Älterer Herr im Rollstuhl neben Pfleger (Bild: imago images/Panthermedia)
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- Schneller genesen: Das AltersTraumaZentrum (ATZ)

Gesund bleiben und alt werden - diesen Wunsch haben viele von uns. Und noch nie war die Medizin so spezilisiert darauf das möglich zu machen, wie heute. So setzen Bereiche der Medizin genau da an, wo alte Patienten besonders anfällig sind oder eine andere Hilfe brauchen, als jüngere. Das betrifft zum Beispiel den Bereich von Stürzen und Frakturen bei der Alterstraumatologie, aber auch Narkosemedikamente oder die Reha.

Die Lebenserwartung der Deutschen ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen und damit auch die Zahl der Älteren in der Bevölkerung. Der demografische Wandel wird die Entwicklungen im Gesundheitssystem zukünftig wesentlich mitbestimmen und die medizinische Versorgung des älteren Patienten immer mehr in den Fokus rücken, davon sind Experten überzeugt. Zudem haben betagte Menschen im Unterschied zu jungen Menschen nach einem Unfall oder einer Operation oder anderen akuten Erkrankung oft größere Schwierigkeiten, an ihr aktives Leben wieder anzuknüpfen.

Vorsicht vor Stürzen im Alter

Stürze sind bei älteren Menschen eines der Hauptrisiken für Pflegebedürftigkeit. Etwa jeder dritte Mensch über 65 Jahre stürzt mindestens einmal pro Jahr. Bei Menschen über 80 Jahren ist es sogar fast jeder zweite. Auf einen harmlosen Sturz folgt oft ein ernster Knochenbruch. Denn die Knochendichte nimmt bei Frauen nach der Menopause rasch und bei Männern allmählich ab.

Gefahr für Leben und Lebensqualität

Erleiden Patienten über 70 einen Oberschenkelhalsbruch, stirbt fast jeder dritte von ihnen im ersten Jahr. Fast die Hälfte ist nicht mehr so mobil wie zuvor, ein weiteres Drittel kann nicht mehr allein gehen. Für ältere Patienten ist die schnelle Wiederherstellung zum Beispiel in einer speziellen Alterstraumatologie essentiell, da eine Einschränkung der Mobilität und Selbständigkeit für sie schwieriger zurückzuerlangen ist als für jüngere. Doch in den letzten Jahren hat sich auch hier viel getan: Dank passgenauer Rehabilitation gehen heute vier von fünf Überlebenden nach der Operation wieder nach Hause.

Die Alterstraumatologie

Die Alterstraumatologie ist ein eigener, stetig wachsender Bereich der Altersmedizin. Logisch, denn mit der steigenden Lebenserwartung steigt auch die Zahl unfallverletzter, älterer Patienten, die häufig gleichzeitig an akuten oder chronischen Begleiterkrankungen leiden. Die Alterstraumatologie konzentriert sich auf Patienten ab etwa dem 70. Lebensjahr, die vorwiegend an sogenannten Altersfrakturen leiden. Denn ganz gleich ob der Oberschenkel, Oberarmkopf oder ein Wirbelkörper gebrochen ist – oft liegt eine Osteoporose zugrunde, die solche Frakturen begünstigt.

Verletzungen im Alter brauchen andere Hilfe

Schon der Klinikaufenthalt als solches ist für viele eine Belastung und auch eine Narkose vertragen Patineten über 70 tendenziell weniger gut. Inzwischen gibt es Kliniken, die einerseits die Früh-Reha und andererseits ein Zentrum für Alterstraumatologie direkt unter einem Dach haben. Die Vorteile: Besonders bei älteren Patienten beeinflussen die Begleiterkrankungen sowie die perioperativen Komplikationen den Behandlungserfolg.

Vor der Operation wissen daher alle in die Behandlung involvierten Ärzte, ob der Patient zum Beispiel wegen eines Herzproblems oder wegen brüchiger Knochen gestürzt ist. Die auf ältere Menschen spezialisierten Chirurgen wissen zudem, welche Implantate für ihre betagten Patienten am besten geeignet sind. Postoperativ kümmern sich die Spezialisten in der Früh-Reha um die Patienten. Andere alterstraumatologische Zentren kooperieren mit Kliniken in der näheren Umgebung, in denen die geriatrische Früh-Reha stattfindet.

Jeder kann seine Lebensqualität verbessern

Die professionelle klinische Behandlung älterer Patienten ist eine wichtige Säule, um möglichst lange eine hohe Lebensqualität aufrecht zu erhalten, der eigene Lebensstil ist eine andere. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass jeder Mensch selbst oder mit Unterstützung viel für eine lange und hohe Lebensqualität tun kann. Denn die Gesundheit im Alter wird nur zu 30 Prozent von den Genen bestimmt. 70 Prozent sind durch den persönlichen Lebensstil und den medizinischen Fortschritt bedingt.

Hinter Lebensstil verbergen sich mehrere Maßnahmen wie Sport und Bewegung, Ernährung, Vorsorge, Verzicht auf Alkohol und Zigaretten, ausreichend Schlaf, psychische Gesundheit. Bei älteren Menschen ist dabei in Sachen Sport keine Höchstleistung gemeint, sondern die tägliche Bewegung und das Krafttraining. Wer sein Gleichgewicht hält, stürzt seltener und kann zum Beispiel besser allein den Haushalt bewältigen.

Infotext: Susanne Faß

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