3D-Abbildung von Bakterien (Bild: imago images/Science Photo Library)
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- Sepsis – gefährliche Blutvergiftung

Als Warnzeichen für eine Blutvergiftung benennt der Volksmund nicht selten einen "roten Strich" am Arm, der sich Richtung Herz ausbreitet. Doch dies ist ein Irrglaube: Nur in sehr seltenen Fällen kann so eine streifenförmige Entzündung der Lymphgefäße zu einer Sepsis führen. Viel häufiger wird eine drohende Blutvergiftung nicht erkannt. Und das kann im schlimmsten Fall zu einer tödlichen Gefahr werden.

Die Sepsis ist ein akutes Krankheitsbild: Alle sechs bis sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch daran. Auslöser sind Bakterien, die sich bei Infektionen wie Lungenentzündung, Harnwegsinfektionen oder Verletzungen vermehrt im Körper ansammeln. Breiten sich die Keime überall im Körper aus, droht das gesamte Organsystem zusammenzubrechen.

Typische Symptome können sein:
• Hohes Fieber oder eine Körpertemperatur unter 36 Grad Celsius,
• Schüttelfrost
• Verwirrtheit,
• beschleunigte Atmung,
• erhöhte Herzfrequenz,
• schlechter Allgemeinzustand, sowie eine blasse oder graue Haut.

Schleichende Bedrohung - manchmal bis es zu spät ist

Nicht selten verläuft eine generalisierte Blutvergiftung jedoch anfangs ganz ohne Symptome, oder nur mit sehr unspezifischen Beschwerden. Bleibt eine Sepsis unbehandelt, führt sie schnell zur Beeinträchtigung und schließlich zum Versagen verschiedener Organe. So kann es bei einer Blutvergiftung durch eine Leberstörung schnell zu einer Gelbfärbung (Ikterus) der Haut kommen. Eine Sepsis kann die Nieren schädigen, der Patient scheidet dann immer weniger Harn aus. Irgendwann gibt es ein völliges Nierenversagen.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt laufen die Prozesse einer Sepsis im Körper ab, ohne dass Ärzte darauf noch Einfluss nehmen könnten. Das macht die Sepsis so gefährlich. In ihrer bedrohlichsten Form fällt der Blutdruck dann auf extrem niedrige Werte. Schuld daran ist eine durch Entzündungsbotenstoffe ausgelöste, starke Erweiterung der Blutgefäße. Die Organe werden über den Blutstrom nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und versagen. Man spricht von einem Multiorganversagen durch einen septischen Schock. Dieser nimmt dann unumkehrbar seinen Lauf und endet oft im Tod. Auch bei intensivmedizinischer Behandlung liegt die Sterblichkeit bei einem septischen Schock noch bei etwa 60 Prozent.

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Eine rasante Dynamik kann auf eine Sepsis hinweisen

Ein entscheidender Hinweis auf eine Sepsis kann die Dynamik des Krankheitsverlaufs sein: Verschlechtert sich der Allgemeinzustand des Patienten sehr schnell, müssen Ärzte immer sofort an eine Sepsis denken. Bisher gibt es keinen Goldstandard an diagnostischen Tests zur Sicherung der Diagnose "Sepsis".

Als ein wichtiges Hilfsmittel gilt der "qSOFA-Score" (quick sequential organ failure assessment score): Mit diesem Score wurde ein Messinstrument geschaffen, das eine Früherkennung einer Sepsis ermöglicht. Er soll primär im Rettungsdienst, in Notaufnahmen, aber auch in Pflegeheimen zur Anwendung kommen. Der Score bezieht drei wichtige Kriterien mit ein, die auf eine Sepsis hindeuten: erhöhte Atemfrequenz, ein Blutdruck unter 100 und Bewusstseinsveränderungen. Für diese erste Abschätzung, ob eine Sepsis vorliegen könnte, werden keine Labortests benötigt.
Die einzig wirksame und unverzichtbare Therapie bei einer Sepsis sind frühzeitig Antibiotika. Die erste Diagnose sollten Ärzte daher so schnell wie möglich mit Laborwerten, bildgebenden und klinischen Befunden sichern.

Filmbeitrag: Carola Welt
Infotext: Beate Wagner

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