Prof. Dr. Christian Butter in OP-Kleidung bei Operation (Bild: rbb)
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- Medizin Profis auf dem Land – Herz-Docs Bernau

In Brandenburg gibt es viele hochspezialisierte Zentren für Spitzenmedizin. Eines davon: Das Herzzentrum Brandenburg in Bernau – nur wenige Kilometer nördlich von Berlin. Hier retten Herzchirurgen und Kardiologen mit modernster Technik jeden Tag Patienten in kritischen Situationen das Leben. Die rbb Praxis hat den Chefkardiologen, Prof. Christian Butter, drei Tage lang bei seiner diffizilen Arbeit begleitet - unter anderem während eines riskanten Eingriffs an der Aortenklappe.

Die Herzscheidewand teilt das Herz in eine linke und eine rechte Hälfte. Jede Herzhälfte besteht aus zwei Kammern: dem Vorhof und der Hauptkammer. In den Vorhöfen sammelt sich das Blut aus dem Körper, bevor es in die Kammern gelangt, die es dann in die Lunge oder den Körper pumpen. Unser Herz zählt vier Klappen. Diese Ventile sorgen dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fließt. Jede Herzklappe öffnet und schließt sich innerhalb eines Tages etwa 120.000 Mal, im Laufe eines 70-jährigen Lebens also rund drei Milliarden Mal. Die Herzklappen sind damit über die Lebensjahre einer immensen mechanischen Belastung ausgesetzt.

Herzinfarkt, Kalkablagerungen, Entzündungen oder Stoffwechselkrankheiten schädigen die Klappen im Laufe eines Lebens. Herzexperten unterscheiden zwischen angeborenen und erworbenen Klappendefekten. Die erworbenen Klappendefekte sind häufiger. Meist erkranken die Klappen des linken Herzens, also Mitral- oder die Aortenklappe, da sie durch den erhöhten Druck auf dieser Herzseite mechanisch belastet sind. Die Mitralklappe verbindet den linken Vorhof und die linke Kammer. Die Aortenklappe gibt das mit Sauerstoff angereicherte Blut aus dem Herzen in den Körperkreislauf.

Klappendefekt oft an den Beschwerden erkennbar

Ist die Aortenklappe auf grund von Alter, Krankheit oder einem belastenden Lebensstil verkalkt, muss das Herz mehr arbeiten, um genug Blut durch die verengte Klappe hinaus zu pressen. Oder aber die Klappe schließt nicht mehr richtig, sie ist dann insuffizient.

Typische Beschwerden des Klappendefekts sind Luftnot, Schwäche, dicke Beine, Ohnmachtsanfälle. Im Elektrokardiogramm (EKG) zeigen sich durch die kranken Klappen ausgelöste Herzrhythmusstörungen oder ein schwaches Herz. Bei der Echokardiographie, einer Ultraschalluntersuchung des Herzens, beobachtet der Arzt Blutfluss und Klappenschluss.

Eingriff nicht mehr am offenen Herzen

Abhilfe schafft ein Klappenersatz. Bis vor zehn Jahren mussten die Herzchirurgen ihren Patienten den Brustkorb aufschneiden, das Herz stilllegen und sie an die Herz-Lungen-Maschine anschließen, um eine Aortenklappe zu erneuern. Vor allem sehr alte und kranke Leute operierte man mit dieser zwei- bis dreistündigen Operation aber nicht, da die Gefahr für Komplikationen zu groß wäre. Und dann gab es kaum noch Möglichkeiten, denn auch Medikamente bringen in dieser Situation oft nicht die ersehnte Besserung.

Heute haben auch schwer kranke und alte Patienten eine reelle Chance auf eine neue Herzklappe: Seit ein paar Jahren erneuern Herzspezialisten insbesondere Aortenklappen per Katheter-Verfahren. Für diese sogenannte Transkatheter-Aortenklappen-Implantation, kurz TAVI, genügt ein Schnitt in der Leiste oder zwischen den Rippen unterhalb der linken Brustwarze. Die Operation dauert maximal eine Stunde und ist schonender als der Eingriff am offenen Herzen mit Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine.

Herzklappe wandert durch Gefäße ins Herz

Über den Schnitt führen die Herzspezialisten einen Schlauch ein. In den hohlen Schlauch legen sie einen Draht, an dessen Ende ihre Instrumente sitzen und über den sie später die Herzklappe vorschieben. Die Ersatz-Herzklappe ist auch zunächst auf dem Metallgeflecht fixiert – und noch komplett zusammengefaltet.

Die Ärzte schieben die Klappe dann in einer Arterie Richtung Herz. Immer wieder bekommt der Patient Kontrastmittel gespritzt und wird geröntgt, damit der Arzt kontrollieren kann, wo er sich mit dem Katheter auf dem Weg zum Herzen gerade befindet. An der richtigen Stelle angekommen, wird die neue Herzklappe entfaltet, sie verankert sich dadurch. Das neue Ventil stellt wieder einen gleichmäßigen Blutfluss her. Die Prothese verdrängt die körpereigene Klappe, so dass diese nicht entfernt werden muss.

Die minimalinvasive Operation ist Teamwork

Der gesamte minimalinvasive Eingriff ist eine echte Hightech-Leistung, die nur in der engen Teamarbeit von Kardiologen, Herzchirurgen, Röntgenspezialisten und Narkoseärzten gelingt. Aortenklappen werden immer öfter mittels TAVI ersetzt, immer seltener durch konventionelle Herz-OPs. Allerdings dürfen den Eingriff nur noch Kliniken durchführen, die eine kardiologischen Abteilung und eine Herzchirurgie haben. Denn auch bei der TAVI kann eine Blutung nicht ausgeschlossen werden. Dabei tritt sofort Blut in den Herzbeutel aus. Diesen Notfall können Kardiologen im Prinzip nur durch den sofortigen Einsatz der Herz-Lungen-Maschine am geöffneten Brustkorb behandeln.

Filmbeitrag: Cornelia Fischer-Börold
Infotext: Beate Wagner

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