Frau hält sich vor Schmerzen den Bauch (Bild: Colourbox)
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- Schwierige Diagnose: Histamin-Intoleranz

Die Symptome sind vielfältig: Die Betroffenen haben nach dem Essen mit Bauchkrämpfen, Durchfällen und Übelkeit aber auch mit Hautrötungen, Nesselsucht, Kopfschmerzen und Schwindel zu kämpfen. Grund: Betroffene können Histamin aus der Nahrung nicht abbauen. Eine Histamin-Intoleranzlässt sich nicht immer leicht diagnostizieren und auf der Suche nach der richtigen Diagnose fühlen sich viele falsch verstanden. Wir haben eine Patientin begleitet.

Bei einer Histam-Intoleranz ist der Körper nicht in der Lage, das über die Nahrung aufgenomme Histamin abzubauen. Insbesondere bei Frauen zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr kann die Stoffwechselerkrankung auftreten. Linderung schafft eine histaminarme Diät oder die Vermeidung von Nahrungsmitteln, die das körpereigene Histamin freisetzen.

Der Botenstoff Histamin

Histamin ist ein wichtiger Botenstoff im menschlichen Körper, der u.a. an der Regulierung des Blutdrucks, der Körperwärme und des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt ist. Verschiedene Zellen im Körper können ihn bilden und speichern. Histamin entsteht als Abbauprodukt der Aminosäure Histidin, wird aber auch über die Nahrung aufgenommen. Insbesondere Nahrungsmittel, bei deren Reifung Bakterien beteiligt sind, enthalten Histamin wie z.B. Wein, Käse und Sauerkraut.

Im gesunden Körper wird der Histaminhaushalt reguliert, bei einer Intoleranz kann der Körper dies nicht mehr leisten und reagiert mit einer allergischen Reaktion: Hautrötungen und Nesselsucht aber auch Symptome wie Bauchkrämpfe, Übelkeit bis hin zu Kopfschmerzen und Schwindel können die Folge sein.

Eine schwierige Diagnose

Der Leidensweg von Histamintoleranz-Patienten ist oft lang und mit viel Ungewissheit und Rückschlägen verbunden, da eine eindeutige Diagnose schwer und aufwendig ist. Weil es kein eindeutiges diagnostisches Verfahren gibt, um eine Histaminintoleranz zu verifizieren, muss man viele andere Krankheitsbilder diagnostisch ausschließen. Dazu gehören eine Reihe von Lebensmittelallergien bis Erkrankungen im Magen- und Darmbereich und Parasitenbefall.

Dr. Matthias Robert

Eine Histaminintoleranz lässt sich nicht durch einen einfachen Test nachweisen. Eine umfassende Diagnose ist erforderlich, um andere Erkrankungen wie Magengeschwüre, Glutenunverträglichkeit und Reizdarm auszuschließen.

Dr. Matthias Robert ist Internist und hat sich auf Nahrungsmittelunverträglichkeit und Histaminintoleranz spezialisiert. Die Patienten, die zu ihm kommen, haben nicht nur eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Was viel schlimmer ist: Oft wurden sie nicht ernst genommen oder haben falsche Diagnosen erhalten.

Diagnose Histaminintoleranz: Was nun?

Kathrin Philipp (34 Jahre) aus Berlin-Friedenau erging es so. Lange plagte sie sich mit Bauchschmerzen, Durchfall, juckender Haut, niedrigem Blutdruck, morgens war das Gesicht geschwollen. Rotwein hat sie nicht vertragen, Sojaprodukte ebenfalls nicht. Und immer wieder Magenschmerzen bis hin zu Geschwüren. Neben einer Histaminintoleranz konnte Dr. Robert bei Kathrin Philipp noch Lebensmittelallergien gegen Zitrusfrüchte, Getreide und Steinobst feststellen. Doch nicht nur die Diagnose ist schwierig, sondern auch die Therapie, da sie so individuell ist:

Diaminoxidase ist ein Enzym in der Darmschleimhaut das für den Abbau von Histamin in Lebensmitteln zuständig ist. Wenn bei Histaminintoleranz –Patientinnen das Fehlen dieses Enzyms verantwortlich ist für den schlecht regulierten Histaminhaushalt, helfen Diaminoxidas-Präparate.

Ansatzpunkt: Ernährung

Doch bei Kathrin Philipp ist der Wert des Enzyms in der Darmschleimhaut normal. Dr. Robert kooperiert in solchen Fällen mit der Ernährungsberaterin Jessica Scheugenpflug. Die führt mit jedem Histaminintoleranz-Patienten ein individuelles Diät-Programm durch. Jeder Krankheits-Verlauf ist anders und muss über einen längeren Zeitraum begleitet werden. Kathrin Philipp bekommt von Frau Scheugenpflug eine sechswöchige pseudoallergene Ernährung verordnet. Bereits nach zwei Wochen tritt Besserung ein.

Die 34-jährige Judith Jäckel aus Berlin-Reinickendorf ist ebenfalls durch die Behandlung von Dr. Robert in der Ernährungsberatung von Frau Scheugenpflug. Ihr Körper produziert nicht das für den Histaminabbau erforderliche Enzym Diaminoxydase. Auch ihr hilft nur eine histaminarme Ernährung. Hinzu kommt, dass Stress im Alltag immer wieder zu neuen Schüben führt. Nur die konsequente Einhaltung der Diät verschafft Linderung. Doch damit lässt es sich leben.

Und: Endlich herrscht Gewissheit und ihr Krankheitsbild wird ernst genommen.

Filmbeitrag: Thomas Ruge

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