Mann hält sich den Rücken (Quelle: Colourbox)
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- Gleitwirbel – Was kann die Schmerzen lindern?

Beim "Wirbelgleiten" sind die Gelenke der Wirbelsäule instabil. Dadurch verschieben sich die Wirbel leicht. Oft sind es Verschleißerscheinungen, selten gibt es auch angeborene Ursachen. Die Beschwerden lassen sich durch Schmerztherapie, Krankengymnastik aber auch Elektrotherapie gut in den Griff bekommen. Doch wann ist eine Operation wirklich erforderlich?

Starke Rückenschmerzen, Lauf- und Gehschmerzen oder Beschwerden bei den kleinsten Tätigkeiten im Alltag werden unter Umständen durch das sogenannte Wirbelgleiten ausgelöst. Meist ist ein Wirbelkörper in der Lendenwirbelsäule betroffen. Experten sprechen von Spondylolithesis. Dabei verschieben sich Wirbel gegeneinander, ein oder mehrere Wirbelkörper gleiten samt benachbarten Strukturen
• wie Bogenwurzel
• Querfortsätze
• betroffene Gelenkfortsätze.

Verschiebt ein Wirbelkörper sich gegenüber anderen Strukturen der Wirbelsäule nach vorn oder hinten, können das Rückenmark oder Nerven eingeengt werden.
Die Folgen sind teils dauerhafte:
• Schmerzen
• Lähmungen
• Taubheitsgefühl,
• Gefühlsstörungen.

Eine Sonderform ist die Entstehung der zentralen Spinalkanaleinengung (Stenose) bei älteren Menschen. Die Betroffenen können nur noch unzureichend laufen.

Nicht alle Betroffenen haben Beschwerden

Insgesamt sind etwa drei Prozent der Bevölkerung betroffen, in Deutschland also etwa 2,4 Millionen Menschen. Nicht alle entwickeln Symptome, bei vielen Menschen bleibt das Krankheitsbild symptomatisch stumm. Experten unterscheiden verschiedene Formen des Wirbelgleitens:
• angeborene und erworbene Formen bei Kindern/Jugendlichen oder jungen Erwachsenen
• degenerative Form des älteren Patienten (>60. Lebensjahr)
• seltene traumatische Formen
• Wirbelgleiten nach einer Operation

Werden durch das Wirbelgleiten zudem die Bandscheiben verschlissen, kommen zusätzliche Rückenschmerzen hinzu. Die Bandscheibe verliert an Höhe und Elastizität, ein Bandscheibenvorfall droht.

Behandlungsalternativen zur OP

Anders als nötig wird ein Wirbelgleiten oft viel zu schnell operiert. Für leichtere Fälle gibt es verschiedene sanfte Methoden:
• körperliche Schonung unter Aufrechterhaltung der Mobilität
• schmerz- und entzündungslindernde Medikamente, um die Beschwerden zu reduzieren (hier werden verschiedene Medikamente miteinander kombiniert)
• krankengymnastische und physikalische Anwendungen: Ziel ist die Beschwerdereduktion durch Entspannung, Dehnung und Wiedererlangung der Rumpfbalance
• Akupunktur zur Schmerzlinderung
• gezielte wirbelsäulennahe Infiltrationen an die betroffenen Wirbelgelenke und bedrängten Nervenstrukturen
• intensives Training der Rückenmuskulatur zur Stärkung der Muskulatur und Stabilisation des Gleitwirbels
• Radiofequenztherapie: Hier führt ein Schmerztherapeut über eine Nadel hochfrequenten Strom bis zu 500.000 Hz an das zu behandelnde Wirbelsäulengelenk heran, das Gewebe erhitzt sich, winzige Nervenendungen an den Gelenkflächen werden so verödet, die Schmerzweiterleitung wird unterbrochen
• Pilates, Yoga, Gerätetraining, EMS- oder Personal-Training/Coaching: Maßnahmen, um die Kraftverteilung auf die Wirbelsäule zu optimieren und diese größtmöglich zu schonen

Jeder Fall ist anders

Wann ein Patient operiert werden muss, entscheiden Orthopäden bei jedem Patienten individuell. Bei der Indikationsstellung muss der Operateur unbedingt darauf achten, ob es schon Begleitschäden in Nachbarsegmenten gibt, die dann im Rahmen der Operation mitbehandelt werden sollten. Ist die Bandscheibe durch die Spondylolithesis degeneriert und fällt als Puffer zwischen den Wirbelkörpern weg, plädieren sie zum Beispiel meist für einen kombinierten operativen Eingriff von vorn und hinten. Der bewegte Wirbelkörper kann so besser abgestützt werden – die Patienten profitieren nachhaltiger von einer erhöhten Stabilität.

Es gibt verschiedene Versteifungsoperationen, um das Wirbelgleiten zu beheben. Sie heißen in der Fachsprache Spondylodese. Die Auswahl hängt von vielen Faktoren ab:
• Art und Ausprägung des Wirbelgleitens
• Aktivität des Patienten
• Alter des Patienten
• Zustand der Bandscheibe und der angrenzenden Wirbelkörper

Mehrere Verfahren zur Auswahl

Je nachdem, was individuell passt, bringen Operateure Schrauben oder sogenannte Käfige (Cages) in die Wirbelsäule ein. Die Wirbel gelangen so wieder in die richtige Position und werden fixiert. Die Versteifungsoperation erfolgt in vielen Fällen in einem endoskopischen, also minimal invasiven Eingriff.

Bei einem kombinierten Eingriff von vorn und hinten verschaffen sich die Operateure zunächst in dem ersten Eingriff über einen kleinen Hautschnitt auf der Bauchdecke Zugriff auf die Bandscheibe und entfernen den abgenutzten Puffer. Dann setzen sie einen kleinen Platzhalter mit Hohlraum ein, der mit Knochenmaterial aufgefüllt wird. Mit Spezialschrauben wird dann von hinten ein Verbindungsstück ober- und unterhalb des Platzhalters befestigt, die instabilen Wirbel werden mit dem Verbindungsstück stabilisiert. Ob alles sitzt, kontrolliert der Operateur per Röntgenbild. Nach einigen Wochen entsteht eine stabile knöcherne Verbindung zwischen den beiden Wirbelkörpern.

Nach der Operation müssen die Patienten sich zwar noch zurückhalten, wenn es um schweres Heben oder Springen geht. Sanfte Sportarten, die keine ruckartigen Bewegungen in der versteiften Wirbelsäule provozieren, sind aber erlaubt und sogar gewünscht. Denn eine trainierte Rückenmuskulatur schützt die neu miteinander verbundenen Wirbelkörper und macht das gesamte System belastbarer.

Filmbeiträge: Carola Welt, Ursula Stamm
Infotext: Beate Wagner

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