Ein Mann springt kopfüber in einen See (Bild: imago images/Westend61)
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- Badeunfälle in Seen, Flüssen und Meer

Das kühle, natürliche und heimische Nass ist gerade im Sommer für viele Menschen eine echte Versuchung: Seen, Flüsse und das Meer laden zum Baden ein. Doch leider überschätzen nicht wenige die eigenen Schwimmfähigkeiten oder wissen zu wenig über die Gefahren bestimmter Gewässer oder die, die Wassertemperatur und Medikamente bergen können.

Die Sonne lacht, die Badetasche ist gepackt, die Urlaubspläne geschmiedet. Doch die Freude am Sommer und dem damit verbundenen Badespaß kann auch ganz schnell vorbei sein – und das Leben Betroffener von jetzt auf gleich aus den Angeln heben. Denn es kommt immer wieder vor, dass Menschen ertrinken.

Anstrengung beim Schwimmen unterschätzt

Schwimmen macht Spaß, kann aber auch gefährlich sein. Mehr als die Hälfte der Ertrunkenen in Deutschland 2018 waren über 50 Jahre alt. Gerade Gelegenheitsbader unterschätzen oft, wie anstrengend Schwimmen für ihren Körper ist. Grund dafür ist unter anderem der Wasserwiderstand sowie die Anpassung des Organismus an die Wassertemperatur. Allein um die eigene Temperatur zu regulieren, muss der Körper viel Energie aufwenden.

Gerade ältere Menschen sind oft nicht ausreichend körperlich trainiert, schon ein bisschen wackliger auf den Beinen und haben oft mehrere Vorerkrankungen des Herz-Kreislaufsystems – gerade das kann die Leistungsfähigkeit mindern. Zudem kann das Schwimmen selbst - wie jeder andere Sport auch - durch die höhere Kreislaufbelastung zu Herzinfarkten, zu Durchblutungsstörungen und durch den Gefäßdruck zu Schlaganfällen führen.

Gefahr der Unterkühlung

Eine weitere Gefahr ist die Unterkühlung: Denn selbst wenn die Außentemperaturen ordentlich heiß sind, haben Seen oft zehn bis 15 Grad weniger Grad Celsius. Dazu können noch plötzliche kalte Strömungen kommen. Der Körper versucht die Temperatur aber an lebenswichtigen Organen wie dem Herz konstant zu halten.

Die Folge: Weniger Blut fließt zu den Muskeln, die Muskeln können nicht mehr entspannen, es kommt zu Krämpfen, die Betroffenen können keine effektiven Schwimmbewegungen mehr machen. Sie geraten unter die Wasseroberfläche und ertrinken. Gerade wenn es am See keine Badeaufsicht gibt, bleiben solche typischen Situationen leider oft zu lange unbemerkt.

Fluss und Meer: Oft kommt der reißende Fluss unerwartet

Unkalkulierbare Risiken in Flüssen, Seen und im Meer sind zudem die Sogwirkungen, Unterwasserhindernisse, Strömungen und Schiffe. An den Meeren ist der Sog der Wellen eine der meist unterschätzten Gefahren. Dieser Sog entsteht, weil das Wasser am Meeresboden wieder zurückfließt für den Wechsel von Ebbe und Flut. Dabei entsteht ein Sog, der auch kräftigen Menschen im flachen Wasser die Füße wegziehen kann.

Genauso gefährlich sind plötzlich auftretende Strömungen, die einen mit großer Kraft aufs Meer ziehen. Im Urlaub ist man übrigens besonders schnell dazu verleitet, unachtsam gegenüber Gefahren zu sein. In Deutschland ertrinken in Flüssen derzeit genauso viele Menschen wie in Badeseen. Wer eine gefährliche Strömung zum Beispiel beim Baden im Meer oder Fluss bemerkt, sollte versuchen, passiv zu schwimmen, sich also auf den Rücken legen und mit der Strömung schwimmen. Das spart Kräfte.

Vor jedem Kopfsprung die Tiefe checken

Nicht zu unterschätzten sind Experten zufolge auch die Tiefen von Badeflüssen oder Seen. Sie geben oft längst nicht die Tiefe her, die man zum Beispiel für einen Kopfsprung braucht. Vor jedem Sprung – selbst im Swimmingpool – sollte man daher die Tiefe prüfen. Sonst drohen Platzwunden, Brüche der Halswirbelsäule, Quetschungen des Rückenmarks mit Querschnittslähmung. Im schlimmsten Fall führt das umgehend zu einem Ausfall des Kreislaufzentrums und damit zum sofortigen Tod des Patienten.

Vorher nicht essen und kein Alkohol

Viele Badende missachten Grundregeln beim Schwimmen wie vorher nichts zu essen und auf Alkohol zu verzichten. Der Körper braucht nach dem Essen seine Energie für die Verdauung, so dass den Muskeln nicht mehr genügend zur Verfügung steht. So führt ein voller Magen schneller zu Krämpfen.

Alkohol wiederum lässt einen die eigenen Kräfte überschätzen. Auch ist man nicht mehr so reaktionsschnell, um aus Strömungen herauszukommen oder Booten und Schiffen rechtzeitig auszuweichen. Daher sollte man einen vollen Magen ebenso meiden wie Alkohol.

Rennen nicht empfohlen!

Je größer der Unterschied zwischen Wasser- und Lufttemperatur ist, umso eher überlastet man seinen Kreislauf mit schnellem Rennen ins Wasser. Herzinfarkt oder Schlaganfall können die tödlichen Folgen sein. Besser nähert man sich Stück für Stück dem kalten Nass.

80 Prozent ertrinken an unbewachten Seen

Wer sicher baden will, sollte darauf achten, dass die Badestelle von Rettungsschwimmern überwacht wird. Trotz der vielen Badegäste an der Küste sterben hier nur wenige Badende. 80 Prozent aller Badenden in Deutschland ertrinken an unbewachten Badeseen.

Erste Hilfe

Wenn es an unbewachter Stelle zu einem Badeunfall kommt, muss man diesen Regeln folgen: Rufen: Zunächst dafür sorgen, dass über die 112 Hilfe gerufen wird.
Bergen
: Um die Person aus dem Wasser zu retten, sollte man ihr möglichst einen schwimmenden Gegenstand hinhalten - Rettungsring, Seil oder einen Ast. Auf jeden Fall sollte man vermeiden, ihr die Hand zu geben. Denn Menschen schlagen um sich und haben in ihrer Panik durchaus die Kraft Helfer mit unter Wasser zu ziehen.
Lagern: An Land muss man die Person richtig lagern, bis Hilfe eintrifft. Ist sie bewusstlos, dreht man sie auf die Seite.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Beate Wagner

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