3D-Modell der Aorta im menschlichen Körper (Bild: imago images/Science Photo Library)
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- Aorta – die unterschätzte Gefahr

Die Aorta ist die größte Arterie des Körpers und unsere Hauptschlagader. Doch sie kann sich krankhaft erweitern und im schlimmsten Fall auch reißen – mit tödlichen Folgen. Die gute Nachricht: Erweiterungen der Bauchaorta können bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraums frühzeitig erkannt werden - schmerz- und strahlenfrei. Die rbb Praxis berichtet aktuell zum weltweiten Tag der Aortenerkrankungen. 

Die Aortendissektion ist eine lebensbedrohliche und häufig unentdeckte Erkrankung:
Dabei reißt die innere Wandschicht der Aorta plötzlich ein. In den Zwischenraum fließt Blut und vergrößert ihn immer weiter. Durch den Blutstrom hebt sich die mittlere Muskelschicht von der inneren Gefäßschicht der Aorta ab.
Es entsteht somit im Innern der Aorta eine zweite Höhle, in der Blut fließt. In der Folge können Gefäße, die von der Aorta zu anderen Organen wie dem Gehirn führen, verschlossen werden. Es folgen Durchblutungsstörungen mit Nierenversagen, Schlaganfall oder peripheren Durchblutungsstörungen.

Am "Welt-Aortentag" ("Aortic Disease Awareness Day"), dem 19. September, wird es weltweit zahlreiche Veranstaltungen rund um die lebensbedrohliche, aber frühzeitig erkennbare sogenannte Aortendissektion geben. Der internationale Aufklärungs- und Informationstag wurde 2017 von verschiedenen Akteuren ins Leben gerufen, darunter auch Patienten-Selbsthilfegruppen.
Auch in Berlin informieren unter anderem Experten des Deutschen Herzzentrums (DHZB) Patienten, Angehörige, Ärzte, Journalisten und Interessierte über neue Entwicklungen zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung.

Aortendissektion hat viele Ursachen

Ärzte unterscheiden zwei Typen: Bei der Aortendissektion Typ A befindet sich die Aortendissektion in der Nähe des Herzens im Bereich der aufsteigenden Aorta und dem Aortenbogen. Bei Typ B ist die absteigende Aorta betroffen.

Ursachen des Einrisses der inneren Gefäßschicht durch die "Wühlblutung" sind

• angeborene Fehlbildungen
• Arteriosklerose
• Bluthochdruck
• Rauchen
• eine erbliche Veranlagung
• Fettstoffwechselstörungen
• ein fortgeschrittenes Alter
• das männliche Geschlecht

Beim Aneurysma sackt die gesamte Wand der Aorta aus

Bei einem Aneurysma erweitert sich die Schlagader hingegen über eine begrenzte Strecke – meist im Bauchraum. Definitionsgemäß wird eine Erweiterung der Bauchschlagader über drei Zentimeter und der Beckenschlagader über zwei Zentimeter als Bauchaortenaneurysma klassifiziert. Der Durchmesser der Aorta steigt durch die Aussackung immer weiter an, die Wandspannung erhöht sich. Irgendwann reißt die gesamte Gefäßwand und es kann zu schweren inneren Blutungen kommen. Zudem bilden sich in Aneurysmen der Bauchaorta sowie der Arm- und Beinarterien, meist Blutgerinnsel (Thromben). Lösen sie sich ab, gelangen sie mit dem Blutstrom in andere Gefäßabschnitte und verschließen diese.

Hohe Dunkelziffer

Die akute Aortendissektion ist einer der dringlichsten Notfälle in der Herzchirurgie. Denn häufig sammelt sich auch Blut im Herzbeutel. Dann wird das Organ zusammengedrückt, es gelangt kein Blut mehr in den Kreislauf, es kommt zum Herz-Kreislaufversagen. Unbehandelt verläuft sie daher in einem Großteil der Fälle innerhalb von 48 Stunden tödlich. Noch vor 50 Jahren starben alle Betroffenen daran. Heute können die meisten Patienten durch eine rasch eingeleitete Operation in einem spezialisierten Herzzentrum gerettet werden.

Dissektion wird häufig als Herzinfarkt missgedeutet

Bisher ging man davon aus, dass der Riss der inneren Wand der Hauptschlagader ein seltenes Ereignis ist. Eine Studie des Berliner Herzzentrums (DHZB) konnte aber zeigen, dass jährlich hunderte Menschen einer Aortendissektion erliegen, die nicht oder zu spät entdeckt wird. Denn die Gefahr, die von dem Krankheitsbild ausgeht, wird oft unterschätzt. Oder Ärzte interpretieren die Beschwerden eines plötzlich stechenden oder reißenden Vernichtungsschmerzes im Brustbereich oder starke Rückenschmerzen als Zeichen eines Herzinfarkts. Behandeln sie die Patienten dann fälschlicherweise mit Gerinnungshemmern, kann die Blutung der Aortendissektion dadurch beschleunigt und die weitere Versorgung erheblich erschwert werden.

Sicherheit bringt oft erst das CT

Eine schnelle und sichere Diagnose der akuten Aortendissektion ist nicht leicht. Häufig sorgt erst eine Untersuchung mit dem Computertomografen (CT) für Klarheit, der aber nicht überall und schnell genug zur Verfügung steht. Die gute Nachricht ist: Es gibt Möglichkeiten zur Vorbeugung. So erkennen Ärzte bei regelmäßigen Ultraschall-Untersuchungen frühzeitig eine Ausbuchtung der Bauchschlagader.

Gesetzlich krankenversicherte Männer ab 65 Jahren haben seit 2016 sogar Anspruch auf ein einmal durchgeführtes Ultraschallscreening zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen. Denn wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass bei etwa vier bis acht Prozent der Männer über 65 Jahre ein Bauchaortenaneurysma vorliegt. Von den Frauen dieser Altersgruppe sind nur etwa 0,5 bis 1,5 Prozent betroffen.

Ultraschall geht schnell und ist harmlos

Bei dem Ultraschall tastet der Haus- oder Facharzt zunächst den Bauch ab. Dann folgt eine etwa zehnminütige Untersuchung. Die Patienten müssen dazu ihren Oberkörper frei machen und sich auf die Untersuchungsliege legen. Der Arzt trägt ein Kontaktgel auf und führt den Ultraschallkopf über die Haut. Die Untersuchung ist schmerzlos, strahlenfrei, risikolos und ohne Nebenwirkungen. Das Kontaktgel wird nach der Untersuchung wieder abgewischt.

Wegen möglicher erblicher Veranlagungen fragt der Arzt zudem die Krankheitsbilder in der Familie ab. Stellt sich beim Ultraschall heraus, dass die Aorta erweitert ist, wird der Patient zum Facharzt überwiesen – und die Gefäßaussackung je nach Schweregrad unterschiedlich behandelt. Bei einem Durchmesser von drei Zentimetern sollte der Patient alle zwei Jahre kontrolliert werden, bei vier Zentimetern schon einmal jährlich. Ab fünf Zentimetern muss die Gefäßerweiterung operiert werden, um das Bersten der Schlagader zu vermeiden.

 

OP an der Aorta

Hierzu gibt es zwei verschiedene Verfahren: Bei der konventionellen oder offenen Operation erfolgt die Eröffnung des Bauches. Oberhalb und unterhalb der Gefäßerweiterung wird das Blutgefäß abgeklemmt, längs geöffnet und eine Gefäßprothese als Ersatz eingenäht. Nach Freigabe des Blutstromes wird die ursprüngliche Gefäßwand zum Schutz der umgebenden Organe wieder um die Prothese gelegt und vernäht.

Zweites Verfahren: Das sogenannte endovaskuläre Verfahren mit der Stent-Prothese. Hier wird über die Leistenschlagader eine durch Draht verstärkte künstliche Prothese von innen in das Aneurysma eingebracht. Der Eingriff ist schonender, weil die Bauchhöhle nicht eröffnet wird. Nachteilig ist eine regelmäßige, oft lebenslange Überwachung. Während die offene Operation in allen Fällen möglich ist, eignet sich eine Stent-Prothese in 70 bis 85 Prozent der Fälle.

Filmbeitrag: Anja Herr
Infotext: Beate Wagner

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