Man schneuzt sich in einem PArk (Bild: imago images/Panthermedia)
imago images/Panthermedia
Bild: imago images/Panthermedia

- Allergien im Herbst

Die Zeit der Birken- und Buchenpollen ist vorbei, die Gräserblüte ist ebenfalls fast zu Ende. Haben es Allergiker im Herbst endlich leichter? Keineswegs! Viele bekommen Probleme beim Verzehr von Äpfeln oder Pflaumen, vor allem bei typischen Supermarkt-Sorten. Die rbb Praxis erklärt, worauf Allergiker im Herbst achten sollten.

Bei einer Allergie reagiert das körpereigene Immunsystem übertrieben auf Allergene. Zunächst neutralisiert der Körper die fremden, eigentlich harmlosen Eiweiße, ohne dass es Komplikationen gibt. Doch mit jedem erneuten Allergenkontakt schaukelt sich das Immunsystem auf, bis genügend abwehrbereite Antikörper zur Verfügung stehen und sich auf die vermeintlich gefährlichen Eiweiße stürzen. Spezifische Zellen, die so genannten Mastzellen, schütten Histamin aus. Histamin sorgt für eine erhöhte Durchblutung der Schleimhäute und macht die Wände winziger Blutgefäße durchlässiger. Juckreiz, Rötungen und Schwellungen bis hin zur Atemnot sind die Folgen.

Kreuzallergie

Auch wenn die Hauptblütezeit von Gräsern und Bäumen vorbei ist – viele Allergiker leiden aktuell unter sogenannten Kreuzallergien. Vor allem Menschen, die auf Birkenpollen allergisch sind, verspüren bei bestimmten Apfelsorten ein Kribbeln im Mund, haben eine geschwollene Zunge oder ein pelziges Gefühl im Rachen oder bekommen Ausschlag.
Spezialisten fassen das Phänomen unter dem "oralen Allergie-Syndrom" (OAS) zusammen. Verantwortlich dafür: die Ähnlichkeit von Eiweißen des allergieauslösenden Birkenpollens mit jenen von Obst oder Gemüse. Das Immunsystem bildet zunächst Abwehrstoffe gegen das Pollenprotein. Weil das Eiweiß von Apfel oder Pflaume diesem so ähnelt, docken die Antikörper auch dort an und lösen dadurch allergische Beschwerden aus. Da Pollenallergien in den letzten Jahren stark zugenommen haben, steigt auch die Zahl der Apfelallergiker.
In Deutschland gibt es Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes zufolge rund elf Millionen Erwachsene mit Heuschnupfen, von denen etwa jeder zweite auch allergisch auf Obst oder Gemüse reagiert.

Mangel an Polyphenolen fördert Kreuzallergie

Nicht jede Apfelsorte hat das gleiche Allergiepotenzial. Unverträglichkeiten werden vor allem von den modernen, gängigen Apfelsorten wie Braeburn, Elstar, Golden Delicious, Jonagold und Granny Smith gemeldet – den typischen Supermarkt-Sorten. Alte Apfelsorten sind dagegen für Allergiker verträglicher als moderne Züchtungen. Denn: Die alten Sorten enthalten mehr Polyphenole. Die sekundären Pflanzenstoffe bewirken, dass der Apfel zwar aromatisch, aber weniger süß ist. Vermutlich verhindern die Polyphenole, dass der Körper die allergieauslösenden Eiweißstoffe aufnimmt. Je mehr Polyphenole ein Apfel enthält, umso besser wird er vertragen. Besonders hoch ist die Polyphenol-Konzentration in der Goldparmäne, der Alkmene oder dem Gravensteiner. In modernen Obstsorten sind die Polyphenole dagegen oft "weggezüchtet", da sie die Äpfel säuerlich machen und den Anschnitt schneller braun werden lassen. Aus ähnlichen Gründen sind auch alte Zwetschgen- und Birnensorten besser verträglich und werden inzwischen wieder kultiviert.

Lieber kochen

Doch nicht nur die Sorte ist ausschlaggebend für die Verträglichkeit, sondern auch die Zubereitung: Geriebene und vor allem gekochte Äpfel werden meist besser vertragen als rohes Obst, weil die allergieauslösenden Eiweiße dabei zerstört werden. Apfelmus, Kompott und Apfelkuchen bereiten Allergikern deshalb kaum Probleme. Die Mikrowelle hat dem Deutscher Allergie- und Asthmabund zufolge eine ähnliche Wirkung. Die Experten empfehlen konkret, den Apfel für eine Minute bei 600 Watt in die Mikrowelle zu geben. Dann sei er noch knackig, aber die Allergenität deutlich verringert.
In einer Studie der Charité entdeckten Wissenschaftler übrigens, dass das Essen alter Apfelsorten auch die Allergieneigung reduzieren kann. Ihr regelmäßiger Verzehr machte Probanden resistenter gegen Problemäpfel und verminderte Heuschnupfen-Symptome.

Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Constanze Löffler

Weitere Infos

weitere Themen der Sendung

Bauchschmerz
imago images/Jochen Tack

Unklare Bauchschmerzen

Jeder 20. Patient, der mit unklaren Bauchschmerzen in die Notaufnahme kommt, verstirbt im Krankenhaus. Die Charité in Berlin will in der Rettungsstelle jetzt neue Wege gehen, um unklare Bauchschmerzen besser diagnostizieren zu können und die Sterblichkeit zu verringern.  

3D Bild eines Fußes (Bild: imago images/Science Photo Library)
imago images/Science Photo Library

Schmerzen im Fuß – welche Therapien helfen

Wer nicht schmerzfrei laufen oder auch nur auftreten kann, ist im Alltag stark eingeschränkt. Doch bevor Therapien wirklich helfen können, muss erst mal klar sein, was dahinter steckt. Die rbb Praxis hat eine Patientin und ihre Ärzte eingeladen, um Licht ins Dunkel ihrer Fußschmerzen zu bringen.

Modell einer Knieprothese (Bild: imago images/Jochen Tack)
imago images/Jochen Tack

Protheseninfektion

Künstliche Gelenke werden nicht durchblutet und besitzen damit auch keine direkte Immunabwehr. Siedeln sich im Gelenk Bakterien an, lockert sich die Prothese infolge der Entzündung und verursacht Schmerzen. Wie bekämpft man die Erreger erfolgreich? Und wie kann man sie ganz vermeiden?

Zimmerpflanze steht auf einem Karton (Quelle: imago/Westend61)
imago/Westend61

Wie gesund sind eigentlich Zimmerpflanzen?

Grünpflanzen sollen angeblich das Raumklima verbessern: Die Schadstoffbelastung sinkt, der Gehalt an Sauerstoff steigt. Doch sind die Pflanzen im Büro wirklich so gesund? Oder schaden sie uns sogar, wenn Schimmel in der Blumenerde wuchert? Die rbb Praxis hat nachgefragt.