Knopf vom Hemd schließt sich nicht über dem dicken Bauch (Quelle: Colourbox)
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- Hilfe gegen krankhaftes Übergewicht

Das Risiko steigt mit jedem Kilo: Krankhaftes Übergewicht, medizinsch Adipositas, schadet dem Körper massiv. Bluthochdruck, Diabetes oder Arthrose sind häufige Folgeerkrankungen. Patienten, bei denen weder Diäten, noch Bewegungsprogramme zu einer ausreichenden Gewichtsreduktion führen, können von einer Operation profitieren.

Zur Auswahl stehen verschiedenste Verfahren. Die Ärzte können mit einem Magenband den Magen verkleinern oder über einen wassergefüllten Magenballon den Großteil des Magens füllen. Bei einer Magen-Bypass-Operation bilden die Ärzte einen kleinen Vormagen, den sie direkt mit einer Dünndarmschlinge verbinden. Durch den sehr kleinen Magen stellt sich schneller ein Sättigungsgefühl ein und die Patienten essen weniger.

Allerdings wird ein solcher Eingriff nur in Einzelfällen von der Krankenkasse genehmigt. Erst ab einem BMI von über 35 mit einer oder mehreren Folgeerkrankungen prüfen die Krankenkassen eine Kostenzusage. Ebenso müssen mehrere Diätversuche, Kuren und Rehabilitationsmaßnahmen unter ärztlicher Anleitung gescheitert sein.

Wie funktioniert die OP-Variante?

Die OP selbst dauert etwa eine Stunde und wird minimalinvasiv durchgeführt. Der Magenbypass verändert den Weg der Nahrung: Eigentlich rutscht das Essen von der Speiseröhre durch den Magen in den Dünndarm. Beim Magenbypass teilt der Chirurg den Magen. Den größeren, unteren Teil klemmt er von der Nahrungskette ab. Den kleinen Magenteil näht er direkt an den Dünndarm; die Nahrungsaufnahme ist jetzt durch den kleinen Restmagen begrenzt. Dann schließt er den großen Magenteil weiter unten wieder an den Dünndarm an, so dass der produzierte Magensaft dorthin abfließt.

Der Magenbypass wirkt an zwei Mechanismen

Die Gewichtsreduktion beim Magenbypass wird durch zwei Mechanismen erreicht: Zum einen ist das Volumen des Magens deutlich kleiner, so dass er weniger Nahrung aufnehmen kann und man schneller satt ist.

Zum anderen wird der Verdauungsprozess verändert: Die Verdauungssäfte kommen nicht, wie normalerweise, kurz hinter dem Magen zum Verdauungsbrei, sondern treten nun erst im weiteren Verlauf des Dünndarms ein. Dies bedeutet, dass der Organismus weniger Zeit und Strecke hat, um die Nahrung zu verdauen und aufzunehmen.

Gute Ergebnisse

Bis zu dreiviertel aller Patienten reduzieren nach dem Eingriff ihr Gewicht drastisch.
Von Diabetologen weltweit wird deshalb nun auch gefordert, den Eingriff für adipöse Patienten mit Typ-2-Diabetes als eine ganz normale Therapieoption anzubieten. In Deutschland wurde diese Forderung mit der Aktualisierung der S3-Leitlinie "Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen" im Frühjahr 2018 bereits umgesetzt.

Bei Patienten mit einem BMI ab 40 kg/m² können nun rascher metabolische Operationen durchgeführt werden, da sie nicht mehr den Nachweis erbringen müssen, dass andere Möglichkeiten der Gewichtsregulierung ausgeschöpft sind.

Eingriff mit lebenslangen Folgen

Der Eingriff hat allerdings Folgen fürs ganze Leben: Die Patienten müssen sich an strikte Regeln halten. Zum einen können und dürfen sie nicht mehr so viel essen. Ansonsten könnten sie wieder Gewicht zunehmen und der Diabetes wiederkehren. Da der neue Magen kleiner ist und weniger fassen kann, passiert die Nahrung ihn auch schneller. Dadurch wird das Essen zum Teil nicht richtig angedaut, so dass die Patienten an Übelkeit, Blähungen, Erbrechen, Durchfall, Schweißausbrüchen oder Schwindelgefühl leiden. Deshalb ist es auch wichtig, genaue Essensregeln zu befolgen. Und: Der Körper nimmt durch die verringerte Nahrungszufuhr und die versperrte Passage des Zwölffingerdarms weniger Vitamine und Spurenelemente auf. Sie müssen mitunter lebenslang ergänzend eingenommen werden.

Wohlüberlegte Entscheidung

Die OP ist ein drastischer Eingriff in den menschlichen Stoffwechsel und wird nicht von einem auf den anderen Tag entschieden. Die Patienten (unter einem BMI von 40, s.o.) müssen häufig zunächst beweisen, dass sie mit Diäten und Bewegung allein keinen Erfolg haben. Sonst zahlen die Kassen den Eingriff nicht. Und sie müssen den festen Wunsch haben, wirklich nachhaltig etwas ändern zu wollen. Dafür besuchen sie ein Jahr lang spezielle Kurse, auch eine psychologische Betreuung ist erforderlich. Um später nicht wieder zuzulegen, brauchen die Patienten eine gehörige Portion Disziplin. Ein konkretes Ziel kann beim Umsetzen der Vorsätze helfen: Mit der Aussicht auf ein bestimmtes Körpergewicht oder die ersehnte Kleidergröße gelingt es vielen Patienten durchzuhalten.

Infotext: Constanze Löffler
Filmbeitrag: Erika Brettschneider

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