Golf als Therapie (Quelle: rbb)
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- Reha auf dem Golfplatz

Die Fachklinik am Wolletzsee in Brandenburg bietet Patienten – beispielsweise bei Herzerkrankungen – Golfsport als ein mögliches Reha-Modul an. Wie effektiv ist dieses Training? Und für welche Patienten ist es geeignet? Die rbb Praxis war beim Training auf dem Golfplatz dabei.

Golfplatz Prenden bei Wandlitz – ein Golf-Kurs: Hier lernen jedoch nicht Golfinteressierte, den Ball ins Loch zu putten. Auf dem Patz stehen Patienten der Fachklinik Wolletzsee. Die dort stationär untergebrachten Patienten erholen sich gerade von einem schweren Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder hatten kürzlich eine Bypass-Operation.

Golf als Reha-Sport anzubieten hat zahlreiche Gründe: Golfen ist ein Sportart an der frischen Luft ohne Spitzenbelastungen. In Wandlitz ist die Bahn zwischen zwei Löchern knapp 370 Meter lang; während einer Neuner-Runde laufen die Patienten also immerhin fünf bis sieben Kilometer. Auch die Seele kann man beim Gang durch die Natur mal baumeln lassen.

Entscheidende Voraussetzung, um Golf als Reha-Sport anbieten zu können, ist die Ausbildung des Golflehrers. Er sollte Sportwissenschaftler sein oder eine entsprechende medizinische Ausbildung haben und natürlich Golf spielen können. Während des Spiels muss für eine entsprechende medizinische Betreuung gesorgt sein: Defibrillator und Notfallpack sind in Wandlitz griffbereit. Dabei reicht es nicht, dass der Trainer im Notfall seinen Patienten zur Seite springt – er muss auch die Grenzen der Leistungsfähigkeit eines jeden Patienten einschätzen können.

Ob die Patienten während ihres Reha-Aufenthaltes golfen dürfen, entscheidet sich zu Beginn der Reha und ist abhängig von der Erkrankung und vor allem den aktuellen Befunden. In Wandlitz spielen nur Patienten, die klinisch stabil sind, eine Leistungsfähigkeit von 100 Watt haben und bei denen ein Ultraschall des Herzens keine hochgradige eingeschränkte Pumpfunktion zeigt.

Viele Rehabilitanden sind Feuer und Flamme für den neu entdeckten Sport. Einige sind so glücklich darüber, dass sie sogar nachts noch Theorie büffeln. Ein erster Schritt – denn eine Rehabilitation hat nicht nur zum Ziel, die Leistung des Herzens wiederherzustellen, sondern vor allem dauerhaft den Lebensstil zu verändern – und dies mit Freude und nicht mit Zwang. Und wie sieht es mit harten medizinischen Daten aus? Wirkt sich der Sport tatsächlich messbar auf die Gesundheit aus? In der Reha-Klinik in Wolletzsee trainieren die Patienten bereits seit mehr als fünf Jahren auf dem Golfplatz. Erfolge und Feedback sind bislang ausschließlich positiv. In einer Untersuchung über drei Jahre hat die Klinik festgestellt, dass die Golf-Gruppe im Vergleich zum Beispiel zu Nordic Walking-Gruppen nach drei Wochen deutlich fitter war. Golf als Rehasport wird mittlerweile bundesweit für Patienten mit Herzerkrankungen, Schlaganfall, Multipler Sklerose und Krebs angeboten.

Filmbeitrag: Cornelia Fischer-Börold
Infotext: Beate Wagner

Infos im www

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Gedächtnis- und Konzentrationstraining mit Riesentouchscreen (Bild: rbb)
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