Collage: Krankenwagen und Hand mit Handy vor Notfallnummer 116117 (Bild: Imago images/Gottfried Czepluch/Panthermedia)
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- Rettungswagen oder Ärztlicher Bereitschaftsdienst?

Wer im Notfall dringend einen Rettungswagen braucht, wählt die 112. Was aber wenn man Hilfe benötigt, es nicht gleich der Krankenwagen sein muss, aber die Arztpraxis bereits geschlossen hat? Viele gehen dann in die Rettungsstelle der nächsten Klinik und warten stundenlang. Dabei gibt es einen anderen Service für solche Fälle: den ärztlichen Bereitschaftsdienst – zentral erreichbar unter 116 117.

Nur Notfälle gehören in die Notaufnahme

Nur 10 bis 20 Prozent der Patienten in den Notaufnahmen sind tatsächlich lebensbedrohlich erkrankt. Alle anderen gehören streng genommen nicht in die Notaufnahme, sondern sollten sich beim ärztlichen Bereitschaftsdienst vorstellen. Denn die steigenden Patientenzahlen in den Notaufnahmen haben Folgen. Patienten mit "Bagatellerkrankungen", beschäftigen Personal, das sich eigentlich um schwer oder sogar lebensbedrohlich erkrankte Patienten kümmern sollte.

Wer hilft wann?

In der Rettungsstelle sind Sie dann richtig, wenn Sie eine lebensbedrohliche Erkrankung haben oder eine Verletzung, die nicht in der Arztpraxis versorgt werden kann. Das ist zum Beispiel bei Schnitt- und Platzwunden, Knochenbrüchen oder großflächigen Verbrennungen der Fall. Wenn Sie befürchten, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu haben, müssen Sie umgehend die 112 wählen.

Für nicht lebensbedrohliche Fälle gibt es andere Ansprechpartner:
• Sie fühlen sich krank, aber es ist noch nicht so schlimm, dass Sie sofort einen Arzt brauchen? In diesem Fall gehen Sie am nächsten Werktag zu Ihrem Hausarzt. Er kennt Sie und Ihre Krankengeschichte und weiß, welche Behandlung am sinnvollsten ist.
• Sie sind nicht lebensbedrohlich krank und die Arztpraxen haben bereits geschlossen? Ihre Schmerzen sind aber so schlimm oder Sie fühlen sich so unwohl, dass Sie nicht bis zur nächsten Sprechzeit warten können? Dann hilft Ihnen die Notfallnummer 116 117 weiter.

Verhalten im Notfall

Greifen Sie sofort ein, wenn jemand plötzlich zusammenbricht.
1. Prüfen
Ist der Mensch bewusstlos und atmet nicht? (ansprechen, an den Schultern schütteln)
2. Rufen
Notruf 112 anrufen oder Umstehende darum bitten.
3. Drücken
Mit einer Herzdruckmassage beginnen: drücken Sie fest und schnell (ca. 100 Mal pro Minute) mit Ihrem Handballen in die Mitte des Brustkorbes.

Der richtige Notfall-Anruf

Zögern Sie bei einem medizinischen Notfall nicht, die Nummer 112 anzurufen. Der Anruf landet dann automatisch in der zuständigen Leitstelle. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und die wesentlichen Notfall-Fragen zu beantworten:
• Wo ist es passiert?
• Was ist passiert?
• Wie viele verletzte Personen?
• Welche Verletzungen hat die Person?
Warten Sie dann auf Rückfragen und beenden Sie das Gespräch erst, wenn der Zuständige der Leitstelle Sie dazu auffordert.

Bereitschaftsdienst - 116 117 - Hier wird auch geholfen

Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der 116 117 ist nicht neu. Bereits 2012 wurde er eingeführt, um die Notfallversorgung zu koordinieren. Denn überfüllte Notaufnahmen werden zunehmend zu einem Problem in Deutschland. Studien zufolge steigen die Patientenzahlen in den Rettungsstellen der Krankenhäuser jährlich um vier bis neun Prozent. Diese Zunahme hängt nicht nur mit der älter werdenden Bevölkerung oder der Häufigkeit von Erkrankungen zusammen. Immer öfter werden Patienten in der Rettungsstelle behandelt, die eigentlich auch vom Hausarzt hätten versorgt werden können.

Außerhalb der normalen Sprechzeiten erreichen Sie unter der Notfallnummer Haus- und Fachärzte im Bereitschaftsdienst. Diese Ärzte leisten den Dienst zusätzlich zu ihrer täglichen Arbeit in der Praxis. Wenn Sie die 116 117 wählen, landen Sie dann entweder direkt bei einem der Ärzte oder in einer Telefonzentrale, in der medizinisch geschulte Mitarbeiter arbeiten. Diese nehmen Ihr Anliegen auf und leiten es an einen Arzt weiter. Zudem kennen die Mitarbeiter die Adresse der nächsten Bereitschaftsdienstpraxis, die Sie selbst aufsuchen können. Oder sie schicken Ihnen bei Bedarf einen Arzt des Hausbesuchsdienstes bzw. des "fahrenden Bereitschaftsdienstes" vorbei.

Eingerichtet wurde die Nummer von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Zuvor gab es über 1.000 regionale Bereitschaftsdienstnummern, die teilweise täglich wechselten. Jetzt gilt die 116 117 deutschlandweit. Der Anruf ist für Sie kostenfrei – egal, ob Sie über das Festnetz oder mit dem Mobiltelefon anrufen. Hör- und sprachgeschädigte Menschen können über ein FAX-Formular Kontakt mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst aufnehmen.

Im Jahr 2017 wählten bundesweit über 6,5 Millionen Anrufer die 116 117, am häufigsten samstags zwischen 9 und 10 Uhr. Hier zählte der Dienst etwa 6.000 Anrufe pro Stunde. Übrigens dachten bei der 116 117 viele, man könnte die 116 oder die 117 wählen. Die Rufnummmer ist aber sechsstellig: 116 117. Das hängt damit zusammen, dass Telefonnummern, die mit 116 beginnen, von der europäischen Kommission europaweit einheitlich an kostenfreie Dienste mit sozialem Wert vergeben werden.

Fälle für die 116 117

• Erkältung mit hohem Fieber über 39 °C
• anhaltender Brechdurchfall
• starke Hals- oder Ohrenschmerzen
• akute Harnwegsinfekte
• kleinere Schnittverletzungen, bei denen ein Pflaster nicht mehr reicht
• akute (neu aufgetretene) Rücken- oder Bauchschmerzen

Fälle für die 112

• Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung
• schwere Atemnot
• starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden
• akute und anhaltende stärkste Schmerzzustände
• starke, nicht stillbare Blutungen
• Unfälle mit Verdacht auf starke Verletzungen
• großflächige Verbrennungen
• Ertrinkungs- und Stromunfälle
• Vergiftungen oder Suizidversuche aller Art
• akute Krampfanfälle

Notdienstpraxen auch für Kinder

Auch wenn Kleinkinder, Kinder oder Jugendliche gesundheitliche Probleme haben, sollte man sich an die 116 117 wenden. In Berlin z.B. gibt es vier Notdienstpraxen extra für Kinder, in denen die KV mit Kliniken zusammenarbeiten.

In Notdienstpraxen kümmern sich ein niedergelassener Kinderarzt und eine medizinische Fachangestellte um die kleinen Patienten. Die häufigsten Beschwerden in der Kinder-Notdienstpraxis sind Fieber, Verstopfung, Bauchschmerzen, Ohrenschmerzen, Durchfall und Erbrechen.

Etwa 55 bis 60 Prozent der Kinder, die in den Sprechzeiten der KV-Notdienstpraxis kommen, werden auch dort versorgt. Das bedeutet, dass die Kindernotaufnahme entlastet wird und mehr Zeit für die lebensbedrohlichen Fälle bleibt. Andererseits können chirurgische Fälle wie etwa Wunden oder Knochenbrüche schnell in der Kindernotaufnahme versorgt werden, weil die Kinderärzte der Kassenärztlichen Vereinigung dafür nicht immer ausgebildet sind.

Notdienstpraxen für Kinder und Erwachsene (Quelle: rbb)

Kooperation von Kliniken mit Bereitschaftpraxen in Brandenburg

In Brandenburg werden die Notdienstpraxen Bereitschaftspraxen genannt und sind immer an ein Klinikum angeschlossen. Derzeit gibt es landesweit neun Bereitschaftspraxen, weitere sind noch für dieses Jahr geplant. Die Adressen und Öffnungszeiten können unter 116 117 erfragt werden.

Bereitschaftspraxen in Brandenburg (Quelle: rbb)

Infotext: Dr. Katrin Krieft
Filmbeitrag: Niels Walker / Ursula Stamm 

Bildung

Ausbildung zum Notfallsanitäter

Die Akademie der Gesundheit hat vier Standorte in Berlin und Brandenburg. Dort gibt es 13 Ausbildungsgänge zu verschiedenen Berufen im Gesundheitswesen u. a. Hebammen, Kinderkrankenpfleger, Physiotherapeuten oder Logopäden. Notfallsanitäter werden am Standort in Bad Saarow ausgebildet.

Akademie der Gesundheit
Campus Bad Saarow
Pieskower Straße 33
15526 Bad Saarow
Tel: 03 36 31- 433995
E-Mail: badsaarow@gesundheit-akademie.de
Website: www.gesundheit-akademie.de

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