Wespe frisst Marmelade (Quelle: Colourbox)
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- Hyposensibilisierung bei Wespengift-Allergie

Sommerzeit ist Bienen- und Wespenzeit – lebensgefährlich für alle, die auf Stiche allergisch reagieren. Im schlimmsten Fall kann ein "anaphylaktischer Schock" nach einem Stich tödlich enden. Um das zu verhindern, gibt es eine Art "Allergie-Impfung", die Hyposensibilisierung. Der Therapieerfolg liegt bei über 95 Prozent. Die rbb Praxis klärt über Vorteile und Risiken dieser Immuntherapie auf.

Sie gehören zur spätsommerlichen Kaffeetafel wie Obstkuchen und Schlagsahne: Wespen! Doch während die aufdringlichen Insekten für die einen nur nervtötend sind, sind sie für Insektengift-Allergiker regelrecht lebensgefährlich. Allergiker reagieren besonders stark auf das Wespengift: mit Hautausschlag, Juckreiz am ganzen Körper, Blutdruckabfall und steigendem Puls. Im schlimmsten Fall kommt es zum allergischen Schock mit Herzversagen.

Wespengiftallergie – häufiger als man denkt

Etwa fünf Prozent der Kinder und zehn Prozent der Erwachsenen, die nach einem Wespenstich eine starke Rötung oder Schwellung an der Stichstelle haben, reagieren beim nächsten Wespenstich deutlich heftiger und dann auch mit den oben beschriebenen Beschwerden, die für eine Insektengiftallergie sprechen.

Die Allergie wird durch bestimmte Antikörper ausgelöst, die sich bei etwa jedem Vierten in Deutschland im Blut nachweisen lassen. Tatsächliche Allergiesymptome nach einem Stich haben aber glücklicherweise deutlich weniger Menschen. Schätzungen zufolge leiden etwa drei Prozent der Deutschen an einer Insektengift-Allergie – das sind etwa 2,4 Millionen Betroffene.

Dass Wespen besonders im Spätsommer aktiv werden, hat einen lapidaren Grund: Zu dieser Zeit stellen die Wespen ihre Ernährung um und bevorzugen zuckerhaltige Produkte – eben den saftigen Obstkuchen, Limonade oder Marmelade. Und erscheinen damit eben auch oft als ungebetene Gäste am Esstisch.

Diagnose Wespenallergie – immer auf der Hut sein

Ob ein Mensch allergisch auf Wespen reagiert oder nicht, lässt sich nur mit aufwändigen Tests nachweisen. Dabei wird das Gift in steigender Dosis unter die Haut gespritzt um festzustellen, ab welcher Konzentration der Patient Beschwerden bekommt und mit einer Bildung und Ausschüttung von Antikörpern reagiert. Dabei hat der Arzt immer ein Notfallset mit Antihistaminika, Kortison und Adrenalin parat, um im Notfall direkt reagieren zu können. Zeitgleich werden die Antikörper für andere Insektengifte mitbestimmt, denn so genannte Kreuzallergien sind nicht selten. Wer auf Wespengift reagiert, reagiert oft auch auf das Gift anderer Insekten wie etwa Hornissen oder Bienen.

Leben mit der Diagnose Wespenallergie – das heißt: immer auf der Hut sein. Denn in erster Linie geht es für den Allergiker darum, nicht gestochen zu werden und für den Notfall entsprechend vorzusorgen. Dazu führen Allergiker meist ein Notfallset mit sich, das neben Antihistaminika und Kortison oft auch Adrenalin enthält, um einem Schock entgegenzuwirken.

Hoffnung für Betroffene: die "Allergie-Impfung"

Um einen solchen Notfall zu verhindern, kann eine so genannte Hyposensibilisierung erfolgen – im Volksmund oft auch "Allergie-Impfung" genannt. Der Therapieerfolg dieser Maßnahme liegt bei über 90 Prozent – und auch wenn die Allergie nicht komplett verschwindet, mildern sich doch deren Symptome.

Im Fachjargon nennt sich das Verfahren spezifische Immuntherapie. Geeignet ist sie prinzipiell für alle Patienten mit einer schweren Wespengiftallergie. Das Prinzip: durch geringe Mengen des Wespengifts soll der Körper an genau die Substanz gewöhnt werden, die die Allergie auslöst. Allerdings gibt es auch Patienten, bei denen schon nach wenigen Sitzungen die Immuntherapie abgebrochen werden muss – weil sie zu stark auch auf die sehr geringen Dosen des Wespengifts reagieren.

Zu Beginn spritzt der Arzt eine sehr starke Verdünnung der späteren Wespengiftdosis unter die Haut, erst einmal in kurzen Zeitabständen über einige Tage. Später dann wird das Gift nur noch alle vier Wochen gespritzt. Diese Erhaltungsdosis bekommt der Patient dann über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. Das allerdings bedeutet auch, dass der Patient alle vier Wochen zum Arzt muss, um sich seine Spritze abzuholen.

Hoher Aufwand – starke Sicherheit

Dennoch sind viele Patienten bereit, eine so lange Therapiezeit auf sich zu nehmen. Denn die Sicherheit und Lebensqualität, die sie durch die Hyposensibilisierung gewinnen, macht für viele Patienten den Aufwand bezahlt.

Wie jede andere Therapie hat auch die Hyposensibilisierung ihre Nebenwirkungen. Juckreiz und Schwellungen an der Einstichstelle sind häufig. Dennoch ist die Maßnahme auch nach Berechnungen des Paul-Ehrlich-Instituts sicher: zwischen 1991 und 2000 traten bei einer Hyposensibilisierung nur bei 0,002 bis 0,008 Prozent der Patienten lebensbedrohliche Reaktionen auf. Verschwindend wenig im Vergleich zu den Komplikationen nach einem Stich.

Wespenstiche vermeiden

Trotz aller Erfolge mit der Hyposensibilisierung - Vorbeugung bleibt doch der beste Weg. Besonders gilt das natürlich für Kinder, bei denen man oft auch noch gar nicht weiß, ob sie allergisch auf einen Wespenstich reagieren oder nicht. Wir geben Ihnen fünf Tipps, um einen Wespenstich zu vermeiden:

• Selber ausweichen: Wenn man weiß, wo die Wespen ihr Nest gebaut haben, diesen Bereich meiden.
• Aufmerksam sein: Vor dem Trinken in das Glas und vor dem Essen auf die Gabel schauen. Denn Wespen werden von Speisen und Getränken magisch angezogen. Und ein Wespenstich im Mund oder Rachen tut nicht nur höllisch weh, sondern ist auch extrem gefährlich.
• Wespen nicht wegpusten: Statt zu flüchten, reagieren Wespen teilweise sogar aggressiv auf das Kohlenmonoxid in der Ausatemluft.
• Schuhe tragen: Wespen suchen Nektar - genau wie Bienen. Daher auf Wiesen immer Schuhe tragen, damit man nicht versehentlich in ein Insekt tritt und so einen Stich provoziert.
• Wespen ablenken: Eine Wespenfalle lockt die Tiere eher an, als dass sie hilft. Der Grund: in Not geratene Wespen verströmen Duftstoffe, die die Kollegen zu Hilfe rufen sollen. Deutlich wirkungsvoller: ein abseits vom Esstisch aufgestelltes Büffet für die Insekten. Wespen lieben Weintrauben. Eine Schale davon in einer ruhigen Ecke lockt mehr als jeder Kuchen auf dem belebten Kaffeetisch.

Infotext: Dr. Katrin Krieft
Filmbeitrag: Thomas Förster

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