Grafik: Niere und Nierenverbindung zur Blase (Quelle: imago/StockTrek Images)
imago/StockTrek Images
Bild: imago/StockTrek Images

- Neue Therapie gegen Nierensteine

Sie gehören zu den heftigsten Ursachen für Schmerzen überhaupt: Nierenkoliken. Ursache sind in den meisten Fällen Steine, die über die Niere und die Harnleiter "abgehen". Fünf Prozent aller Deutschen haben mindestens einmal im Leben Nierensteine - Tendenz steigend. Viel lässt sich schon durch den Lebensstil vermeiden, aber auch neue Therapien helfen.

Der Schmerz ist urplötzlich da, ohne Vorwarnung geht und kommt er, sticht und zieht im Rücken und schmerzt im Bauch. Liegen, Strecken, Gehen – alles unmöglich. Häufig stecken Nieren- oder Harnleitersteine dahinter. Sie entstehen, wenn sich Abfallprodukte des Stoffwechsels, die normalerweise im Urin gelöst sind, zu Kristallen aus Calcium-Oxalat- oder Calcium-Phosphat entwickeln.

Nieren- und Harnleitersteine bilden sich, wenn die Menge an Urin nachlässt. Es kommt zur Kristallisation. Die Steine entstehen meist im Nierenbecken oder in den Nierenkelchen und verstopfen dann die ableitenden Harnwege. Dieser Prozess dauert oft Jahre. Die Steine können aber auch Grund für wiederkehrende Harnwegsinfekte oder Blut im Urin sein.

Risikofaktor Ernährung

Nieren- und Harnsteinleiden sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Sie zählen zu den Erkrankungen, die immer mehr Menschen betreffen. Heute leiden dreimal mehr Menschen an Nieren- und Harnsteinen als noch vor zehn Jahren. Fünf Prozent aller Deutschen haben mindestens einmal im Leben Nierensteine. Zu den Hauptursachen für eine Steinentwicklung zählt neben Veranlagung und Stoffwechselstörungen eine falsche Ernährung. Übergewicht gilt als wichtiger Risikofaktor.

Ruhende Steine bleiben meist jahrelang unbemerkt und werden oft nur zufällig bei einer Ultraschall-Untersuchung der Nieren und der ableitenden Harnwege entdeckt. Auch dann, wenn sich die Steine bereits bemerkbar gemacht haben, ist der Ultraschall zunächst das Mittel der Wahl. Zusätzlich nimmt der Urologe Blut ab und lässt im Labor den Kreatinin-Wert, das Volumen des Harns (GFR, glomeruläre Filtrationsrate) und den Spiegel von Kalium, Phosphat, Harnstoff und Harnsäure bestimmen. Die Analysen lassen auch Rückschlüsse darauf zu, wie gut die Nieren funktionieren und ob eine Infektion vorliegt. In unklaren Fällen kann aber auch eine CT-Aufnahme mit Kontrastmittel Klarheit bringen.

Nierenkolik gilt erst einmal immer als Notfall

Zum schmerzhaften Problem werden Steine meist dann, wenn sie sich in den Harnleitern verklemmen. Die Harnleiter verbinden die beiden Nieren mit der Blase. Sind sie durch Steine verstopft, kann es zum Harnstau kommen, der großen Druck erzeugt – eine Nierenkolik ist die Folge. So eine Kolik ist zunächst immer ein Notfall. Doch er hat verschiedene Verlaufsformen: Kleinere Steine bis zu einer Größe von circa vier Millimetern werden oft von allein ausgespült. Das Ausspülen kann der Patient zusätzlich unterstützen, indem er viel Flüssigkeit zu sich nimmt. Auch Bewegung kann die Harnleitersteine weiter durch das harnableitende System befördern. Das Medikament Tamsulosin, ein sogenannter Alphablocker, kann den Steinabgang zusätzlich unterstützen. Mit Allopurinol, das die Harnsäurekonzentration im Blut senkt, lässt sich der Stein in manchen Fällen medikamentös auflösen.

Mit Stoßwellen gegen Steine

Gelingt das nicht und sitzen die Steine im unteren Teil des Harnleiters, schiebt der Urologe ein Spezialendoskop durch die Harnröhre und die Blase bis an den Stein heran und zertrümmert ihn mit Laserimpulsen oder Stoßwellen. Liegt der Stein hingegen noch nahe bei der Niere, wird er per Ultraschall ins Visier genommen und von außen mit Stoßwellen beschossen. Bei der Stoßwellentherapie (ESWT) übertragen punktgenaue Druckimpulse ihre Energie auf die Steine, sie werden sozusagen von innen zertrümmert. Über die Harnleiter werden die Reste dann ausgeschieden.

Große Steine werden operativ entfernt

Ist ein Nieren- oder Harnleiterstein mindestens einen Zentimeter groß, entfernt der Urologie ihn meist mit der minimalinvasiven perkutanen Nephrolitholapaxie (Mini-PNL). Der Zugang erfolgt wie bei jeder anderen Schlüsselloch-OP durch die Haut. Der Patient liegt dabei in Vollnarkose. Mithilfe eines optischen Instruments kann der Arzt den Stein in der Niere zunächst genau ausmachen. Dann punktiert er das Organ, platziert ein Endoskop von Bleistiftdicke im Nierenbecken und zerkleinert die Steine zum Beispiel per Lasersonde. Die Steintrümmer werden anschließend abgesaugt. Dann wird ein temporärer Katheter gelegt, um den Harnabfluss sicherzustellen. Hat der Urologe die zerkleinerten Steine herausgeholt, werden diese auf ihre Zusammensetzung hin untersucht.

Für die Mini-PNL wird der Patient für drei bis fünf Tagen stationär aufgenommen. Die Rate an Nebenwirkungen oder Komplikationen ist bei einem erfahrenen Operateur im Vergleich zu anderen Verfahren gering. Die Verletzungsgefahr ist durch den invasiven Eingriff allerdings höher als beim Ultraschall.

Mindestens ebenso wichtig wie die Behandlung ist, dass der Urologe die Gefahr von Komplikationen zügig erkennt und sie vermeidet. Eine ernste Komplikation ist zum Beispiel, dass das Nierenbecken durch den Harnstau regelrecht platzt und Urin austritt. Bei infizierten Steinen endet das mit schweren Allgemeinsymptomen wie Fieber.

Neue Steine vermeiden

Bei etwa jedem zweiten Betroffenen bilden sich gehäuft Steine - sie treten also immer wieder auf. Vorbeugend sollten Menschen mit Neigung zu Steinen täglich zweieinhalb bis drei Liter Wasser oder Tee zu sich nehmen. Trinken gilt als beste Vorbeugung gegen Nierensteine und schmerzhafte Koliken.

Da rund dreiviertel aller Nierensteine sogenannte Oxalat-Phosphat-Steine sind, können Betroffene zudem deren Bildung verringern, wenn sie möglichst wenig Kaffee, schwarzen Tee, Spinat, Kakao und Nüsse zu sich nehmen. Dagegen reduzieren z.B. Milchprodukte, Orangen und Brokkoli die Oxalataufnahme aus der Nahrung.

Infotext: Susanne Faß
Filmbeitrag: Ulrike Licht

weitere Themen der Sendung

Wespe frisst Marmelade (Quelle: Colourbox)
Colourbox

Hyposensibilisierung bei Wespengift-Allergie

Sommerzeit ist Bienen- und Wespenzeit – lebensgefährlich für alle, die auf Stiche allergisch reagieren. Im schlimmsten Fall kann ein "anaphylaktischer Schock" nach einem Stich tödlich enden. Um das zu verhindern, gibt es eine Art "Allergie-Impfung", die Hyposensibilisierung. Der Therapieerfolg liegt bei über 95 Prozent. Die rbb Praxis klärt über Vorteile und Risiken dieser Immuntherapie auf.

Handy mit EKG-Daten (Bild: rbb)
rbb

Telemedizin: Signale aus dem Rettungswagen

In Brandenburg sind die Wege oft weit bis zur rettenden medizinischen Hilfe. Doch mit digitaler Hilfe können Straßenkilometer schnell überbrückt werden: In der Havellandklinik Nauen werden beispielsweise EKGs schon aus dem Rettungswagen in die Klinik übertragen oder Befunde komplexer neurologischer Fälle aus der Notaufnahme in eine Spezialklinik.

Knopf vom Hemd schließt sich nicht über dem dicken Bauch (Quelle: Colourbox)
Colourbox

Hilfe gegen krankhaftes Übergewicht

Das Risiko steigt mit jedem Kilo: Krankhaftes Übergewicht, medizinsch Adipositas, schadet dem Körper massiv. Bluthochdruck, Diabetes oder Arthrose sind häufige Folgeerkrankungen. Patienten, bei denen weder Diäten, noch Bewegungsprogramme zu einer ausreichenden Gewichtsreduktion führen, können von einer Operation profitieren.

Tomaten in Hand einer Frau auf dem Balkon (Bild: imago images/Westend61)
imago images/Westend61

Wie gesund sind Stadtfrüchte?

Unzählige Bäume in unserer Region ächzen gerade unter der Last ihrer vielen Früchte. Höchste Zeit also, ihnen ein bisschen unter die Arme zu greifen: frisches Obst pflücken, hilft den Pflanzen und uns. Was aber, wenn die Bäume direkt an einer viel befahrenen Straße stehen. Kann das wirklich gesund sein?

Älterer Herr im Rollstuhl neben Pfleger (Bild: imago images/Panthermedia)
imago images/Panthermedia

Schneller genesen: Das AltersTraumaZentrum (ATZ)

Gesund bleiben und alt werden - diesen Wunsch haben viele von uns. Und noch nie war die Medizin so spezilisiert darauf das möglich zu machen, wie heute. So setzen Bereiche der Medizin genau da an, wo alte Patienten besonders anfällig sind oder eine andere Hilfe brauchen, als jüngere. Das betrifft zum Beispiel den Bereich von Stürzen und Frakturen bei der Alterstraumatologie, aber auch Narkosemedikamente oder die Reha.

Arzt in OP-Kleidung vor Monitor mit Gelenk-Röntgenbild (Bild: rbb)
rbb

Spitzenmedizin: Die Gelenk-Docs aus Treuenbrietzen

Die rheumatoide Arthritis (RA), kurz Gelenkrheuma, ist die häufigste Form der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. In Deutschland sind etwa eine halbe Million Menschen betroffen. Bei dieser chronischen Autoimmunerkrankung sammeln sich krankhaft Abwehrzellen in den Gelenken und lösen dort eine aggressive Entzündung aus. Langfristig zerstört sie Knorpel und Knochen, die Gelenke verformen sich. Fest steht: Je früher Therapien beginnen, desto besser.