Tropf bei Chemotherapie gegen Krebs (Bild: imago images/ZUMA Press)
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- Test bei Brustkrebs: Ist eine Chemo notwendig?

Wer die Diagnose Brustkrebs erhält, ist wie vor den Kopf gestoßen. Dennoch müssen rasch wichtige Entscheidungen getroffen werden - ob zum Beispiel neben einer Operation auch eine Chemotherapie erfolgen muss. Seit einiger Zeit gibt es verschiedene Tests, die Ärztinnen und Frauen die Entscheidung erleichtern können. Einer soll jetzt von den Kassen übernommen werden.

70.000 Frauen erkranken jedes Jahr neu an Brustkrebs, fast 18.000 sterben daran. Bei Frauen mit früh erkanntem Brustkrebs kann der Tumor durch eine Operation oft vollständig entfernt werden. Häufig wird die Brust zusätzlich bestrahlt. Es kann aber sein, dass es dennoch zu einem Rückfall innerhalb von zehn Jahren nach der Operation kommt. Um das zu vermeiden, kann daher zusätzlich eine Chemotherapie nach der OP nötig sein – auch, wenn selbst so nicht alle Rückfälle vermieden werden können.

Giftige Substanzen schädigen auch gesunde Zellen

Die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie ist nicht leicht, denn die Behandlung mit hochgiftigen Substanzen kann erhebliche Nebenwirkungen, Belastungen und Risiken bergen:
• Haarausfall
• Zerstörung von Blut- und Schleimhautzellen,
• ein geschwächtes Immunsystem,
• Übelkeit und Erbrechen,
• eine beträchtliche psychische Belastung,
• Langzeitfolgen wie Nerven- und oder Herzschäden, Unfruchtbarkeit oder Zweittumoren.

Rückfallrisiko per neuem Test möglichst genau bestimmen

• Je höher das Risiko ist, desto eher empfehlen Experten eine Chemotherapie. Dann gehen sie davon aus, dass die Vorteile einer Chemotherapie die Nachteile überwiegen.
• Je niedriger das Risiko ist, desto eher raten die Ärzte von einer Chemotherapie ab. Denn dann sie gehen davon aus, dass die Nachteile einer Chemotherapie die Vorteile überwiegen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat daher im Juni 2019 beschlossen: Einer von insgesamt vier Biomarkertests auf dem Markt wird künftig von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Mit diesen Markertests können Ärzte das Risiko für einen Rückfall besser einschätzen.

Nur der sogenannte "Oncotype DX"-Test verfügt über die aktuellsten Studien. Obwohl das Gewebepräparat für die Auswertung in die USA geschickt werden muss, entschied sich der Gemeinsame Bundesausschuss für diesen Test. Bisher erfolgt die Erstattung noch nicht problemlos, da die Voraussetzungen für die Abrechnung erst in den kommenden Monaten geschaffen wird. Bis dahin bleibt die Kostenübernahme noch eine Einzelfallentscheidung.

Nur bei frühem Brustkrebs angezeigt

Unter Biomarkertests versteht man die molekularbiologische Analyse von Brustkrebsgewebe. Der sogenannte Genexpressionstest zeigt etwa, ob bestimmte Gene, die einen Rückfall wahrscheinlicher machen, besonders aktiv sind. Der Test darf nur bei einem hormonempfindlichen frühen Brustkrebs angewendet werden, der auf einen bestimmten Bereich begrenzt ist und noch nicht in anderes Gewebe oder Organe gestreut hat.

Der Test darf allerdings nur dann eingesetzt werden, wenn die Experten die Empfehlung für oder gegen eine zusätzliche systemische Chemotherapie anhand der klinischen und pathologischen Kriterien allein nicht eindeutig geben können. Bei der Bestimmung des Rückfallrisikos ohne den Biomarker-Test berücksichtigen die Ärzte routinemäßig Informationen zu folgenden klinischen Faktoren und Tumoreigenschaften:
• Hormonempfindlichkeit für Hormone wie Östrogen und Progesteron,
• Differenzierungsgrad der Tumorzellen (Stärke der Tumorzellveränderung), Wachstumskennzahl (Ki67-Wert),
• Wachstumsfaktorrezeptor (HER2/neu-Ausprägung),
• Tumorgröße,
• Lymphknotenbefall,
• Alter und Menopausalstatus der Patientin.

Unnötige Chemo verhindern

In einigen Fällen ist das Ergebnis nach einer routinemäßigen Bestimmung des Rückfallrisikos so deutlich, dass der Arzt ohne Test eine klare Empfehlung aussprechen kann. In anderen Fällen kann die Empfehlung nicht eindeutig ausfallen. Wird dann der Test durchgeführt, lässt sich das Risiko für einen Rückfall anhand folgender Referenzwerte einschätzen:
• Ein niedriges Risiko für einen Rückfall ergibt sich bei einem Wert von 0 bis 10.
• Ein mittleres Risiko ergibt sich bei einem Wert von 11 bis 25.
• Ein hohes Risiko ergibt sich bei einem Wert größer als 25.

Der bald von der Gesetzlichen Krankenkasse bezahlte Test soll dazu führen, dass weniger Frauen unnötigerweise eine Chemotherapie erhalten – und so zusätzliche Belastungen durch die Behandlung ertragen müssen.

Filmbeitrag: Sybille Seitz
Infotext: Beate Wagner

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