Frau misst Blutdruck (Quelle: imago/blickwinkel)
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- Niedriger Blutdruck – harmlos oder gefährlich?

Müdigkeit oder Schwindelgefühle sind typische Beschwerden bei niedrigem Blutdruck. In den meisten Fällen ist die so genannte "Hypotonie" harmlos und eher günstig für den Körper. Gegen die unangenehme Begleiterscheinung helfen sportliche Bewegung und Kneipp-Kuren. Gelegentlich weist ein niedriger Blutdruck auch auf eine schwere Erkrankung hin. Die rbb Praxis informiert.

Normalerweise haben wir Deutschen ein Problem mit zu hohem Blutdruck. Fast jeder dritte Erwachsene ist betroffen. Manche Menschen leider aber auch unter einem zu niedrigen Blutdruck (WHO-Definition: < 110/70 mmHg bei Männern, < 100/60 mmHg bei Frauen). Hierzulande sind schätzungsweise zwischen drei und fünf Prozent betroffen. Die meisten haben damit keinerlei Probleme. Eine regulative Hypotonie findet sich bei gut trainierten Menschen, der Kreislauf befindet sich bei Ihnen in Ruhe in einer Art Schonstellung. Einigen Betroffenen wird jedoch schwindelig, manche fallen sogar in Ohnmacht. Weitere typische Symptome eines niedrigen Blutdrucks sind Müdigkeit, Antriebslosigkeit, kalte Hände und Füße. Oft sind die betroffenen Patienten weiblich, jung, groß und schlank.

Primäre Hypotonie

Von dieser häufigsten Form des niedrigen Blutdrucks sind vor allem jüngere, schlanke Frauen betroffen. Der Befund tritt familiär gehäuft auf und hat keinen Krankheitswert.

Sekundäre Hypotonie (niedriger Blutdruck durch Auslöser)

Gelegentlich kann ein niedriger Blutdruck auch auf Herzprobleme oder eine übertriebene Medikation hinweisen. Medikamente wie Entwässerungsmittel, Psychopharmaka oder Parkinson-Arzneien können sekundäre Hypotonien auslösen. Auch hormonelle Störungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine nicht-intakte Nebenniere führen zu einem erniedrigten Blutdruck. Flüssigkeitsmangel und langes Liegen sind weitere Gründe. Gelegentlich weist ein niedriger Blutdruck auf Herzerkrankungen hin. Dazu gehören
• Aortenklappenstenose (verengte Aortenklappe)
• Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
• Herzrhythmusstörungen
• Pulmonale Hypertonie (erhöhter Lungendruck)
• Konstriktive Perikarditis (Panzerherz)

Orthostatische Hypotonie

Bis zu einem Viertel der Menschen über 65 Jahre leiden unter einer besonderen Form des niedrigen Blutdrucks, der so genannten orthostatischen Hypotonie. Bei ihnen ist die Blutdruckregulation gestört; der Blutdruck fällt innerhalb kurzer Zeit abrupt ab. Beim Aufstehen oder Hochkommen aus dem Liegen sinkt der Blutdruck, ihnen ist schwindlig und sie fühlen sich benommen. Ursache ist ein "Versacken" des Blutes in den venösen Gefäßen. Treten diese "Anfälle" häufiger auf, steigt die Gefahr zu stürzen. Deshalb sollten Betroffene mit ihrem Arzt klären, ob für sie möglicherweise blutdrucksteigernde Medikamente sinnvoll sind.

Komplexe Angelegenheit

Die Regulation des Blutdrucks ist eine komplexe Angelegenheit. Hormone spielen ebenso eine Rolle wie das vegetative Nervensystem. Weitere wichtige Faktoren sind u. a. Stresshormone, Gefäßtonus und Blutvolumen, Trainingszustand des Körpers und Muskelkraft. Zu den Faktoren, die auf den Kreislauf "drücken" und vor allem für Menschen mit einer Kreislaufschwäche problematisch sind, gehören
• langes Stehen,
• Hitze,
• Stress,
• Schmerzen sowie
• Sauerstoff- und Flüssigkeitsmangel.
So reagieren beispielsweise Rezeptoren in der Niere auf die verminderte Flüssigkeitsmenge im Körper. Die Nebennierenrinde schüttet daraufhin Hormone aus, die den Kreislauf "runterfahren".

Blutdruck messen

Blutdruck messen ist eine einfache Sache. Armmanschette anlegen, aufpumpen und mit dem Stethoskop hören, wann erstens das Blut wieder ungehindert durch die Armschlagader fließt und wann zweitens die Strömungsgeräusche vollständig verschwinden. Der höhere systolische Druck ergibt sich, wenn das Herz sich zusammenzieht, um das Blut in die Arterien und damit in den Körper zu pumpen. Der niedrigere, diastolische Druck besteht, wenn das Herz erschlafft, um sich mit Blut zu füllen. Ein Blutdruck von 120 zu 80 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) entspricht dem Blutdruck bei Gesunden. Dabei liegt die Systole bei 120 mmHg, die Diastole bei 80 mmHg. Generell sollten die Werte bei maximal 90 und 140 mmHg liegen. Die Einheit hat ihren Ursprung in älteren Blutdruckmessgeräten, die den in der Armmanschette auftretenden Druck durch eine Quecksilbersäule mit Millimeterskala anzeigen.

Schellong-Test

Die Untersuchung hilft Kreislaufbeschwerden abzuklären, die vor allem bei Lagewechsel auftreten. Der Test kann ohne besondere Vorbereitungen durchgeführt werden. Er erfolgt in drei Schritten:
• Man liegt 10 Minuten entspannt auf einer Liege, damit sich der Kreislauf auf ein stabiles Ruheniveau einstellt.
• Dann werden Blutdruck und Puls im Liegen gemessen.
• Danach steht man zügig auf und bleibt 10 Minuten lang stehen. Während dieser Zeit werden jede Minute erneut Blutdruck, Herzschlag und Puls gemessen.

Bei normaler Kreislaufregulation steigen Puls und Herzschlag nach dem Aufstehen leicht an, der Blutdruck bleibt weitgehend stabil. Eine Kreislaufregulationsstörung oder orthostatische Dysregulation liegt vor, wenn es nach dem Aufstehen der Blutdruck stärker abfällt.

Das stabilisiert den Blutdruck

Bewegung, Sauna, Wechselduschen regen die Gefäße an, sich zusammenzuziehen und stabilisieren den Blutdruck. Gerade in der warmen Jahreszeit trinken viele Menschen zu wenig. Die Flüssigkeit vergrößert die Menge des Blutvolumens und hebt dadurch den Blutdruck an. Kurzfristig hilft auch Kaffee. Allerdings wirkt Koffein nur vorübergehend an den Rezeptoren, die an der Steuerung des Blutdrucks beteiligt sind. Ähnliches gilt übrigens auch für andere Muntermacher wie Guarana, Energy-Drinks oder Sekt.

Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt folgende Maßnahmen, damit der Blutdruck auf natürliche Weise ansteigt:
• etwas mehr Kochsalz verwenden
• 2 bis 2,5 Liter Wasser pro Tag trinken
• Ausdauertraining
• Kraftsport
• Wechselduschen
• Urlaub an der See oder im Gebirge

Filmbeitrag: Ursula Stamm
Infotext: Constanze Löffler

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