Flugzeug landet im Sonnenuntergang (Quelle: Colourbox)
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- Gesund reisen – Tipps für In- und Ausland

Ein Urlaub beginnt nicht immer entspannt: Oft machen Reiseübelkeit im Auto oder an Bord zu schaffen, oder eine Flugangst verleidet die Anreise. Die rbb Praxis prüft Hausmittel und Apothekenprodukte auf ihre Wirksamkeit und zeigt, woran man mit Vorerkrankungen vor Reiseantritt unbedingt denken sollte. 

"Der Weg ist das Ziel." Dieses Zitat von Konfuzius können einige Menschen, die an Reiseübelkeit oder gar Flugangst leiden, wahrscheinlich nur ironisch nehmen. Etwa jeder Zehnte leidet unter Übelkeit beim Reisen. Angst vor dem Fliegen hat nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach immerhin jeder sechste Deutsche. Dabei kann man sowohl gegen die Reisekrankheit als auch gegen die Flugangst etwas tun.

Wenn die Fahrt zur Qual wird

Kaum losgefahren – fängt es an: Übelkeit, Schwindel, Erbrechen. Doch nicht nur Autofahrer trifft es: die Reisekrankheit kann in jedem Transportmittel auftreten, egal ob man im Auto, im Flugzeug, im Zug oder auf dem Schiff unterwegs ist. Und nicht nur das: Schon Autorennen als Videospiele können die auch Kinetose genannte Reisekrankheit auslösen.

Die Ursache für die Übelkeit ist in allen Fällen die gleiche: widersprüchliche Informationen von Auge und Ohr führen zu einem Datenkonflikt in unserer Schaltzentrale. Ausgelöst wird ein solcher Datenkonflikt vor allem dann, wenn wir als Beifahrer auf das Handy oder das Navigationsgerät im Auto blicken oder ein Buch auf der Reise lesen. Dann melden die Augen dem Gehirn Stillstand, das Gleichgewichtsorgan im Ohr hingegen registriert eine Bewegung. Daher kann auch ein Videospiel eine Kinetose auslösen, aber umgekehrt zum realen Autofahren: Die Augen melden Bewegung, der Gleichgewichtssinn Stillstand. Diese widersprüchlichen Informationen interpretiert das Gehirn als Gefahrensituation und schüttet Histamin aus, das unter anderem das Brechzentrum aktiviert.

"Mama – mir ist schlecht!"

Babies schlafen meist seelenruhig im Kindersitz, da ihr Gleichgewichtsorgan noch nicht vollständig ausgebildet ist. Daher sind sie von Kinetosen weitgehend gefeit. Werden die Kinder älter, kommt aber irgendwann kommt der Ruf von der Rückbank: "Mama, mir ist übel!" Tatsächlich sind Kinder zwischen dem zweiten und zwölften Lebensjahr besonders stark von der Reisekrankheit betroffen. Prinzipiell kann aber jeder reisekrank werden. Wer zu Schwindelgefühlen oder Migräne neigt, ist erfahrungsgemäß besonders anfällig. Und Frauen trifft es häufiger als Männer.

Eine Kinetose kündigt sich meist mit Gähnen, Müdigkeit, leichten Kopfschmerzen und Schwindel an. Kinder werden oft verdächtig ruhig und blass. Dann bricht der Schweiß aus und ein flaues Gefühl im Magen macht sich breit. Meist ist es dann schon zu spät, um das Erbrechen zu verhindern. Es gibt auch heftige Verlaufsformen mit Angstzuständen oder gar Kreislaufkollaps.

Tipps gegen Reiseübelkeit

1. Die richtigen Sitzplätze wählen
- im Auto und Bus möglichst ganz vorne,
- im Zug in Fahrtrichtung
- auf dem Schiff im mittleren Bereich an Deck
- im Flugzeug einen Gangplatz auf Höhe der Tragflächen

2. Alles gut im Blick behalten
- einen festen Punkt am Horizont fixieren
- sich nicht gegen die Fahrtbewegungen stemmen, sondern mit ihnen mitgehen
- auf Lesen oder Smartphone verzichten

3. Dem Gehirn eine Pause gönnen
- Augen schließen oder besser noch schlafen, dann ruht auch das Gleichgewichtsorgan
- Regelmäßig die Reise unterbrechen und Frischluft schnappen

4. Den Magen vorbereiten
- ein leerer Magen schützt nicht vor Übelkeit, daher etwas essen
- vor und während der Reise leichte Speisen bevorzugen
- auf Kaffee, Nikotin und Alkohol vor und während der Reise verzichten

Hilfe aus der Apotheke

Schon Seefahrer schwörten auf Ingwer gegen die Übelkeit. Noch heute werden die Ingwerknollen auf manchen Kreuzfahrtschiffen verteilt. Mit gutem Grund: Studien an über 600 Patienten konnten zeigen, dass Ingwer bei Reiseübelkeit besser wirkt als ein Scheinmedikament. Der genaue Wirkmechanismus ist zwar noch nicht bekannt, aber Ingwer enthält verschiedene Inhaltsstoffe, die die Wirkung von Hirnbotenstoffen herabsetzen, die das Brechzentrum reizen. Alternativ können auch Kapseln mit Ingwerpulver helfen. Am besten nimmt man den Ingwer etwa eine halbe Stunde vor Reisebeginn ein und dann bei Bedarf alle vier Stunden erneut. Der große Vorteil von Ingwer: er beeinträchtigt nicht die Reaktionsfähigkeit.

Antihistaminika – als Tablette oder Kaugummi?

Das ist nämlich der Nachteil der so genannten Antihistaminika, die oft gegen Reiseübelkeit eingesetzt werden. Sie enthalten meist den Wirkstoff Diphenhydramin, der auch gegen Allergien eingesetzt wird. Die Wirkstoffe unterdrücken den Brechreiz im Hirn.

Wer regelmäßig an Reiseübelkeit leidet, sollte schon vorsorglich Medikamente einnehmen. Wer es als "Stand-by"-Medikament nutzen will, ist wahrscheinlich mit den etwas teureren Kaugummis mit dem gleichen Wirkstoff gegen Reisekrankheit besser bedient. Der Vorteil der Kaugummis: sie wirken sofort und man muss sie erst nehmen, wenn die Übelkeit bereits zugeschlagen hat. Der Wirkstoff wird beim Kauen innerhalb von Minuten über die Mundschleimhaut aufgenommen. Meist reicht bereits fünfminütiges Kauen, um eine Wirkung zu erzielen. Und das Kauen an sich hilft auch schon gegen Übelkeit. Das Kaugummi sollte man dann nicht direkt ausspucken oder herunterschlucken. Man kann das Kauen auch pausieren und das Kaugummi in der Wangentasche "parken", bis der nächste Schwung Übelkeit kommt.

Nicht für jeden sind die so genannten Antihistaminika geeignet. Menschen, die unter Asthma oder Epilepsie leiden oder die ein so genanntes Engwinkelglaukom haben, sollten solche Präparate nicht einnehmen – auch wenn es sie rezeptfrei in der Apotheke gibt. Auch Patienten, die Bluthochdrucktabletten nehmen, sollten vorher ihren Arzt befragen. In jedem Fall gilt: die Medikamente machen müde und schränken die Reaktionsfähigkeit so stark ein, dass sie für Autofahrer tabu sind.

Brille gegen Übelkeit

Ein neuartiges Hilfsmittel wurde von einem großen französischen Autobauer entwickelt. Eine Brille gegen Reiseübelkeit. Das Prinzip dahinter: Der Rahmen ist mit einer farbigen Flüssigkeit gefüllt, die einen künstlichen Horizont erzeugt. Dadurch würden den Sinnesorganen andere Reize geboten, die die Übelkeit verringern sollen. Neben dem gut 100 Euro teuren Prototypen des Autobauers, findet man im Netz schon unzählige Nachahmerprodukte für gut ein Zehntel des Preises. Studien, ob diese Brille wirklich hilft, gibt es noch nicht.

Von wegen: "Wir wünschen einen guten Flug!"

Während der eine entspannt in den Flieger steigt und sich auf den Urlaub freut, ist der Flug zum Reiseziel eine schier unüberwindliche Etappe. Etwa 16 Prozent der Deutschen klagen einer Umfrage zufolge über Angst vorm Fliegen. Statistisch gesehen trifft es am häufigsten Menschen zwischen 20 und 50 Jahren.

Dabei ist Flugangst keineswegs angeboren. Sie ist erlernt, und meist sehen Psychologen ein Ereignis als Ursache, das bei den Betroffenen Stress ausgelöst hat. Das muss nicht einmal eine schlechte Flugerfahrung sein. Auch andere lebensverändernde Ereignisse können eine Angst vor Flugreisen auslösen. So wird etwa durch die Geburt eines Kindes das Bewusstsein für Risiko und Verantwortung verändert, was Ängste auslösen kann – unter anderem eben Flugangst.

Verschiedene Ausprägungen

Die Symptome der Flugangst sind unterschiedlich. Bei vielen beginnen sie schon Wochen oder Tage vor dem Abflug mit Alpträumen oder Schlaflosigkeit. Je näher der Abflug rückt, desto mehr steigert sich die Angst mit Beschwerden wie
• Schweißausbrüchen
• Übelkeit
• Herzrasen
• Atembeschwerden
• Kopfschmerzen
• Schwindel
• Magen- und Darmkrämpfen
Das Ganze kann sich bis hin zum Zusammenbruch oder Panikattacken steigern.

Nichtwissen verstärkt die Angst

Laut einer Umfrage des Deutschen Flugangstzentrums haben die Meisten Angst vor dem Ausgeliefertsein, vor einem Absturz oder Turbulenzen. Dabei sind Abstürze extrem selten. Einer der Gründe: Im Gegensatz zum Auto, Bus oder zur Bahn sind alle wichtigen Bordinstrumente in zwei-, drei- oder gar vierfacher Ausführung vorhanden. Und auch ein tonnenschwerer Jumbo "fällt nicht einfach vom Himmel", sondern kann noch 100 bis 200 Kilometer gleiten.

Auch für medizinische Notfälle ist ein Flugzeug ausgerüstet. Neben Beatmungsmasken, einem EKG und einem Defibrillator gibt es einen gut bestückten Notfallkoffer, der alle wichtigen Medikamente zur Lebensrettung wie etwa Adrenalin oder Nitrospray enthält – Flugzeuge sind sozusagen fliegende Rettungswagen mit ständigem Kontakt zu Notfallmedizinern am Boden, die die Crew im Notfall unterstützen.

Flugangst ist nicht logisch

Flugzeuge gelten nach wie vor als das sicherste Verkehrsmittel, aber Flugangst folgt keiner Logik. Dennoch können spezielle Flugangstseminare dabei helfen, die irrationale Angst zu bewältigen. Unter anderem eben genau durch Vermittlung solcher Informationen. Solche Seminare werden von vielen Fluggesellschaften angeboten. Neben den technischen Hintergründen des Fliegens werden in diesen Seminaren auch die psychologischen Angstmechanismen erklärt. Oft kann am Ende des Kurses auch ein begleiteter Flug mit einem Therapeuten wahrgenommen werden – real oder im Flugsimulator. Allerdings sind viele dieser Seminare so teuer wie ein Interkontinentalflug.

Auch der Betroffene selbst kann etwas tun. Vor dem Flug sollte man auf Kaffee und Alkohol verzichten. Dasselbe gilt für Beruhigungstabletten. Stattdessen können Musik oder Bücher helfen, sich abzulenken. Und ebenso wie bei der Kinetose gilt: den richtigen Sitzplatz wählen. Im vorderen Teil des Fliegers ist es meist ruhiger, die besten Plätzen sind über den Tragflächen. Zudem können bestimmte Atemübungen helfen, die Wahrnehmung zu lenken und vor allem: die Wahrnehmung von der Angst abzulenken.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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