesen, Gesellschaftsspiele, Kochen oder Backen)
  • Familienentlastende Angebote
  • Angebote der Beschäftigung & Aktivierung
  • Spezielle Angebote zur Beschäftigung von Demenzkranken

Netzwerk PflegeEngagement

Das Netzwerk PflegeEngagement entstand 2010 und hat in Berlin inzwischen 12 Unterstützungsstellen in jedem Berliner Bezirk (Adressen, siehe unten). Diese Beratungs- und Kontaktstellen richten sich an hilfsbedürftige Menschen selbst, die zum Beispiel an einer chronischen Erkrankung leiden. Sie richten sich aber auch an Angehörige, die Unterstützung und Hilfe im Alltag mit ihren pflegebedürftigen Angehörigen suchen. Sei es, weil diese an Demenz erkrankt, behindert oder anderweitig pflegebedürftig sind. Die Kontaktstellen PflegeEngagement werden durch die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, den Verband der privaten Krankenversicheurng e.V. sowie die Landesverbände der Pflegekassen in Berlin finanziert.

Sie bieten folgende Angebote:

  • Vertrauliche Gespräche
  • Information und Auskunft
  • Selbsthilfe Gesprächsgruppen
  • Ehrenamtliche Besuche
  • Freizeitangebote

Filmbeitrag: Jana Kalms
Infotext: Ursula Stamm

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