Handy mit EKG-Daten (Bild: rbb)
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- Telemedizin: Signale aus dem Rettungswagen

In Brandenburg sind die Wege oft weit bis zur rettenden medizinischen Hilfe. Doch mit digitaler Hilfe können Straßenkilometer schnell überbrückt werden: In der Havellandklinik Nauen werden beispielsweise EKGs schon aus dem Rettungswagen in die Klinik übertragen oder Befunde komplexer neurologischer Fälle aus der Notaufnahme in eine Spezialklinik.

In Zeiten von immer mehr chronisch Kranken und weniger Ärzten gilt die Telemedizin als Technologie der Zukunft. Experten prognostizieren ein jährliches Umsatzwachstum von durchschnittlich zehn Prozent. Die Idee ist bei allen Projekten die gleiche: Medizinische Daten werden über das Internet an eine telemedizinisch ausgestattete Klinik oder Praxis gesendet. Spezialisten dort rufen die Werte ab und können so viele Patienten gleichzeitig betreuen, Diagnosen stellen, Operationen planen und sich austauschen.

Grundidee: Medizinische Überwachung aus enormer Distanz

Erstmals in größerem Stil wurde Telemedizin in den 1980er Jahren angewendet. Damals überwachten Ärzte Astronauten, Bohrinsel-Personal oder Forscher auf Expeditionen. Heute begutachten Mediziner mit der sogenannten Teleradiologie Röntgen- oder MRT-Bilder, in der Teleneurologie betreuen sie Schlaganfallpatienten.

Daten aus der Ferne: Präzise, günstig, bequem für Patienten

Bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen reduziert die Fernbehandlung die Kosten geschätzt um etwa ein Drittel. So können beispielsweise Patienten mit Herzschwäche durch Telemonitoring rund um die Uhr betreut werden. Ärzte statten die Betroffenen dann mit einer Spezialwaage, einem EKG- und Blutdruckmessgerät aus. Selbst aus dem Urlaub können die Patienten regelmäßig Daten in die "Heimatklinik" senden, die über den Zustand des Patienten informieren.

Jede Sekunde zählt - und wird schon unterwegs genutzt

Im Notfall kann die Telemedizin in ländlichen Regionen helfen, wenn bei Verdacht auf Herzinfarkt noch im Rettungswagen beispielsweise ein Tele-EKG angefertigt wird – und die Daten in Echtzeit schon an die Herzspezialisten in der Klinik schicken. So kann – während der Rettungswagen noch auf seinem langen Weg über Land in die Klinik ist – dort bereits die konkrete Diagnose gestellt und weitere Behandlungsschritte eingeleitet werden, wie die Vorbereitung des Herzkatheter-Labors bei Verdacht auf einen Herzinfarkt.

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Werden Pateinten mit komplexen neurologischen Krankheitsbilder in der Notaufnahme der Havellandkliniken aufgenommen, können diese schon telemedizinisch einem neurologischen Spezialisten vorgestellt werden. Über eine mobile Workstation kann der Patient von Ferne begutachtet und eingeschätzt werden. Dies geschieht über eine verschlüsselte Verbindung audiovisuell, d.h. per Bild und Ton. So können schnell Therapieempfehlungen gegeben oder auch die Verlegung in eine Spezialklinik empfohlen werden. Telemedizin kann somit vielen Patienten das Leben retten.

Infotext: Beate Wagner
Filmbeitrag: Stefan Sperfeld

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