Gerötete und trockene Augen einer Frau (Bild: Colourbox)
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- Tränende Augen im Frühling

Wem jetzt die Augen tränen, der denkt an eine Allergie: Heuschnupfen ist tatsächlich ein häufiger Grund, wenn das Auge juckt und nässt. Doch leicht werden andere Ursachen dabei übersehen: das trockene Auge zum Beispiel. Das klingt paradox, kann aber Menschen aller Altersgruppen neben anderen Beschwerden auch tränende Augen bescheren. Diagnose und Therapie zeigt die rbb Praxis.

Wenn Heuschnupfen 'ins Auge geht'

Etwa 15 Prozent der Deutschen leiden an Heuschnupfen, einer Allergie gegen Pflanzenpollen. Derzeit sind es vor allem die Pollen von Eiche, Buche und Gräsern, die in hoher Konzentration in der Berliner und Brandenburger Luft vorhanden sind. Im Gegensatz zur Nase verfügt das Auge über keine schützende Schleimhaut, so dass die Blütenpollen direkt auf die Bindehaut des Auges treffen. Dort lösen sie leicht Reizungen bis hin zu einer allergischen Bindehautentzündung aus. Die Augen röten sich, jucken, brennen und tränen stark, obwohl sie sich gleichzeitig trocken anfühlen. Ursache dieser Symptome kann allerdings auch das so genannte trockene Auge sein. Bevor tränende Augen also behandelt werden, muss genau unterschieden werden, um welche Erkrankung es sich handelt.

Heuschnupfen ist eine Überreaktion des Immunsystems auf Blütenpollen. Verantwortlich für diese Reaktion sind die so genannten Mastzellen, eine bestimmte Sorte weißer Blutkörperchen des Immunsystems. Diese stufen die Pollen fälschlicherweise als Krankheitserreger ein und schütten als Reaktion darauf Histamin aus. Histamin wiederum löst Entzündungen an Augen und Nase aus. Allergiker, die diese Symptome schon über Jahre kennen, müssen deshalb nicht unbedingt zum Augenarzt. Treten diese oder ähnliche Symptome allerdings neu auf oder lassen sich mit den üblichen Medikamenten nicht lindern, sollte unbedingt ein Augenarzt aufgesucht werden. Denn es gibt auch Bindehautentzündungen, die durch Viren oder Bakterien ausgelöst werden können. Durch Bakterien ausgelöste Bindehautentzündungen sind hoch ansteckend; durch Viren ausgelöste Bindehautentzündungen können bleibende Schäden am Auge hinterlassen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden.

Medikamente – rechtzeitig einsetzen

Zur Behandlung tränender Augen bei einer Pollenallergie, empfehlen Augenärzte eine so genannte Basistherapie. Diese besteht aus Tränenersatzmitteln und so genannten Mastzellstabilisatoren mit dem Wirkstoff Cromoglicinsäure. Die "künstlichen Tränen" spülen die Pollen schnell aus dem Auge heraus. Sie sollten frei von Konservierungsmitteln sein. Die Mastzellstabilisatoren bewirken, dass die Mastzellen im Körper weniger Histamin ausschütten. Mastzellstabilisatoren gehören zu den relativ schwach wirksamen Allergiemitteln. Sie sind rezeptfrei als Augentropfen (oder Nasenspray und Lösung zum Inhalieren) in der Apotheke erhältlich. Wichtig ist es, mit der Behandlung rechtzeitig, möglichst schon vor Beginn der Pollenflugsaison, zu beginnen. Mastzellstabilisatoren müssen mindestens eine Woche mehrmals täglich angewendet werden, damit sie ihre volle Wirkung entfalten.

Antihistaminika

Für den akuten Fall eignen sich Antihistaminika als Augentropfen. Antihistaminika schwächen die Wirkung von Histamin ab, beziehungsweise heben diese auf. Histamin ist ein körpereigener Botenstoff und wird im Körper unter anderem in den sogenannten Mastzellen gespeichert. Während einer allergischen Reaktion setzen die Mastzellen Histamin frei.

Neben den lokal wirksamen Präparaten in Form von Augentropfen oder Nasenspray, gibt es auch systemisch wirkende, in Form von Tabletten, Saft oder Tropfen. Antihistaminika der ersten Generation haben die Nebenwirkung müde zu machen und das Reaktionsvermögen herabzusetzen. Bei den Präparaten der neueren Generation ist das nicht mehr der Fall. Lokal wirksame Antihistaminika haben diese Nebenwirkung gar nicht. Sie können allerdings die Tränenproduktion ausbremsen, was das Gefühl des trockenen Auges noch verstärkt. Hier können kurzfristig Tränenersatzmittel helfen. Langfristig sollte man ausprobieren, welches Antihistaminikum das Auge vielleicht weniger austrocknet.

Gefäßverengende oder abschwellende Augentropfen sollte man bei einer allergische Reaktion am Auge gar nicht verwenden. Sie lindern die Beschwerden nur kurzfristig und schädigen zudem die Bindehaut.

Vorbeugen ist besser als heilen

Am wirksamsten, aber auch am schwierigsten ist es, den Kontakt mit Pollen zu meiden. Zumindest in der eigenen Wohnung und vor allem im Schlafzimmer kann das aber gelingen, wenn man einige Tipps beachtet. So sollte man morgens und abends stoßlüften und ansonsten die Fenster geschlossen halten. Auch tägliches Staubsaugen dämmt die Pollen ein; Kleidung sollte man nicht im Schlafzimmer lüften. Auch Kontaktlinsen sind für Allergiker während der Pollenflugphase eher tabu. Eine eng anliegende Sonnenbrille schützt zusätzlich davor, dass Pollen nicht ins Auge gelangen. Zudem sollte man die Augen nicht reiben, auch wenn sie stark jucken, denn dadurch gelangen die Pollen nur noch weiter ins Auge hinein. Besser ist es, die Augen vorsichtig mit einem Waschlappen sauber zu tupfen. Geschwollene Lider lassen sich durch kühle Kompressen beruhigen.

Das trockene Auge

Das so genannte trockene Auge gilt als die häufigste Augenerkrankung, mit der Patienten den Facharzt aufsuchen. Etwa jeder fünfte Patient in einer Augenarztpraxis hat dieses Problem. Die Tränenflüssigkeit besteht aus drei verschiedenen Komponenten. Wenn dieses empfindliche System der Tränenproduktion und -verteilung gestört ist, kommt es zum trockenen Auge. Hierbei ist entweder die Gesamtmenge der Tränenflüssigkeit vermindert oder einzelne Komponenten sind im Verhältnis zu den anderen nicht in ausreichender Menge vorhanden.

Die Ursachen eines trockenen Auges sind vielfältig: bei bestimmten chronischen Erkrankungen wie Diabetes und Rheuma leiden Betroffene häufiger darunter. Bei speziellen Autoimmunerkrankungen wie dem Sjögren-Syndrom werden auch die Tränendrüsen vom eigenen Körper angegriffen und produzieren nicht mehr ausreichend Flüssigkeit. Auch Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen und Frauen in den Wechseljahren leiden häufiger unter mangelnder Tränenflüssigkeit. Generell lässt deren Produktion im Alter nach.

Diagnose des trockenen Auges

Der Augenarzt kann sowohl die Menge der Tränenflüssigkeit als auch die Stabilität des Tränenfilms auf dem Auge testen. Die Menge der Tränenflüssigkeit wird mit dem so genannten Schirmer-Test festgestellt. Ein spezieller Papierstreifen wird über fünf Minuten am Bindehautsack des Auges angebracht und nimmt, wie ein Schwamm, die Tränenflüssigkeit auf. Je mehr Flüssigkeit das Auge produziert, desto weiter saugt diese sich am Streifen hoch und der Arzt kann den Wert auf einer Skala auf dem Streifen ablesen. Mit Hilfe einer Spaltlampe und einer speziellen Färbemethode kann der Augenarzt untersuchen, wie lange der schützende Film auf dem Auge bleibt. Dazu bekommt der Patient "bunte Augentropfen", die sich mit dem eigenen Tränenfilm vermischen. Er darf dann für eine kurze Zeit nicht blinzeln, damit der Augenarzt anhand der Farbe beobachten kann, wie sich die bunte Flüssigkeit auf dem Auge verteilt und wie lange sie in welcher Konzentration dort verbleibt.

Behandlung des trockenen Auges

Wer länger unter juckenden, gereizten und gleichzeitig tränenden Augen leidet, sollte auf jeden Fall den Augenarzt aufsuchen. Ein unbehandeltes trockenes Auge kann nämlich längerfristig zu Horn- und Bindehautentzündungen führen, weil der vor Infektionen schützende Tränenfilm fehlt oder nicht ausreichend vorhanden ist. Meistens kann die eigentliche Ursache eines trockenen Auges nur bedingt behandelt werden. Zum Beispiel durch die gute Behandlung einer chronischen Erkrankung, wie Diabetes oder Rheuma. Daher werden vor allem Tränenersatzmittel eingesetzt, die man rezeptfrei in der Apotheke bekommt.  Sie sind in Form von Tropfen, Gel oder Salben erhältlich. Augenärzte beobachten, dass Patienten diese Tränenersatzmittel häufig zu sparsam einsetzen. Sobald sich die Augen wieder trocken anfühlen, kann man ruhig nachtropfen, die Gefahr einer Abhängigkeit von diesen Mitteln besteht nicht. Neben den "künstlichen Tränen" gibt es auch die Möglichkeit, das trockene Auge durch den Verschluss der Tränenabflusskanälchen zu behandeln. Diese werden mit kleinen "Stöpseln" aus Silikon oder Plastik verschlossen.

Selbst können Betroffene auch einiges tun, um die Symptome des trockenen Auges zu lindern. Sie sollten viel Flüssigkeit trinken, überheizte und klimatisierte Räume meiden und ausreichend schlafen. Wer viel am Computer arbeitet, sollte vor dem Bildschirm immer wieder bewusst blinzeln und genügend Pausen einlegen, in denen sich die Augen erholen können.

Filmbeitrag: Anja Herr
Infotext: Ursula Stamm

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