Mann fast sich schmerzverzerrt vorn auf Brust (Bild: Colourbox)
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- Sodbrennen – was ist da los in Magen und Speiseröhre?

Fast jeder kennt es – das unangenehme Brennen in der Brust, wenn wir zu viel oder zu hastig gegessen haben. Doch dauerndes Sodbrennen ist nicht nur lästig – der permanente Säureangriff erhöht zum Beispiel das Risiko von Krebs in der Speiseröhre. Zur genauen Diagnosestellung gehört eine Magenspiegelung. Die rbb Praxis ist live bei so einer Untersuchung dabei und zeigt natürliche Helfer gegen Sodbrennen.

Saures Aufstoßen und Schmerzen wie Feuer im Brustkorb nach dem Essen und im Liegen: Sodbrennen ist eine Volkskrankheit. Experten sprechen von Reflux. Manchmal reichen schon Stress, zu viel Kaffee, Wein, Schokolade, Fruchtsäfte oder saure Gurken, um das quälende Wohlstandsübel auszulösen. Hierzulande leidet etwa jeder Dritte unter Sodbrennen. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Zahl der Betroffenen in Deutschland verzehnfacht.

Wenn der Lebensstil Bauchschmerzen macht

Für gelegentliches Sodbrennen kann eine durchzechte Nacht oder fettes Essen verantwortlich sein. Das Fett im Magen sorgt dafür, dass die Magensäure aufsteigt und in die Speiseröhre gedrückt wird. Bei etwa jedem zweiten Betroffenen fließt mindestens einmal pro Woche schmerzhaft Verdauungssaft aus dem Magen in die Speiseröhre zurück – und das meist jahrelang. Hier ist oft nicht ein bestimmtes Lebensmittel als Auslöser auszumachen, sondern die gesamte Lebensführung.

Risikofaktoren für Sodbrennen sind:
• Übergewicht,
• der Verzehr von säurehaltigen bzw. "scharfen" Getränken wie Zitrussäften und Spirituosen
• scharfe Speisen,
• Stress,
• selten: genetische Faktoren.

Organische Ursachen

Dazu zählen:

1) ein erschlaffter unterer Speiseröhrenmuskel: Beim Gesunden hindert dieser so genannte Ösophagussphinkter Verdauungssäfte daran, aus dem Magen in die Speiseröhre zurückzufließen, indem er eine Druckbarriere schafft. Beim Refluxkranken ist das Druckgefälle jedoch aufgehoben. Das Zurückschwappen des Magenbreis in die Speiseröhre wird somit begünstigt. Die Schleimhaut am Übergang der Speiseröhre zum Magen wird angegriffen. Es entstehen Entzündungen, im schlimmsten Fall die Barret-Schleimhaut als eine Vorstufe zum Krebs.

2) eine zu große Zwerchfelllücke: Die Speiseröhre hat dann beim Durchtritt vom Brust- in den Bauchraum zu viel Platz. Ist der Befund ausgedehnt, drückt sich sogar ein ganzer Teil des Magens durch das Loch hinauf in Richtung Speiseröhre. Experten nennen das "Hiatushernie" oder "Zwerchfellbruch".

Um den genauen Auslöser zu ermitteln, die entstandenen Entzündungen zu begutachten oder ernsthafte Probleme wie Krebs auszuschließen, arbeiten Experten mit verschiedenen Methoden:
• Magenspiegelung (Gastroskopie),
• Röntgenuntersuchung,
• Druckmessung.

Antworten direkt aus dem Magen

Die Magenspiegelung, auch Gastroskopie genannt, ist eine oft gefürchtete, aber eigentlich sanfte Untersuchung, um das Ausmaß und den Grad der Entzündung zu bestimmen. Sie dauert etwa 20 Minuten und der Patient kann ein Beruhigungsmittel erhalten, sodass er nichts mitbekommt. Herz und Kreislauf werden während der Untersuchung genau kontrolliert.

Dann untersucht der Magen-Darm-Experte mit einer flexiblen Sonde mit integrierter Optik die Speiseröhre, den Magen und den oberen Teil des Zwölffingerdarms. Ist der Magen erreicht, bläst er über den Luftanschluss zudem ein spezielles Luft-Gas-Gemisch in den Magen. Durch die Ausdehnung werden die Strukturen besser sichtbar. Während der Untersuchung kann so der Untersuchende nicht nur einen direkten Blick in Magen oder Speiseröhre werfen, sondern auch Sekret- und Gewebeproben aus der Speiseröhrenschleimhaut entnehmen. Die entnommenen Proben werden vom Pathologen untersucht. In dieser Feingewebeuntersuchung der Proben kann festgestellt werden, ob ein Krebsrisiko besteht. Nach der Untersuchung darf der Untersuchte kein Fahrzeug steuern, sondern muss sich abholen lassen.

EU-weiter Rückruf: Magensäureblocker mit Ranitidin

Wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) am 17.09.2019 mitteilte, werden in der Europäischen Union einige Medikamente mit dem Wirkstoff Ranitidin zurückgerufen. Die Medikamente werden als Magensäureblocker bei Sodbrennen, zur Behandlung von Refluxerkrankungen und zur Prophylaxe von Magengeschwüren eingesetzt.

Hintergrund des Rückrufs: Im Rahmen einer vorsorglichen Untersuchung seien in Medikamenten mit diesem Wirkstoff geringe Spuren des Stoffes N-Nitrosodimethylamin (NDMA) nachgewiesen worden. Der wird von der Internationalen Agentur für Krebsforschung der WHO und der EU als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft.

Das genaue Ausmaß der Verunreinigung ist noch unklar. Zurückgerufen werden alle Arzneimittel-Chargen, die Renatidin des Herstellers Saraca Laboratories Limited enthalten. Allerdings könnte auch der Wirkstoff anderer Hersteller betroffen sein, so das BfArM.

abda.de - Liste betroffener Medikamente

Eine Liste der bislang betroffenen Medikamente ist unter diesem Link bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände (ABDA) zu finden, sie wird ständig aktualisiert.

Das BfArM erklärt in seiner Mitteilung ausdrücklich, dass ein akutes Risiko für Patienten nicht bestehe. Bitte setzen Sie Medikamente nicht einfach ab, sondern kontaktieren Sie Ihren Arzt!

Protonenpumpenhemmer (PPI) – langfristig mitunter ein Risiko

Gelegentliches Brennen lässt sich durch so genannte Antazida oder "Säurepuffer" unterbinden. Sie sind freiverkäuflich in der Apotheke erhältlich und neutralisieren die Magensäure. Längerfristig verschreibt der Arzt so genannte Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI). Sie setzen schon früher an und unterdrücken die Bildung der Säure im Magen. Zwar sind einige PPI-Wirkstoffe mittlerweile ebenfalls rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Allerdings sollte das Medikament ohne ärztliche Beratung nicht länger als zwei Wochen eingenommen werden.

PPI sollten außerdem möglichst keine Dauermedikation sein, sondern die Dosis muss nach Bedarf angepasst werden. Zudem raten Experten, sie immer "auszuschleichen" statt die Medikamente auf einmal abzusetzen. Sonst schüttet der Körper nach dem ruckartigen Absetzen verstärkt Magensäure aus. Nicht zuletzt sollten die Mittel nicht großzügig bei leichten Beschwerden wie "Magendrücken" oder einem Reizmagen eingenommen werden, sondern nur bei tatsächlich nachgewiesenen Entzündungen.

PPI-Dauereinsatz kann Nähstoffaufnahme verhindern

Durch eine Dauertherapie mit PPI kann möglicherweise auch ein Vitamin B12-Mangel auftreten. Denn die Magensäureblocker können die Aufnahme von Vitamin B12 hemmen, aber auch die von bestimmten Spurenelementen wie Eisen oder Magnesium. Herrscht hier ein Mangel, kann man das aber mit entsprechenden Präparaten ausgleichen. Wer PPI mehr als zwei oder drei Jahre einnimmt, sollte deshalb einmal seinen Vitamin-B12 Spiegel bestimmen lassen.

Tipps für den Alltag

Leichte Beschwerden lassen sich oft durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten gut in den Griff bekommen. Einige Tipps helfen, Sodbrennen zu vermeiden:

• Übergewicht abbauen.
• Speisen oder Getränke vermeiden, die Reflux auslösen. Oft werden Süßigkeiten (insbesondere Schokolade), Weißwein, Fette oder Kaffee als Auslöser genannt.
• Drei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen auf üppige Mahlzeiten verzichten.
• Kleinere Mahlzeiten auf den Tag verteilt zu sich nehmen.
• Abends auf Alkohol und Rauchen verzichten, beides lässt den Schließmuskel am Mageneingang erschlaffen.
• Nachts mit erhöhtem Oberkörper schlafen, dadurch wird der Rückfluss des Speisebreis erschwert.
• Hosenträger statt eines einengenden Gürtels benutzen.
• Vermehrt im Stehen arbeiten, da die Sitzhaltung den Druck im Bauchraum erhöht.

Hausmittel gegen Sodbrennen

• Mandeln: Dafür die Mandeln zerdrücken oder mahlen. Dann die Masse mit einem Schluck Milch zu einem Brei verrühren. Er verspricht Erleichterung, wenn es in der Speiseröhre brennt.
• Äpfel: Einen Apfel reiben und das Mus an der Luft braun werden lassen. Schon ein paar Löffel davon sollen reichen, um das feurige Gefühl im Bauch zu unterdrücken.
• Tee: Trinken Sie bei Sodbrennen warmen Kamillen-, Kümmel- oder Fencheltee. Pfefferminztee sollten Sie hingegen meiden.
• Heilerde: Ein bis zwei Teelöffel Heilerde in einem Glas mit Leitungswasser aufrühren. Oder Heilerde im Mund allmählich zergehen lassen oder als Kapsel einnehmen.
• Wasser: Kann die Säure wegspülen
• Natron: Bei manchem kann es den Reflux verstärken, da es zu einem "Blähbauch" führen kann.

Infotext: Beate Wagner

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